Kirrweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Vanessa Zürrlein erfüllt sich mit einer mobilen Wildkräuterschule ihren Traum

Liebt die Natur: Vanessa Zürrlein.
Liebt die Natur: Vanessa Zürrlein.

In Kirrweiler geht Vanessa Zürrlein mit ihrer mobilen Wildkräuterschule Lunatterra ihrer Berufung nach. Das verrät die diplomierte Umweltwissenschaftlerin und ausgebildete Wildkräuterfachfrau im Gespräch mit der RHEINPFALZ. In die wärmere Jahreszeit startet sie mit einem corona-gerechten Angebot.

Die aus Baden-Württemberg stammende Wahlpfälzerin, wie sie sich selbst mit einem Augenzwinkern bezeichnet, kam im Jahr 2000 mit ihren Eltern zunächst in den Pfälzerwald. Nach dem Studium suchte sie sich eine Region, die noch landwirtschaftlich geprägt ist. Im Gegensatz zum Pfälzerwald, wo schon seit in den 1960er bis 1970er Jahren kaum noch Landwirtschaft vorhanden war, weiß Zürrlein, gäbe es im Landkreis Kusel noch fast in jedem Dorf einen Bauernhof, zumindest im Nebenerwerb.

Mobile Wildkräuterschule

In der 180 Einwohner zählenden Gemeinde Kirrweiler im Nordpfälzer Bergland lebt die Natur- und Tierliebhaberin mit ihren drei Frettchen und vier Schafen im eigenen kleinen Bauernhaus mit Kräutergarten. Umgeben von waldreicher Landschaft und vielen alten Streuobstwiesen ein idealer Platz für ihre mobile Wildkräuterschule. Zusätzlich leitet die 39-Jährige als freie Mitarbeiterin die Forschungswerkstatt auf Burg Lichtenberg und bietet Wildkräutertouren rund um die Burg an. Aktuell hat sie sich als Gästeführerin für die Burg ausbilden lassen. Die Seminare sind absolviert, die Abschlussprüfungen mussten wegen der Corona-Krise erstmal verschoben werden. Die Vorträge und Kurse, die Zürrlein bei den Volkshochschulen im Umkreis hält, finden momentan auch nicht statt.

Kurse für eine Person geplant

„Zur Zeit muss man sich was einfallen lassen“, sagt Zürrlein. Das breitgefächerte Konzept ihrer Wildkräuterschule reicht von kurzen Kräuterwanderungen- und beratungen über Tagesexkursionen, Wildkräuterkochkurse bis hin zu umweltpädagogischen Angeboten. Das sind vorwiegend Gruppenangebote, die besonders gerne von Familien, Freundeskreisen, Vereinen, Schulklassen oder Kindergartengruppen in Anspruch genommen werden. Durch die Krise muss die Kräuterexpertin umdenken. Sie entwickelt gerade Onlinekurse und solange die Gruppenveranstaltungen verboten sind, gibt es bei ihr ein Spezialangebot für Einzelpersonen. „Natürlich mit genügend Abstand“, betont Zürrlein. Bei einer Beratung oder Wanderung auf individuell geplanter Strecke oder an einem eigens gewünschten Ort, geht es dann auf eine eineinhalb bis zweistündige Exkursion, bei der alle Wildkräuter genau betrachtet und erläutert werden. Zeit zum intensiven Üben und Bestimmen bleibt ebenso. Die Kräuterexpertin sendet danach ein Skript mit den Pflanzen zu.

Vor kurzem hat sie sogar im Garten einer Kundin Pflanzen bestimmt. Früher kannten die Leute noch viel mehr die heimischen Pflanzen und deren Heilwirkungen oder kulinarische Verwendungsmöglichkeiten, weiß Zürrlein. Der Löwenzahn sei heute noch am bekanntesten, wobei bei der Brennnessel schon wieder Unsicherheit oder Vorbehalte ins Spiel kämen, sagt sie. Die Wissenschaftlerin erläutert, dass es im Gegensatz zu fernen Ländern in unseren Breiten nur äußerst wenige Giftpflanzen gibt. „Man kann bei uns quasi ins Gras beißen“, sagt Zürrlein lachend. Lediglich bei Tieren müsse man aufpassen, denn nicht jede Tierart dürfe alles fressen.

Zurück zu den Wurzeln

Die Corona-Krise bringe die Menschen wieder ein wenig „zurück zu den Wurzeln“ ist sich die Pflanzenkennerin sicher. Wenn bei vielen sowohl die Arbeit, als auch Termine und die meisten der üblichen Freizeitaktivitäten ausfallen, was liegt dann näher, als einfach raus zu gehen, die Natur zu genießen und sich auf Entdeckungsreise zu begeben?

Virus stoppt Ausbildung

„Doch natürlich wäre es auch gut, wenn wieder ein Stück mehr Normalität einkehrt“, meint Zürrlein. Dann könne sie auch wieder mit Gruppen unterwegs sein. Die Teilnehmer ihrer Wildkräuter-Ausbildung würden sich auch freuen, wenn es weitergehen kann. Der Kurs hatte im März begonnen und musste schon nach dem ersten Termin aufgrund des Coronavirus vorübergehend gestoppt werden. An sieben aufeinander aufbauenden Wochenenden erfahren die Teilnehmer sowohl etwas über die Geschichte der Pflanzenheilkunde, als auch über die Inhaltsstoffe der verschiedenen Pflanzen und deren Anwendung und Wirkweise bei Krankheiten. Zur Ausbildung gehört auch das praktische Erlernen der Herstellung von Salben, Tinkturen und Ölen. Gemeinsame Exkursionen in der Region und das Üben der wissenschaftlich fundierten botanischen Bestimmung sind ein weiterer Bestandteil der Ausbildung.

Das wissenschaftlich basierte Arbeiten ist ihr wichtig, unterstreicht Vanessa Zürrlein, wenngleich sie sich auch gerne auf kreative Weise mit Pflanzen beschäftige, zum Beispiel sie zu zeichnen oder sie in der Küche zu verarbeiten. Dabei sei sie sehr experimentierfreudig und entwickle immer neue Gerichte. So ist es ihr ein Leichtes, in die Wildkräuterkochkurse, die man bei ihr buchen kann, viel Abwechslung hineinzubringen. Sowohl fleischliche, als auch fleischlose Gerichte sind je nach Vorliebe möglich. In der Nähe von Kirrweiler gibt es einen Demeter-Hof, von dem sie Produkte bezieht, vieles kaufe sie im Bioladen in Kusel ein, wo sie einmal gearbeitet hat.

Wanderungen abgesagt

Die nächste geplante Aktion im Terminplan Zürrleins wäre am 17. Mai. In Baumholder sollte es in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Tourismus der Verbandsgemeinde eine Kräuterexkursion auf dem Premiumwanderweg „Traumschleife Bärenbachpfad“ geben. Nach jetzigem Stand sind jedoch alle Wanderungen von der Verbandsgemeinde bis Ende Mai abgesagt.

INFO

Vanessa Zürrlein ist erreichbar unter 06387 9944791 und mobil 0151 65135195

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