Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Missionarin nach über drei Jahrzehnten in Brasilien zurückgekehrt

Beate Kästle Silva wird ab 1. Oktober bals Kfd-Referentin bei der Diözese in Speyer arbeiten. Foto: Iversen
Beate Kästle Silva wird ab 1. Oktober bals Kfd-Referentin bei der Diözese in Speyer arbeiten.

Seit einigen Wochen ist Beate Kästle Silva wieder in Deutschland. Mehr als drei Jahrzehnte lebte die gebürtige Bad Bergzabernerin im nordbrasilianischen Caruaru – anfangs als Missionshelferin, dann in leitender Funktion.

Sie leitete die Einrichtung Comviva („Gemeinsames Leben“), die sich vor allem um Kinder und Jugendliche kümmert, deren Eltern in schwierigen sozialen Verhältnissen leben. Oftmals sind es auch Waisen oder Straßenkinder. Bis hin zu einer Berufsausbildung reicht die angebotene Hilfe.

Caruaru liegt nun hinter ihr, aber bei den Comviva-Projekten will Beate Kästle Silva weiterhin mitarbeiten, wenn auch mit räumlicher Distanz. „In Zeiten weltweiter Kommunikation überhaupt kein Problem“, sagt sie. Außerdem ist ihr Mann Alexandre noch in Recife, der Hauptstadt des Bundeslandes Pernambuco, und hält Kontakt nach Caruaru. Er gibt dort Fortbildungen für die Mitarbeiter.

Die politische Situation in Brasilien ist alles andere als gut. Korruption, Einschränkung von Bürgerrechten, schlechte Lebensbedingungen für die indigene Bevölkerung und Abholzung des Regenwaldes: Dies waren Umstände, die Beate Kästle Silvas Rückkehr nach Deutschland beschleunigt haben. Was über Jahre an Fortschritten erreicht worden sei, werde jetzt binnen Monaten wieder zunichte gemacht.

Ihren Rückzug aus Brasilien hat Beate Kästle Silva über Jahre vorbereitet. Immer mehr Verantwortung hat sie abgegeben, hat schließlich das Projekt „nur noch begleitet“. Schon vor zehn Jahren ist sie ihrem Mann aus Caruaru nach Joao Pessoa gefolgt und fuhr nur noch tageweise nach Caruaru. Berufliche Gründe waren es, denn Alexandre fand eine Stelle an der Universität. Aber auch die persönliche Sicherheit, nicht zuletzt die der Kinder, spielte eine Rolle. Künftig werde sie vielleicht alle zwei Jahre hinüberfliegen, um den persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten.

Immer wieder werde sie gefragt, wie es mit dem Projekt weitergeht. Da ist sie zuversichtlich. Es scheint zu gelingen, Comviva finanziell auf „brasilianische Füße“ zu stellen, was auch von Anfang an geplant war. Private Stiftungen in Brasilien unterstützten Comviva, während staatliche und städtische Stellen zugesagtes Geld kürzten, strichen oder unterschlügen. Dennoch hätten einige Mitarbeiter entlassen oder geplante Projekte eingeschränkt werden müssen. Umso wichtiger seien auch die Mittel aus Deutschland. Das Kindermissionswerk in Aachen und natürlich das Fröhliche Kunterbunt in Bad Bergzabern sind wichtige Geldgeber.

Familiär ist ihre Situation derzeit schwierig, zumindest für die nächsten drei Jahre. Dann erst kann ihr Mann nachkommen. Die ältere Tochter Joana studiert derzeit Mikrobiologie in Marburg, Sohn David IT-Ingenieurwesen in Brasilien. Die Jüngste, Milena, besucht die Schule in Landau. Als Dreijährige wurde sie von ihren Eltern adoptiert. Für die 13-Jährige ist es jetzt vor allem wichtig, sich in Deutschland zu integrieren. Je älter sie werde, umso schwieriger werde das. Auch deshalb sei es wichtig gewesen, den Sprung zurück nach Deutschland zu wagen. Mit einer halben Stelle als Kfd-Referentin bei der Diözese in Speyer bleibe ihr noch genügend Zeit, sich um die Tochter zu kümmern.

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