Kreis Kusel
Wie Schulen im Kreis Kusel Künstliche Intelligenz nutzen
Das Veldenz-Gymnasium in Lauterecken hat eine verpflichtende Arbeitsgemeinschaft für Achtklässler eingeführt. „Es ist wichtig, proaktiv auf KI zuzugehen, um Schüler zu befähigen, vernünftige Entscheidungen zu treffen“, sagt Schulleiter Stefan Weber. Im Mittelpunkt stehen das Ausloten der Möglichkeiten, das Erkennen der Grenzen, verschiedene, auch ethische Problemfelder sowie die Frage „Wie lerne ich richtig?“.
Vorgestellt hatte Weber seine Idee im Kollegenkreis Anfang Mai. Daraufhin erstellte das Digitalisierungsteam der Schule einen Ablaufbahn, Anfang Juli wurde in einer Sondergesamtkonferenz der Beschluss für die AG KI gefasst. „Im Grunde ist es eine Arbeitsgemeinschaft am Vormittag mit verpflichtendem Charakter. Es gibt keine Noten – und obwohl keine Leistungsüberprüfung stattfindet, funktioniert es. Dass die Schüler mitziehen, habe ich mir aber auch schon gedacht“, erläutert Weber. Verschiedene Lehrer mit entsprechenden KI-Kompetenzen unterrichten unterschiedliche Schwerpunkte zum Thema KI – vergleichbar mit einer Ringvorlesung. Eine Protagonistin ist Lehrerin Lisa Häßel, die an der RPTU Kaiserslautern für ihre Dissertation erforscht, wie KI-basierte Technologie im Fach Chemie zu besserem und leichterem Lernen beitragen kann. Während das Medienkonzept der Schule in allen Fächern und Stufen Raum findet, übernehmen „Kollegen, die sich auskennen und eine gute Grundlage bilden“, das Thema KI.
Durch KI sollen Schüler erkennen, wo es noch hakt
KI soll nicht nur eingesetzt werden, um Aufgaben zu lösen, sondern Schülern „als Tutor und individueller Lernhelfer dienen. Das ist etwas anderes, als sich Infos zu googeln“, berichtet der Schulleiter mit Blick auf ein effizienteres Lernen. KI könne Hausaufgaben kontrollieren, schnell Rückmeldung geben und individuellen Unterstützungsbedarf aufzeigen. Schüler könnten so zügig erkennen, an welchen Stellen es hakt. Das Projekt befindet sich noch in der Testphase und wird anschließend evaluiert.
Der KI-Beauftragte der IGS Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr, Mike Müller, berichtet: Die Nutzung von KI im Unterricht sei abhängig vom Lehrer. „Einige Lehrer arbeiten viel damit und testen beispielsweise Aufgabenformate.“ Die Schüler seien am Thema interessiert – eine Umfrage habe ergeben, dass viele bereits KI zu Hilfe nehmen. Das bisherige Fazit sei durchwachsen. Müller meint, dass die Ergebnisse auch mangels Erfahrung nicht immer optimal seien. Ab Februar wird er eine AG anbieten, um mit Schülern – vorrangig ab Klasse neun – in die Tiefe zu gehen. Sie sollen lernen, wie KI verantwortungsbewusst eingesetzt und das Handeln möglicherweise verbessert werden kann. Auch Chat-Bots sollen eine Rolle spielen – dabei geht es um die Frage, wie sie funktionieren und was damit alles möglich ist.
Wie gut ist KI bei Gedichtinterpretationen?
Müller hat bereits mehrere Workshops für Schüler zum Thema angeboten. Aktuell plant er eine Unterrichtsreihe im Fach Deutsch. „Wie kann KI das eigene Schreiben durch Feedbackschleifen verbessern? Was kann KI, was nicht? Wie gut ist die KI in Sachen Gedichtinterpretation und was muss der Schüler selbst mitbringen? Das schult die Beurteilungskompetenz“, erläutert Müller sein Vorhaben. Reflexion sei dabei ein wichtiges Thema. Grundsätzlich sei zu klären: „Sollen wir KI nutzen, wie und in welchem Umfang?“ Wichtig sei es, einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Möglichkeiten zu finden und zu erlernen. Entsprechend würden auch seine Kolleginnen und Kollegen geschult, denn KI gehe jeden an. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
An der Realschule plus Kusel arbeitet Schulleiterin Nina Dahlke schon länger mit KI – unter anderem bei Briefen, die sie ausformulieren lässt. „Es sind noch immer meine Texte, aber noch schöner formuliert. Und es gibt auch die Möglichkeit, die Elternbriefe für ausländische Mitbürger, die noch nicht lange in Deutschland sind, in vereinfachter Sprache formulieren zu lassen und das Sprachniveau anzupassen. Man muss das Positive nutzen“, lautet ihr Credo.
Analog zum Handy sind Regeln für Nutzung nötig
KI werde auch schon als Hausaufgaben-Hilfsmittel genutzt und dem Kollegium in Fortbildungen nähergebracht. Lehrer können sich ausprobieren und beispielsweise Arbeitsblätter generieren. Dahlke: „Wir müssen mit statt gegen KI arbeiten, sie kann eine Bereicherung für alle sein.“ In der Schule stelle sich die Frage, wie man KI sinnstiftend in den Unterricht integrieren kann, welche Verhaltensregeln gelten sollen – vergleichbar mit der Frage, wo und wann ein Handy genutzt werden kann und darf. „Wir lernen alle erst den Umgang, und es ist ein Feld, bei dem man sich immer fortbilden muss.“
Den Umgang zu lernen, Tipps zu geben und die positiven Aspekte zu nutzen, sei ihr ein Grundanliegen, so die Schulleiterin weiter. Ebenso wichtig sei die Aufklärung über Fake-News oder auch darüber, dass KI-generierte Texte überprüft und hinterfragt werden müssen. „Schüler können KI als Hilfe beim Lernen einsetzen“, sagt Dahlke. Denn damit lasse sich erkennen, wo ein Nachsteuern nötig wird, und vor Klassenarbeiten könnten mögliche Fragen herausgefiltert werden. „Jeder Lehrer wendet es an, wie er will, es gibt keinen Zwang“, berichtet die Schulleiterin. Die Schüler erhielten seit über zehn Jahren in der Orientierungsstufe eine Grundbildung in Informatik, und dort sei KI nun auch ein Thema.