Rathsweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Schaf zum Pullover – Eltern-Kind-Projekt in der Christoffelsmühle

Kinder und Eltern hatten großen Spaß bei dem von Doris Horbach (Bildmitte) organisierten Projekt .
Kinder und Eltern hatten großen Spaß bei dem von Doris Horbach (Bildmitte) organisierten Projekt .

Auf dem Gelände der Christoffelsmühle konnten Kinder der Kita St. Julian mit ihren Eltern diese Woche alles über Wolle herausfinden. Das von Mühlen-Bewohnerin und Erzieherin Doris Horbach umgesetzte Projekt fand bei den Teilnehmern großen Anklang und sorgte für manche Überraschung.

René Jung aus Gumbsweiler ist am Nachmittag mit Frau und zwei Kindern mitten im Wollgeschehen. Während Katharina und Maximilian „Zauberkugeln“ filzen, kümmert sich der Familienvater um die Versorgung mit frischen Brezeln. „Wir könnten wirklich öfter einmal etwas zusammen unternehmen“, sagt Jung. Und genau darum geht es bei dem vom Land geförderten Projekt: die Eltern zusammenführen und einen Austausch anregen.

Zwar könnte man meinen, dass sich Eltern im Umkreis des Kindergartens St. Julian untereinander kennen. Doch die stellvertretende Leiterin des Kindergartens, Susanne Heim-Linn, hält dagegen: „Es gibt aber tatsächlich wenig Begegnungsmöglichkeiten.“ Eltern bringen und holen ihre Kinder – da bleibe nicht viel Raum für Gemeinsames. „Gerade auf dem Dorf, wo es ja keine Kulturzentren oder Mehrgenerationenhäuser gibt“, weiß Heim-Linn.

Zweites Steckenpferd

Die Pädagogin hatte das Projekt mit Doris Horbach organisiert. Das pädagogische Know-how bringt Horbach mit, war sie doch bis vor einigen Jahren selbst als Erzieherin in der Kita St. Julian tätig. Und für ihr kreatives Schaffen ist sie in der Region schon vielen bekannt. „Erst hatte ich an Töpfern gedacht“, erzählt Horbach, die schon viele Töpferkurse angeboten und Ausstellungen initiiert hat. Doch dann sei sie auf das Thema Wolle gekommen, ihr zweites Steckenpferd.

Vor einigen Jahren habe sie sich das Spinnen beigebracht – das Ergebnis, einen weichen Alpakapullover, trägt sie nicht ohne Stolz. Ihr Ziel: Den Teilnehmern die Verarbeitung von Wolle näher zu bringen. Der Termin passt ideal, findet doch in diesen Tagen die Wollwoche der internationalen Campaign for Wool (Woll-Kampagne) statt, zu deren Anlass sogar Prinz Charles in einer Ansprache die wertvolle Faser lobte. Spinnen steht allerdings erst am letzten Tag auf dem Programm des dreitägigen Projektes im Carport der Christoffelsmühle.

Am ersten Tag besuchen die Teilnehmer – insgesamt hatten sich 16 Familien mit 30 Kindern inklusive Geschwister angemeldet – Schafe und Alpakas auf einer Weide in Ulmet. Die geschorene Wolle waschen sie gemeinsam in großen Bottichen. Klar, dass das Feuer aus gesammelten Stöckchen geschürt wird. Gefärbt wird auch, nämlich mit grünen Walnussschalen. Und siehe da, die Fasern in der tiefbraunen Brühe erscheinen nach dem Trockenen in einem satt-gelben Ton. Wolle kämmen, Filzen, Weben und Bild-Gestaltung stehen ebenso auf dem Programm.

Gar nicht so schwer

„Die Kinder sind ganz verrückt auf Tiere“, berichtet Sabrina Lukas. Mit dem fünfjährigen Elias und dem dreijährigen Emil fertigt sie am Miniwebrahmen dekorative Wollbilder. Dann versucht sich die zweifache Mutter an einem der aufgestellten Spinnräder. Unter der Anleitung von Doris Horbach entstehen durchaus brauchbare Wollfäden, dick und dünn, und auch die Kinder und die ein- oder andere Oma merken: „Das macht Spaß, und ist gar nicht so schwer.“

„Für die Kinder ist das hier eine willkommene Abwechslung“, findet auch Familienvater Ysbrand Hangx. Mit von der Partie sind Helena Kreischer mit ihren Kindern Ida (2) und dem kleinen Johannes aus Buborn. „Ich finde es gut, dass die Kinder hier etwas über Wolle lernen“, sagt die Mutter. Auch Sabrina Bier aus Gumbsweiler macht mit. Ihre Tochter Lea (1) ist just in der Eingewöhnungsphase der Kita und schon ein echter Wollfan.

Die Kita in St. Julian bietet 87 Plätze, von denen rund 80 derzeit belegt sind. Rund ein Viertel der Familien nehmen an dem Projekt teil. „Über die Teilnehmerzahl bin ich positiv überrascht“, sagt Heim-Linn im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Es sei nicht selbstverständlich, dass sich Eltern unter der Woche dafür Zeit nehmen, betont sie.

Austausch erleichtern

An dem vom Land geförderten Projekt „Kita! Plus: Kita im Sozialraum“ konnte der Kindergarten St. Julian nach einer Sozialraumanalyse des Landkreises teilnehmen. Unterstützt werden Kindertagesstätten in Wohngebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf bei der Weiterentwicklung zum Kommunikations- und Nachbarschaftszentrum. Zudem soll der Austausch der Eltern untereinander sowie mit den Erziehern erleichtert werden.

Vernetzung ist ein weiterer Schwerpunkt, um etwa auch Migranten oder sozial schwächere Eltern unterstützen zu können. Wie Heim-Linn erläutert, wird in diesem Zusammenhang auch ein neues „Elternzimmer“ in der Kita entstehen. Dort will die Kita demnächst ein „Elterncafé“ einrichten.

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