Kreis Südliche Weinstraße
Bad Bergzabern: Lyte-Kunden können nicht mehr telefonieren und im Internet surfen
Seit 1. Juli fühlen sich Bürger in einzelnen Gemeinden der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern von der Außenwelt abgeschnitten. Telefon und Internet funktionieren nicht mehr. Ihr Anbieter verweist auf unvorhergesehene Störungen im Glasfasernetz. Es gibt jedoch auch eine zweite Version.
Otto Hey aus Oberotterbach ist derzeit nur auf dem Handy erreichbar. Das Telefon geht nicht mehr, ebenso wenig das Internet. Nicht nur bei ihm, sondern auch nicht bei seinen Nachbarn, die Kunden von Lyte sind. Unter diesen Namen firmiert das Berliner Unternehmen New Fiber Networks GmbH, die das Glasfasernetz in Gemeinden der VG Bad Bergzabern und weiteren Kommunen nutzt, um Bürger n schnelles Internet bieten zu können. Doch voraussichtlich bis Mitte Juli werden sie den PC oder den Laptop daheim nicht nutzen können, um im World Wide Web zu surfen. Bis das Festnetz funktioniert, könne es noch ein paar Tage länger dauern, teilt das Unternehmen mit.
„Es ist saumäßig, was hier passiert“, sagt Hey der RHEINPFALZ. Von den ein auf den anderen Tag seien die Internet- und Telefonleitungen tot gewesen. Zwei Tage später habe er ein Schreiben von Lyte erhalten, in dem stehe, dass die Störung durch Wartungs- und Ausbauarbeiten verursacht worden seien. Ein Sprecher von Lyte erklärt auf Anfrage, dass diese Arbeiten notwendig seien, um das Glasfasernetz weiter auszubauen. Man wolle schließlich bis 2030 und darüber hinaus 33 Kommunen in der Region mit „lichtschnellem Internet“ versorgen. Die Kunden seien über die Arbeiten informiert worden. Otto Hey, der im Gemeinderat Mitglied ist, hat diese Info nicht erreicht.
Firma aus Erlenbach erklärt seine Sicht der Dinge
Bernd Klein aus Pleisweiler-Oberhofen ist ebenfalls sauer. Ihn ärgern die unterschiedlichen Aussagen, die er zu der Ursache der Störung zu hören bekommt. Er spielt mit dem Gedanken, rechtliche Schritte einzuleiten. „Wenn sich das bewahrheitet, was Herr Winter uns mitgeteilt hat.“ Jürgen Winter ist Geschäftsführer der Firma NX4 Networks GmbH aus Erlenbach. Sie hat als Dienstleister im Namen von Lyte das Glasfasernetz betrieben und gewartet, und zwar bis zum 30. Juni. „Wir sahen uns dazu veranlasst, die Kunden zu kontaktieren, weil uns vorgeworfen wird, Leitungen beschädigt zu haben. Das haben Kunden an uns herangetragen“, sagt Winter der RHEINPFALZ. In dem Schreiben erläutert er den Kunden ausführlich, weshalb die Zusammenarbeit mit Lyte gekündigt wurde. Kurz zusammengefasst: Rechnungen für erbrachte Leistungen seien nicht beglichen worden. Man habe alles versucht, um einen nahtlosen Übergang zu schaffen. Allerdings habe Lyte dies offensichtlich verpasst. „Wir haben zum 1. Juli unser Material von der Technikzentrale entfernt, meines Wissens nach gab es dafür keinen adäquaten Ersatz“, sagt Winter.
Keine Bezahlung wegen mangelnder Leistung
Lyte hat inzwischen reagiert und ein weiteres Schreiben für die Kunden aufgesetzt. Ohne ein Unternehmen namentlich zu nennen, teilt Lyte mit: „Wir mussten mit Bedauern feststellen, dass die geforderten Leistungen nicht von allen beteiligten Unternehmen nach unseren Qualitätsstandards durchgeführt wurden.“ Unter anderem Hausinstallationen sowie Erd- und Straßenbauarbeiten seien nicht ordnungsgemäß abgewickelt worden. „Des Weiteren erfolgte die Projektübergabe per 30. Juni nicht im Sinne der Kunden.“ Informationen seien nicht weitergegeben worden, auch Dokumentationen seien nicht herausgegeben worden. Dies habe zu zusätzlichen Verzögerungen der laufenden Wartungs- und Ausbauarbeiten geführt.
Auf Anfrage teilt ein Lyte-Sprecher mit, dass man die Kunden für die Unannehmlichkeiten bereits entschädigt habe. „Wir werden ihnen die Monatsgebühr erlassen. Für Kunden, die zwingend auf Internet angewiesen sind, wenn sie beispielsweise im Homeoffice tätig sind, haben wir kostenfrei Router zur Verfügung gestellt, damit sie über Funk ins Internet kommen. Darüber hinaus können sich Kunden in unserer Geschäftsstelle in Bad Bergzabern ins offene W-Lan-Netz einloggen.“
Wirt sucht Rechtsbeistand
Das alles ist für Carsten Lellbach dennoch nicht zufriedenstellend. Lellbach betreibt in Oberotterbach die Weinstube im Winzerhof Hey. Bereits jetzt könne er sagen, dass er mit Umsatzeinbußen von 50 bis 60 Prozent zu kämpfen habe. „Die Kunden sind es gewohnt, kurzfristig einen Tisch zu reservieren. Das geht nicht mehr. Viele gehen wieder, weil sie derzeit nicht mit Karte bezahlen können.“ Es gehe hier um seine Existenz, sagt der Wirt. „Ich bin enttäuscht. Ich kann es nicht verstehen, wie wir in der heutigen Zeit so lange auf Internet und Festnetz verzichten müssen. Da komme ich mir vor wie in einer Bananenrepublik.“