Kreis Südliche Weinstraße Flüchtlingskinder spielen „Nathan“

Ein- bis zweimal pro Woche proben die Schüler.
Ein- bis zweimal pro Woche proben die Schüler.

„Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach.“ Beim Lesen dieser Essenz aus der Ringparabel in Lessings Drama „Nathan der Weise“ werden Erinnerungen an die Schulzeit wach. Nun hat eine Schülergruppe an der Realschule plus Annweiler das Thema über den wahren Gottesglauben aufgegriffen und in ein Theaterstück umgesetzt, das in unsere Zeit passt. Das Besondere: Die Schauspieler sind ausnahmslos ausländischer Herkunft.

Am Mittwoch ist Premiere des Stücks „Die Kinder von Nathan“ mit Schauspielern aus Syrien, Ungarn und Rumänien. Hamzah, Xaver, Raul, Vivien und Ehdaa gehen in die neunte und zehnte Klasse der Schule. Seit zwei bis drei Jahren nehmen sie an intensiven Deutschkursen von Krisztina Godany teil. Die gebürtige Ungarin unterrichtet an der Realschule das Fach Deutsch als Fremdsprache bereits seit elf Jahren. Zwei Besuche in Jerusalem hatten sie auf die Idee gebracht, sich mit den Fortgeschrittenen ihrer Kursschüler an Lessings „Nathan“ heranzuwagen. Als Material bediente sie sich einer bereits vorhandenen Version, die sie auf ihre Darsteller zuschnitt. Beim Einüben und in der Regie wurde sie von Monika Erdmann unterstützt. Erdmann ist pädagogische Fachkraft und seit 2003 an der Schule für die Integration der rund 50 Flüchtlingskinder und Migranten zuständig. Wie auch bei Lessing spielt das Stück in Jerusalem während der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert. Die handelnden Personen sind reduziert auf Nathan, gespielt von Hamzah Baranbou, den Sultan, verkörpert von Raul Duiuleasa, den Tempelritter, dargestellt von Xaver Csibri als Kreuzritter Kurt, auf Ehdaa Hamadah in der Rolle der Recha und auf den Patriarchen, dessen Platz Vivien Csibri als Bischöfin einnimmt. Geprobt wurde ein- bis zweimal in der Woche. In der Generalprobe verblüfften die jungen Laienspieler, mit welcher Geschmeidigkeit sie die deutsche Sprache beherrschen, wie sie ihre Rollen nicht nur herunterplapperten, sondern sich mit ihnen identifizierten. Nathan, der Jude, ist sich seiner Klugheit bewusst, und so handelt er stets maßvoll. Trotzdem steckt in ihm das Misstrauen gegen Menschen anderen Glaubens, vor allem dem Sultan gegenüber. Ebenso davon überzeugt, dem einzig wahren Gott anzugehören, sind der Sultan und die Bischöfin einander feindlich gesinnt. Beide vereinnahmen Gott für die eigenen Machtinteressen. Regungen von Menschlichkeit sind ihnen dennoch nicht fremd. Die heranwachsende Recha versteht den ganzen Starrsinn nicht. „Jude, Christ, Muslim – in erster Linie sind wir doch Menschen“, ruft sie erschrocken. Die von ihr erzählte Ringparabel vermag es, die Kontrahenten aufeinander zugehen zu lassen. Die Handlung läuft flott und packend über die Bühne, entbehrt auch nicht einiger wirkungsvoll gesetzter Elemente der Komik und Ironie. Bereichert wird die Aufführung durch Klang- und Lichteffekte, vermischt mit Video-Clips der beiden „Tontechniker“ Janosch und Lukas. Info Premiere am Mittwoch, 6. Juni, 18.30 Uhr, Aula der Realschule plus Annweiler.

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