Kusel
Wie sich das Wohnverhalten im Kreis ändert
„Die Zeit des Lockdowns hat den Menschen noch mehr gezeigt, dass es angenehmer ist, auf dem Land zu leben als in einer Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung in der Stadt“, sagt Uwe Zimmer, Leiter der Abteilung Bauen und Wohnen bei der Kreisverwaltung. Die Zahlen bei der Bauabteilung untermauern diese Analyse. Zur Jahresmitte sind dort 344 Bauanträge, Bauvoranfragen und Freistellungen registriert. Ginge dieser Trend so weiter, wären es zum Jahresende fast 700 Projekte. Ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. 526 waren es im vergangenen Jahr, 497 im Jahr davor und nur 454 im Jahr 2018.
Wer bislang den Nordkreis für eher unattraktiv gehalten hat, sieht sich widerlegt. Auch hier steigt die Anzahl der Bauanträge und -voranfragen. 93 waren es zur Jahresmitte – das sind sogar mehr als im gesamten Jahr 2018 mit 85. Aktuell ist das Obere Glantal jene Verbandsgemeinde, in der am meisten passiert in Sachen Bautätigkeit. 78 Anträge und Voranfragen bis zur Jahresmitte – in Kusel-Altenglan waren es 60 – deuten auch hier einen erheblichen Anstieg gegenüber 2020 (115) an.
Über 27.000 Wohngebäude
Noch ein bisschen mehr Statistik zu Bauen und Wohnen im Kreis: 19,4 Quadratkilometer Wohnbaufläche weist das Statistische Landesamt zum Jahresende 2019 aus; ein Anteil von 3,4 Prozent der gesamten Fläche des Kreises. Damit hat Kusel anteilig mehr Wohnbaufläche als der Schnitt im Land (3,4 Prozent).
Registriert sind im Kreis zum selben Zeitpunkt 27.364 Wohngebäude, das Gros von ihnen, 21.180, sind Einfamilienhäuser. Auch hier liegt der Kreis mit einem Anteil von 77,4 Prozent aller Wohngebäude deutlich über dem Landesschnitt (75,6). Ein erstes Indiz dafür, dass es sich im Kreis bequemer, weil großflächiger wohnen lässt.
Dieses Indiz wird untermauert von einer anderen Zahl: Jedem Einwohner im Kreis Kusel stehen im Schnitt 62,6 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Landesweit sind es nur 54,6 Quadratmeter. Oder: Die Wohnungsgröße im Kreis Kusel beträgt im Schnitt 120,2 Quadratmeter, in ganz Rheinland-Pfalz sind es nur 111,9.
Geändertes Wohnverhalten
Diese Entwicklung wird sich noch verstärken, wenn sich die Beobachtungen der Bauabteilung bestätigen, die Uwe Zimmer und Kerstin Kurz-Schulz berichten. Meistens werden Einfamilienhäuser gebaut, zumeist mit einer Wohnfläche um die 150 Quadratmeter. Ausreißer nach oben gebe es selten.
Allerdings hat sich hier doch etwas geändert: Es wird verdichtet gebaut. „Die Grundstücke sind kleiner“, sagt Kurz-Schulz. Das hat nicht nur mit den steigenden Grundstückspreisen zu tun, sondern auch damit, dass das Wohnverhalten sich geändert hat. Denn früher gehörte ein Nutzgarten fast immer mit dazu zum Einfamilienhaus, heute ist das eher die Ausnahme.
Und noch etwas ändert sich deutlich, wie die Bauabteilung des Kreises festgestellt hat: Es wird immer häufiger ohne Keller gebaut. „Das hat sicherlich auch mit den Kosten zu tun. Hier lässt sich einiges Geld einsparen“, sagt Zimmer und verweist darauf, dass Keller auch nicht mehr so gebraucht werden wie noch vor Jahrzehnten: „Im Keller ist es ja am kühlsten. Der wurde oft als Vorratsraum genutzt. Das tun heute nur noch die Wenigsten.“
Größere Bäder
Ein anderer Trend ist ebenfalls zu beobachten: der zu deutlich größeren Badezimmern. „Das sind oft ganze Badelandschaften, größer als Schlafzimmer“, sagt Zimmer. Und eine separate, oft zweite Toilette gehört ebenfalls dazu. Ganz anders als vor Jahrzehnten, als es im ländlichen Raum zuweilen noch Toilettenhäuschen abseits des Wohngebäudes gegeben hat.
Auch die Dächer verändern sich. Das Flachdach, nach einem Boom in den 70ern lange verpönt, weil als sanierungsanfällig verrufen, wird wieder salonfähig. Denn auch diese Etage hat vielfach ihre einstige Funktion eingebüßt – die als Stauraum auf dem „Boden“. Innerhalb der Wohnung hingegen übernehmen offene Konstruktionen das Steuer. Küche und Ess-/Wohnzimmer als Verbund, das ist längst keine Seltenheit mehr.
Was aber bei all diesem Wohnkomfort für die Kuseler Bauherren ein wenig hinten runter fällt: der Bau vor allem kleiner Mietwohnungen, wie sie in der Stadt Standard sind. Doch auch hier zeichnet sich ein – allerdings begrenzter – Trend ab: Es werden vermehrt größere Projekte gebaut wie jenes für das betreute Wohnen in Konken. Über drei, vier Stockwerke gehen aber auch die nicht hinaus. Waldmohr wird also weiterhin die einzige Gemeinde im Kreis mit echten Hochhäusern bleiben.