Kapellen-Drusweiler
Frischmilch aus dem Zapfhahn
Die RHEINPFALZ trifft sich mit Bauer Jörg Brassel auf dem Deutschhof, der zu Kapellen-Drusweiler gehört. Hier hat der Landwirt aus Albessen in der Westpfalz den ersten Milchautomaten Anfang 2021 an der Südlichen Weinstraße auf dem Hof von Familie Schowalter aufgestellt. Die Familien sind befreundet. Inzwischen sind es fünf solcher Automaten im Landkreis. Ute Schowalter freut sich, denn die Milch läuft. Nicht nur aus dem Automaten, sondern auch in die Flaschen der Kunden. Obwohl der Deutschhof mit wenigen Häusern an keiner Durchfahrtstraße liegt, gehen rund 80 Liter pro Woche weg. „Es hat sich herumgesprochen“, sagt Ute Schowalter.
Jörg Brassel füllt an diesem Tag den kleinen Kühlschrank auf. Ein leerer Beutel mit zehn Litern Milch wird herausgenommen, ein gekühlter voller eingesetzt, das dauert keine Minute, der Auslauf für die Milch ist bei jedem Beutel dabei, sodass es keine Probleme mit der Hygiene gibt. Flaschen können mitgebracht oder für einen Euro erworben werden, nutzen kann man sie immer wieder. 1,70 kostet der Liter Milch, 0,85 der halbe. „Das spart 90 Prozent Verpackungsmüll“, sagt Brassel. Ute Schowalter freut sich auch, dass mit der Milch das Sortiment des hofeigenen „Food Trucks“, in dem in zwei Automaten Produkte des eigenen Hofs und aus der Region verkauft werden, erweitert werden konnte.
50 Standorte in der Pfalz
Brassel strahlt, als er seine Erfolgsgeschichte erzählt. Er sei seines Wissens der Einzige in Rheinland-Pfalz, der seine Milch auf diese Weise vermarktet. „Es macht unglaublich viel Spaß“, sagt der Bauer in dritter Generation. Vor rund sechs Jahren habe es eine Milchkrise gegeben, erzählt er. „Da gab es noch 20 Cent für den Liter Milch, und ich musste mir was überlegen, wenn ich überleben wollte“, erinnert sich der Vater von fünf Kindern. Und so kam er auf die Idee, seine Milch direkt an die Kunden zu bringen. Und damit hat er Erfolg. Seit 2017 bis heute hat er rund 50 Standorte in der Pfalz. Dafür hat der heute 50-Jährige ordentlich investieren müssen, insgesamt einen höheren sechsstelligen Betrag in den vergangenen Jahren. Für einen neuen Kuhstall und eine Hofmolkerei.
„Dabei haben wir viel Wert darauf gelegt, dass sich unsere Kühe und Kälber richtig wohl fühlen. Das heißt: viel frische Luft, Tageslicht und viel Platz für jede Kuh“, so Brassel. Gefüttert werden die Tiere, es sind 200 schwarzbunte Kühe, die täglich zwischen 5000 und 6000 Milch geben, überwiegend mit selbst erzeugtem Futter, das auf den eigenen Wiesen und Feldern gewachsen ist. Bewirtschaftet werden rund 200 Hektar.
Brassel beliefet auch Kitas und Schulen
„Der natürliche Fettgehalt ist so, wie er aus dem Euter herauskommt, er kann je nach Jahreszeit zwischen 3,8 Prozent und 4,4 Prozent schwanken“, informiert der Milchbauer. Auch darüber, dass die Milch pasteurisiert ist, das heißt bis zu 75 Grad erwärmt, um sie keimfrei zu machen. „Ein Muss bei der Vermarktung“, sagt er. Die Bewirtschaftung des Hofes, die Vorbereitung der Frischmilch für die Automaten und die Belieferung der Standorte stemmt er zusammen mit seiner Frau Silke und sechs weiteren Mitarbeitern. Rund 3500 bis 4000 Liter Frischmilch pro Woche kann Bauer Brassel über die Automaten vermarkten. Damit liege die Eigenvermarktung bei 15 bis 20 Prozent, sagt er. Auch der Marktleiter des SBK in Bad Bergzabern, Nicolas Wrede, ist von der Brasselmilch begeistert. Bei ihm stehen gleich zwei Automaten. „Es läuft Bombe“, sagt er. Rund 700 Liter würden bei ihm im Monat gezapft. „Frischer geht es nicht. Wir heben uns damit vom üblichen Sortiment ab, und die Verbraucher können Verpackungen sparen“, schildert er die Vorteile für das Einkaufszentrum.
Die Brasselmilch gibt es aber nicht nur am Automaten. Der Hof beliefert seit mehr als drei Jahren auch Grundschulen und Kindergärten, derzeit sind es rund 50, über das EU-Schulmilchprogramm mit der frischen Milch. Die Kinder erhalten einmal pro Woche die für sie kostenlose Milch.
Ab April gibt’s auch einen Eisautomaten
Bei der Milch soll es aber nicht bleiben, im April will Jörg Brassel seinen ersten Eisautomaten in der Südpfalz bei Schowalters aufstellen. „Es wird fertige Becher unterschiedlicher Eissorten und Eistorte geben“, informiert er. Und Hundeeis unter anderem mit Lewwerworscht und Lyoner. Eine Eisdiele wird dazu die Milch vom Hof verarbeiten. Dass das Hundeeis sehr gut angenommen wird, weiß er. Der erste Automat steht bereits in der Westpfalz. „Jeder kann kommen und sich unseren Hof anschauen, um sich ein eigenes Bild zu machen, wer eine Führung möchte, sollte sich aber vorher anmelden“, bietet Jörg Brassel an. Zudem beliefere er gerne weitere Kitas über das EU-Programm, bei Interesse können sich die Einrichtungen per E-Mail an ihn wenden.
Info
- Milchautomaten stehen beim SBK in Bad Bergzabern und Steinfeld, in Deutschhof bei Familie Schowalter und in Billigheim im Edeka. In der Südwestpfalz in Busenberg bei der Fleischerei Keller, in Wilgartswiesen in „Martins Dorfladen“ und in Hauenstein im Hofladen „Hollerbusch“.
- www.brasselmilch.de
- E-Mail: info@brasselmilch.de
- Telefon 0172 6639548