Vorderweidenthal
Dekanatsjugendheim: Erfolgsgeschichte einer Waldhütte
Es liegt verwunschen mitten im Wald am Fuß der Burgruine Lindelbrunn in der Nähe des Cramerhauses: das Jugendheim des protestantischen Dekanats mit Plätzen für 32 Besucher, denen eine Küche, ein Aufenthalts- und ein Speisesaal sowie ein Spielzimmer zur Verfügung stehen. Der Zeltplatz vor dem Haus ist für 80 Plätze ausgelegt. Gruppen von Kitas, Schulen, Konfirmanden oder dem Pfalzklinikum nutzen unter anderem das Haus für Freizeiten. Es ist durchgehend ausgebucht. Für private Feste kann es nicht genutzt werden.
Hermann Dahl und seine Mitstreiter kennen das Haus schon seit ihrer Jugend. Sie haben dort selbst Freizeiten verbracht, sind seit mehr als 50 Jahren befreundet. „Es gab damals kein fließendes Wasser und keinen Strom“, erinnert sich der heute 73-jährige Dahl. Zusammen mit seiner Frau Ilse Dahl, Gerhard Wüst aus Klingenmünster, Gerd Meyer aus Barbelroth und Peter Brunck aus Niederhorbach bekommt er das goldene Kronenkreuz der Diakonie verliehen. Als Anerkennung für die Leistungen der vergangenen 40 Jahre. Denn ohne die Ehrenamtlichen, zu denen noch viel mehr gehören, gäbe es das heutige Dekanatsjugendheim nicht.
Haus sollte in den 70ern verkauft werden
1954 als einfaches Haus für Freizeiten der Jugend gebaut, sollte es 1976 verkauft werden. „Sechs Leute gingen dann zum damaligen Dekan Josef Hensel mit dem Angebot, die komplette Verwaltung des Hauses zu übernehmen“, erzählt Dahl, der einer der sechs war. Mehr als 50 Helfer waren bei der Renovierung im Einsatz. „Es war ein Riesenerfolg“, so Dahl zu der Wiedereröffnung im selben Jahr. 32 Betten konnten damals belegt werden, Aufenthalts-, Speiseraum und eine Küche standen zur Verfügung. Aber der Zahn der Zeit hat am Gebäude genagt, Geldmittel standen nicht ausreichend zur Verfügung. Die Ehrenamtlichen wollten nicht aufgeben, gründeten 1982 den eingetragenen Verein „Förderkreis Dekanatsjugendheim Lindelbrunn“ mit heute rund 100 Mitgliedern. Vorsitzender ist seit der Gründung Hermann Dahl. Der Förderkreis hat ehrenamtlich die komplette Bewirtschaftung und Verwaltung des Hauses übernommen, angefangen von Reparaturen bis zum Belegungsplan.
1987 wurde das Haus, das den gestiegenen Anforderungen nicht mehr entsprach, komplett abgerissen. Fünf Jahre Aufbauarbeit folgten, mit viel Eigenleistung der Ehrenamtlichen. 1992 wurde das Dekanatsjugendheim mit Kosten von 1,2 Millionen Euro eingeweiht. 2005 kamen die große Grillhütte und ein Atrium aus Sandsteinen für kleine kulturelle Veranstaltungen oder als Diskussionsforum dazu. Schon lange ist das Haus ein Selbstläufer. „Die Jugendgruppen kommen aus der Pfalz und aus Baden-Württemberg, wir sind jedes Jahr mit rund 3800 Übernachtungen ausgebucht“, erzählt Hermann Dahl. 2023 geht jetzt schon nichts mehr, Interessierte können wieder ab 2024 reservieren. Bei der Zahl der Übernachtungen in den 40 Jahren muss Dahl erst mal rechnen. „Es werden so um die 160.000 gewesen sein“, sagt er.
Abriss und Neubau beschäftigt die Ehrenamtler
Die größte Herausforderung in all den Jahrzehnten? „Der Abriss und der Neubau hat uns am meisten beschäftigt“, erinnert er sich. Auch heute vergehe kaum ein Tag, an dem es nicht irgendetwas mit dem Dekanatsjugendheim zu regeln gäbe. Beim Gespräch mit der RHEINPFALZ ist es der Rasenmäher, der zur Reparatur muss. Und das Treffen mit dem Team, um Arbeitseinsätze zu besprechen. Denn zu tun gibt es immer. Unmengen Laub beseitigen, Dächer reinigen, die Wiese mähen, kleine Reparaturen im Haus und vieles mehr.
Info
Das Goldene Kronenkreuz der Diakonie verleiht Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr am Montag, 31. Oktober, um 19 Uhr in der Marktkirche an Peter Brunck, Hermann Dahl, Ilse Dahl, Gerd Meyer und Gerhard Wüst.