SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Abfalldeponie: Corona sorgt für Explosion bei Müllabgabe

Mitarbeiter George Glavan überprüft bei der Eingangskontrolle in Ingenheim die Fahrzeuge.
Mitarbeiter George Glavan überprüft bei der Eingangskontrolle in Ingenheim die Fahrzeuge.

Ein neues Bad, weil die Urlaubsreise ins Wasser fiel. Endlich mal Zeit, um den Speicher zu entrümpeln: Die Pandemie sorgt für mehr Bauschutt und Sperrmüll, auch bei der Abfalldeponie in Ingenheim. Für viele gehört die Fahrt dorthin zum Alltag.

Samstag, 10 Uhr, Wertstoffwirtschaftszentrum in Ingenheim. Eine Ampel stoppt die Autofahrer, die ihren Unrat anliefern. Von den vier Mitarbeitern der Abfalldeponie sind samstags immer zwei anwesend. „Das ist zwar stressig, aber da wir nur vier Stunden auf haben, in Ordnung“, sagt Mitarbeiter Jannic Blanz. Er und George Glavan wechseln sich ab: Einer kontrolliert, was abgegeben wird, und der andere sitzt im Wiegehaus am Monitor. Vor dem Häuschen ist eine Brückenwaage im Asphalt verbaut, die das Eingangs- und beim Verlassen das Ausgangsgewicht der Fahrzeuge feststellt. Die Differenz wird berechnet. 70 Bürger aus dem Landkreis Südliche Weinstraße kommen bereits in den ersten zwei Stunden an diesem Samstag, im Schnitt kommen täglich 200 Anlieferungen. Nicht mehr als 15 Minuten dauert der durchschnittliche Aufenthalt.

Auffällig sei eine deutliche Mengensteigerung beim Bauschutt, vor allem bei keramischen Baustoffen, sagt Rolf Mäckel, Leiter des Eigenbetriebes Wertstoffwirtschaft, der die Anlage in Ingenheim betreibt. Häufig abgegeben werden Fliesen und Leichtbaustoffe wie Porenbetonsteine (Ytong). Mäckel vermutet, dass derzeit viele Leute ihre Bäder und Küchen renovieren, anstatt in Urlaub zu fahren. Nicht nur von Privatleuten, auch von gewerblichen Anbietern wird vermehrt Bauschutt gebracht. Außerdem kommen wohl viele Menschen dazu, ihre Speicher auszumisten, was ebenfalls zu einer Steigerung der Mengen beitrage, so Mäckel.

Geräte nicht mehr für Langlebigkeit gebaut

Vieles ist gebührenfrei, etwa Papier und Kartonagen, Flaschenglas und Grünschnitt bis drei Kubikmeter. „Jeder Bürger soll sein Kleingerümpel hier abgeben können. Alles mit Kabel und Stecker ist ebenfalls kostenlos“, sagt Mäckel. Dazu zählen auch Geräte mit Akkus. „Mähroboter sind auch immer wieder dabei.“ In einem der Container sind riesige Monitore. Auf dem dazugehörigen Schild steht: Bildschirme mit Bildschirmfläche größer als 100 Quadratzentimeter. Daneben kommt die Abladestation für Bildschirme, die kleiner als 100 Quadratzentimeter sind. „Wir bekommen viel Elektroschrott.“ Dieser wird zwei- bis dreimal wöchentlich im Wertstoffhof von verschiedenen Anbietern abgeholt. „Es geht um die Recyclingquote, also darum, dass so viel wie möglich in die Wiederverwertung gelangt“, sagt Mäckel.

Der Restmüll, der angeliefert wird, kommt anschließend in die Verbrennungsanlage nach Pirmasens. „17.000 Tonnen jährlich“, sagt Mäckel. Obwohl die Bevölkerung und das Pro-Kopf-Aufkommen stetig steige, liege die Menge stets in diesem Bereich, da Abfall stärker getrennt werde. „Die Kunden sollten beim Kauf auf Wertigkeit achten, damit Berge von Elektroschrott vermieden werden.“ Dass das heutzutage gar nicht mehr so leicht umsetzbar ist, fällt im Container für Waschmaschinen auf. Hier stehen bestimmt 15 Geräte. Gleich vorne sind zwei Waschmaschinen eines deutschen Herstellers, der für Qualität und Langlebigkeit steht. Auf Nachfrage erklärt Mäckel, dass inzwischen auch namhafte Hersteller Trommellager aus Hartplastik einbauten und diese nicht so langlebig seien wie die aus Metall.

Für einen Rasierapparat zur Mülldeponie

Mitarbeiter Jannic Blanz kommt derweil ins Schmunzeln. „Da gibt einer eine einzige Glühbirne bei uns ab. Die hätte auch in den Restmüll gekonnt“, sagt er. Zwei Haushaltsbatterien wurden auch schon gebracht. Oder ein einziger Rasierapparat. Und dabei kommen die Leute aus einem weiteren Umkreis. Blanz berichtet von älteren Herrschaften, die gefühlt jeden Tag mit zwei Zehn-Liter-Eimern Grünschnitt kommen. Er wäre froh, wenn die Leute besser zuhören würden. „Da sage ich: Sehen sie den blauen Container da hinten? Und zeige in die Richtung. Und dann schmeißen die es doch woanders rein.“ Einmal waren sogar Flaschen im Autoreifen-Container. Obwohl es doch klar ausgeschildert und im Container ersichtlich sei, was hinein soll. „Das hat mit Logik nichts zu tun.“ Bekommen die Mitarbeiter mit, wenn etwas falsch entsorgt wird, muss der Verursacher die Sachen wieder rausholen und an korrekter Stelle entsorgen.

Die ganze Anlage in Ingenheim ist sauber und übersichtlich. Matschige Schuhe sind hier nicht zu erwarten. Auch nicht beim Grünschnitt, wo lediglich einige Rinnsaale fließen. Blanz berichtet noch von Auto-Anhängern mit Grünschnitt, auf denen die Hecken drei Meter hinten herausragen. Ohne jegliche Befestigung. Überhaupt ist beim Grünschnitt richtig was los. Am Vormittag stehen drei Autos an der 25 Meter langen Abladestelle. Im Garten von Ralph Bayer aus Ingenheim ist eine Weide umgefallen. Er kommt jeden zweiten Samstag zum Wertstoffhof, und das gleich zweimal hintereinander, „weil nicht alles in die Biotonne geht“, sagt er. Der Südpfälzer würde auch ein drittes Mal kommen, doch dann wären Gebühren fällig. „Mehr als drei Kubikmeter darf man nicht kostenlos bringen.“ Außer den Weideresten hat er auch noch Rasen in seinem Hänger.

Entsorgung kann teuer werden

In einem überdachten Bereich der Abladerampe steht das Fahrzeug eines Herrn aus Bornheim. Der Mann wirft zwei Planschbecken zum Restmüll. Er bringt auch noch sechs Wohnzimmerstühle, die er ausgemistet hat. Mit einem geriffelten Messer schneidet er Stoff und Füllung an den Lehnen und der Sitzfläche ab. „Das Messer haben die mir gegeben. Wenn ich den Stoff abschneide, können die Stühle zum kostenlosen Holz. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es daheim schon abgemacht.“ Er kommt einmal im Quartal zum Entsorgen hierher. Auf der anderen Seite der großen Halle wirft ein Mann etwa 15 blaue Säcke mit Restmüll auf einen Haufen. „Da sind Tapeten und Bauschutt drin“, sagt er. Drei junge Leute aus Mühlhofen kommen zum Abladen von Holzabfällen. Sie bauen eine Scheune aus. „Wir kommen heute schon zum fünften Mal.“ 30 Euro kostet das Entladen eines Anhängers. Ein paar 100 Euro haben sie für die Entsorgung bereits ausgegeben.

Winfried Heinz aus Kapellen-Drusweiler bringt kostenfrei zwei Kühlgeräte und drei Haushaltsgeräte. „Wir haben das erste Mal seit Jahren wieder ausgemistet.“ Sascha Winstel aus Herxheim renoviert ein altes Haus. Viel Sperrmüll ließ er bereits auf Abruf bei sich zu Hause abholen. Heute bringt er mehrere Hänger Bauschutt mit seinem Vater zur Wertstoffanlage. „Wir haben auch schon Lehmwickel gebracht. Das sind alte Strohmatten, die mit Lehm umwickelt sind. Die waren an der Decke zwischen den Holzbalken.“ Die Lehmwickel mussten als Restmüll entsorgt werden. Für die Entsorgung hat Winstel bisher weit über 1000 Euro ausgegeben. Und vielleicht kommen noch einige Euro drauf.

Im Moment wollen die Leute besonders häufig Elektrogeräte loswerden.
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