Rhodt
Eichhaus soll in Gaststätte umgewandelt werden
Nicht nur wegen der Rietburg zieht es viele Touristen Jahr für Jahr nach Rhodt. Auch bei der Durchreise machen Ausflügler Halt in der 1300-Einwohner-Gemeinde. Sie nutzen die Gelegenheit, den Ort und die Region zu besichtigen und sich zwischendurch bei Weingütern mit edlen Tropfen einzudecken. Andere möchten ihre Erkundungstouren bei einem gemütlichen Abendessen im Lokal ausklingen lassen – wenn sie denn einen Tisch bekommen.
Sonja Schäfer vom Hotel Alten Rebschule beziehungsweise Gasthaus Sesel hat bereits häufiger von Besuchern gehört, dass sie mangels Sitzplätzen in Rhodter Gaststätten nicht einkehren können. Nicht wenige fahren dann in Nachbardörfer, bevor sie teilweise zurück in ihre Pension oder Ferienwohnung nach Rhodt kommen. „Das Problem ist mit der Zeit entstanden, nachdem immer mehr Weinstuben aufgegeben haben“, berichtet die Chefin des Hauses.
Personal wandert in andere Branchen ab
In der Südpfalz besteht seit etwas drei Jahren ein Netzwerk, das auf Initiative von Schäfer und anderen Wirten mit Unterstützung des Vereins Südliche Weinstraße gegründet wurde: das Gastwerk Südpfalz. Es informiert online über Jobmöglichkeiten im Gastgewerbe, um dadurch das Interesse von potenziellen Fachkräften zu wecken. Wegen der Corona-Krise hat sich die Situation allerdings verschlimmert, weil Beschäftigte im Gastgewerbe mangels Einnahmen und Perspektiven in den monatelangen Lockdown-Phasen 2020 in andere Branchen abgewandert sind. Das beklagen unzählige Wirte und Hotelière in der Südpfalz ebenso in anderen Regionen. Die Folge: Lokale wie der Alte Kastanienhof müssen ihr Angebot reduzieren.
Dort wird neuerdings aus der Not heraus ein zweiter Ruhetag in der Woche eingelegt. Das berichtet Siegfried Rögner, der zusammen mit seiner Frau Birgit das Gasthaus und die Pension im Herzen des Dorfes führt. „Vor allem die Minijobber fehlen. Weil sie kein Kurzarbeitergeld bekamen, sind viele woanders arbeiten gegangen, um etwas zu verdienen.“ Da sie teilweise merken, dass sie bei anderen Arbeitgebern entspannter an ihr Geld kommen, ohne Wochenenddienste beispielsweise, kehren sie nicht mehr zurück.
Eichhaus das Objekt der Begierde?
Die Gemeinde möchte reagieren, wie Ortsbürgermeister Armin Pister im RHEINPFALZ-Gespräch ankündigt. Im Mittelpunkt steht dabei das Eichhaus im Dorfmittelpunkt, das sich an der Weinstraße befindet. Das Gebäude wurde im Jahr 1724 errichtet. Bis in die 60er-Jahre war es ein Anlaufpunkt für Winzer, die dort Fässer, Hotten und Bottiche eichen ließen. Die Waage wurde vor langer Zeit außer Betrieb genommen, um dadurch auch die jährlichen Kosten für die Eichung einzusparen. Seit Herbst 2019 steht das Haus unter Denkmalschutz.
Wie Pister berichtet, wurde es zuletzt zu Wohnzwecken benutzt. Die letzten Mieter haben das Haus verlassen, weil die Räume nicht mehr den Standards eines Wohnraums entsprechen. Seitdem steht es leer. „Wir haben nicht das nötige Geld, um es selbst wieder neu herzurichten“, sagt Pister. Deshalb stehe es seit einiger Zeit zum Verkauf.
Investor muss Konzept vorlegen
Nach Angaben von Pister gibt es mittlerweile Interessenten für die Immobilie, die sie mit ähnlichen Konzepten wieder mit Leben erfüllen möchten. Im Obergeschoss sollen neue Wohnräume hergerichtet werden, das Erdgeschoss sei für Gastronomie vorenthalten. „Idealerweise befindet sich direkt nebenan der Eichplatz, der für eine Außenbestuhlung genutzt werden könnte“, so Pister zu den Überlegungen.
Es sei nicht entscheidend, das größtmögliche Kapital aus dem Haus zu schlagen. Wichtiger sei das Konzept, das dem Gemeinderat vorgelegt werden muss. „Zudem legen wir Wert auf einen Zeit- beziehungsweise Ablaufplan der Arbeiten“, sagt Pister. Der Investor müsste beispielsweise angeben, wann er mit der Sanierung des Gebäudes beginnen möchte und vor allen Dingen, wann mit dem Abschluss der Arbeiten gerechnet wird. „Wir wollen nicht, dass ewig daran gearbeitet wird. Das Eichhaus steht schon lange genug leer“, betont Pister.