Insheim RHEINPFALZ Plus Artikel Maler hängt den Pinsel an den Haken

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Nach 85 Jahren endet im Januar die Geschichte des Insheimer Malereibetriebs Marz. Drei Generationen arbeiteten in dem Familienunternehmen und bauten ihn von kleinen Anfängen auf. Norbert Marz schaut dennoch nicht wehmütig auf das Ende.

„Das Arbeiten hat sich in der Zeit sehr verändert“, erzählt Norbert Marz. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea führt er den Insheimer Malereibetrieb Marz in der dritten Generation. Der am Ortsrand gelegene Handwerksbetrieb blickt auf eine lange Geschichte zurück. Doch nun, nach 85 Jahren und 14 Auszubildenden, wird er Ende Januar geschlossen. Angefangen habe einst alles ganz klein. Nach seiner Malerlehre in Rohrbach machte sich Norbert Marz’ Großvater Adam 1928 selbstständig. Der sei damals 21 Jahre alt gewesen. Ein Auto habe der Einmannbetrieb zu der Zeit noch nicht besessen. Stattdessen nutzte Adam Marz einen Handkarren, um Farben und Pinsel dorthin zu bringen, wo es einen Auftrag gab. Das seien vor allem kleinere Arbeiten bei Bauern oder Privatleuten in der Gegend, in Insheim oder Impflingen gewesen.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fand das ein vorläufiges Ende. Adam Marz sei in Kriegsgefangenschaft in Russland geraten. Doch der Maler habe damals noch Glück gehabt, erzählt der Enkel, denn es sei ihm besser ergangen als vielen anderen Gefangenen: Er sei nach Moskau gekommen und habe sein Handwerk dort weiter ausüben können, habe Offiziersräume gestrichen. Als er 1948 schließlich zurückkam, belebte er seinen eigenen Betrieb wieder und führte die Arbeit hier nahtlos fort.

1957 das erste Auto

In den fünfziger Jahren hielt dann die nächste Generation Einzug in den Malerbetrieb und krempelte einiges um. Rudi Marz hatte eigentlich bis 1952 eine Schreinerlehre absolviert. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in jener Zeit habe er sich zur Mitarbeit im väterlichen Betrieb entschieden. 1957 schaffte er das erste Fahrzeug an, mit dem schließlich ein weiterer Umkreis erschlossen werden konnte. Anders als Adam Marz absolvierte Rudi außerdem seine Meisterprüfung – ohne je eine Malerausbildung gemacht zu haben, brauchte er dafür eine Sondergenehmigung. Doch danach konnte der Betrieb zum ersten Mal selbst ausbilden. Die Belegschaft von bis dahin zwei bis drei Mitarbeitern habe sich mit der Zeit verdoppelt.

Auch den Standort wechselte der Betrieb im Jahr 1985, denn die alte Werkstatt im Insheimer Ortskern sei für die größere Zahl an Mitarbeitern und die wachsenden Geräte zu klein geworden. In dieser Zeit begann die dritte Generation mit der Arbeit im elterlichen Betrieb. Wie auch schon sein Vater vor ihm, hatte Norbert Marz ursprünglich nicht Maler werden wollen, erzählt er. Stattdessen absolvierte er bei der BASF eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Doch nach einiger Zeit im Großbetrieb änderte er seine Meinung, wollte lieber in einem kleineren Betrieb arbeiten. Vor allem wegen der Arbeitsatmosphäre. Auch sein Bruder Andreas arbeitete einige Zeit lang im elterlichen Betrieb mit, doch nach einem Motorradunfall konnte er nicht mehr in diesem Beruf arbeiten und schlug einen anderen Karriereweg ein.

Stolz auf syrischen Lehrling

Die Arbeit sei heute eine ganz andere als Anfang des vergangenen Jahrhunderts, sagt Norbert Marz. Nicht nur wegen der modernen Geräte. „Die Kunden sind dankbarer als früher“, stellt er immer wieder fest. Allerdings hätten sich auch die Ansprüche geändert und man müsse heute viel mehr auf Sauberkeit achten als das früher noch der Fall gewesen sei. Gerade der Mangel an Arbeitskräften mache der Branche aber zu schaffen. Dabei ist sich das Ehepaar Marz sicher, dass das Handwerk für einige, die in anderen Zweigen unglücklich sind, der richtige Berufszweig wäre. „Es macht Spaß, das Ergebnis der Arbeit zu sehen“, sagt Andrea Marz. Dieses Erfolgserlebnis fehle bei anderen Tätigkeiten oftmals.

Stolz ist das Ehepaar auf einen Lehrling, der vor zwei Jahren seine Ausbildung beendet hat. 2016 sei er aus Syrien geflohen, schon 2017 als Praktikant zu ihnen gekommen, und ein Jahr später hätten sie ihn eingestellt. „Viele haben damals Bedenken geäußert“, sagt Andrea Marz, doch der Syrer habe sich als geeigneter erwiesen als viele Lehrlinge zuvor. Jetzt mache er seinen Meister – Probleme, eine Anstellung zu finden, werde er keine haben. Davon ist das Ehepaar überzeugt. Auch ihre anderen beiden verbliebenen Mitarbeiter haben bereits eine Anschlussbeschäftigung gefunden.

Kein Kandidat für Übernahme

Die Gründe für das Ende des Betriebs sind einfach: Norbert Marz geht in Rente. Ein Nachfolger fand sich nicht, obwohl sie die Übernahme mehrfach angeboten hätten. Trotzdem schaue er nicht wehmütig auf das Ende der 85-jährigen Tradition, sagt Marz. „Aber nachdem ich so lange so viel Arbeit hatte, wird es seltsam, wenn das wegfällt.“ Allerdings dürfte es kein Problem sein, eine neue Beschäftigung zu finden, gibt Andrea Marz zu bedenken. Denn ab Februar könnten sie dann häufiger mit dem Fahrrad oder dem VW-Bus fortfahren – und das dann auch unter der Woche. Außerdem würden sich gerade auch die fünf Enkel darauf freuen, wenn ihr Opa bald mehr Zeit für sie hat.

Bis Ende Januar geht die Arbeit noch weiter. Dann wird die Werkstatt ausgeräumt.
Bis Ende Januar geht die Arbeit noch weiter. Dann wird die Werkstatt ausgeräumt.
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