Schönenberg-Kübelberg
Tradition trifft Moderne: Elektro Reinhard seit 1937 im Wandel der Zeit
Die Auftragsbücher sind voll. An Arbeit kein Mangel – eher an Fachkräften. Aber da teilt Elektro Reinhard in Schönenberg-Kübelberg das Schicksal vieler anderer Betriebe. „Es gibt erfreulicherweise viel zu tun, aber uns fehlen ein paar Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Peter Reinhard. Deshalb bittet er – wenn es nicht gerade brennt – seine Kunden um etwas Geduld.
Elektro Reinhard ist ein Familienbetrieb: Seniorchef Peter Reinhard ist Herr über das Büro. Eine Teilzeitkraft unterstützt ihn. Reinhards Frau Beate ist im Verkauf tätig, sein Sohn Andreas führt die Aufträge bei den Kunden aus. Zwei Gesellen, ein Auszubildender und drei Teilzeitfachkräfte begleiten ihn. „Wir könnten locker noch zwei bis drei Gesellen brauchen“, sagt Peter Reinhard. „Aber Sie finden ja niemanden. Der Markt ist wie leergefegt.“ Einen Lehrling hat der Betrieb dagegen immer. Die Reinhards greifen gerne auch auf etwas ältere Bewerber zurück. Ihre Erfahrung: Die wüssten eher, was Arbeiten bedeute.
Entwicklung in Elektrotechnik ist rasant
Die Aufträge werden nach Eingang abgearbeitet. „Und wenn wirklich mal Not am Mann ist, beispielsweise die Bäckerei tatsächlich ohne Strom ist, kommen wir natürlich sofort“, betont Andreas Reinhard. „Sanierungen und Modernisierungen sind momentan unser Hauptgeschäft“, erzählt er. Doch es werden nicht nur Leitungen in Altbauten erneuert. In seinem Auftragsbuch stehen auch ein paar Neubauten. „Aber es gibt ja derzeit nicht so viele hier.“ Da Elektro Reinhard im Umkreis nur verhältnismäßig wenige Mitbewerber hat, ist die Firma in Schönenberg-Kübelberg und in den Nachbargemeinden gefragt. Stammkunden hat das Unternehmen auch auf der Sickinger Höhe, in Orten bei Kusel und im benachbarten Saarland. „Zu der reinen Arbeitszeit kommt dann noch die Anfahrt“, verweist Andreas Reinhard auf einen Zeitfresser.
Und weil die Entwicklung gerade in der Elektrotechnik rasant ist, besucht er mehrfach im Jahr Fortbildungen. Wünscht beispielsweise ein Kunde ein Smart-Home-System, moderne Sprech- und Sat-Anlagen oder Glasfaser, sollte der Fachmann schließlich über die nötigen Kenntnisse verfügen.
Der Laden hat nur noch zwei Tage pro Woche auf
Weniger Nachfrage herrscht dagegen an neuer sogenannter Brauner und Weißer Ware, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte, berichtet Beate Reinhard. Deshalb sind die Öffnungszeiten des Ladens auf zwei Tage in der Woche reduziert worden, dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 17 bis 18 Uhr.
„Früher hatten wir jeden Tag morgens und nachmittags auf“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau, die Wasch- und Spülmaschinen, Herde und Fernseher im Sortiment hat. Die Geräte werden bei Bedarf ausgeliefert und installiert – und repariert, wenn sie kaputtgehen. „Kleingeräte haben wir überhaupt nicht mehr. Die bekommt man einfach und günstig in den Supermärkten um die Ecke“, ergänzt Beate Reinhard.
Lampen daheim im Wohnzimmer präsentiert
Das war alles mal ganz anders. Peter Reinhard blickt auf die Anfänge des Elektrobetriebs zurück. Es sei einer der ältesten in der Region. Sein Vater Alfred gründete im Jahr 1937 das Elektrogeschäft – damals in der Glanstraße. Der gelernte Elektriker verkaufte Lampen, die er im provisorischen Laden im Wohnzimmer zeigte. Auch Radios vertrieb und reparierte er. Die Meisterprüfung legte Alfred Reinhard 1936/37 ab.
Im Jahr 1951 erwarb der Elektrikermeister ein Grundstück in der Bahnhofstraße in Schönenberg. Dort baute er ein Wohn- und Geschäftshaus – wo heute noch der Sitz des Betriebs ist. Damals kauften die Leute eine Menge Fernseher und Radios, weiß Peter Reinhard. Das habe seinen Vater motiviert, eine Fortbildung zum Radio- und Fernsehtechniker in Berlin zu beginnen. Auch wurden Geräte zur Reparatur gebracht, sodass neben dem Lager eine Werkstatt benötigt wurde. In den Spitzenzeiten beschäftigte Elektro Reinhard 15 Fachkräfte. Da war es naheliegend, dass Sohn Peter einstieg. Im Jahr 1965 begann er seine Elektrikerlehre; 1974 legte er die Meisterprüfung ab. Seine Schwester Anni hatte den Verkauf inne, bis sie ihn im Jahr 1985 an ihren Bruder übertrug. Die Nachfrage stieg und die Reinhards erweiterten die Verkaufsfläche von 50 auf 150 Quadratmeter.
Die Zeiten haben sich geändert, auch ein Lager sei nicht mehr notwendig. „Heute reparieren wir Geräte meist vor Ort beim Kunden“, sagt Andreas Reinhard, der in die Fußstapfen des Vaters getreten ist. Obwohl so einiges anders als ist vor 40 oder 70 Jahren, sei es nicht schlechter, betonen die drei Familienmitglieder einhellig – bei der Elektrotechnik wird eben mit der Zeit gegangen.
Die Serie
In der RHEINPFALZ-Serie „Inhabergeführt“ stellen wir Fachhändler in der Region vor und besuchen Läden, in denen der Inhaber noch selbst hinter der Theke steht oder noch Hand an seinen Produkten anlegt.