Rheinpfalz-Sprechstunde
Orthopäde Harald Dinges: Patient entscheidet über Zeitpunkt für Hüft-Operation
Gleich mehrere Anrufer hatten bereits Hüftgelenk-Ersatz erhalten, so auch ein 76-Jähriger aus Dannenfels. Er habe 2017, 2018 und 2019 Hüft-Operationen gehabt, schilderte er. „Aber Sie haben doch nur zwei Hüften“, war Dinges zunächst etwas irritiert. Bei einer der OPs habe es eine Infektion gegeben, berichtete der Leser und klagte über weitere Schmerzen. „Ein komplexer Fall“, folgerte Dinges, der den Patienten gerne ansehen möchte.
Einen Termin zur Kontrolle empfahl er auch einem Mann aus Schönenberg, der von Schmerzen in Leiste und Oberschenkel berichtete. Auch er hatte bereits vor einigen Jahren die Hüfte operiert bekommen.
Schwierig Orthopäden-Termine zu bekommen
„Kommen die Schmerzen im Bein und das Taubheitsgefühl vom Rücken oder von der Hüfte?“, wollte eine 72-Jährige aus Kusel wissen. „Das kann auch von den Gefäßen her kommen“, sagte Dinges und riet zur Abklärung. Eine andere 71-jährige Anruferin aus dem Donnersbergkreis sagte, sie könne sich im Sitzen keine Socken anziehen, die Drehung der Hüfte funktioniere nur schlecht und mit Schmerzen in der Leiste. Wie auch weitere Anrufer sagte sie, dass es schwierig sei, einen Termin beim Orthopäden zu erhalten. „Kommen Sie mit einer Einweisung vom Hausarzt zu uns“, riet Dinges. Die beschriebenen Schmerzen seien typisch für Arthrose.
Noch unentschlossen war eine Frau aus Gaugrehweiler, der im vergangenen Jahr eine Hüft-OP angeraten worden war. Sie habe nur Schmerzen beim Auftreten. Mit 88 Jahren scheue sie sich vor der Operation, sagte sie offen und fragte: „Was würden Sie Ihrer Mutter raten?“ Eine OP sei angeraten, wenn die Lebensqualität leide, betonte Dinges. Mit Blick auf das Alter der Frau riet er, nicht zu lange zu warten. Dinges: „Jetzt wären sie noch in der Lage!“
„Danke“ 30 Jahre nach Hüft-Operation
Einfach nur mal ein herzliches Dankeschön loswerden, das wollte gestern eine Frau aus Alsenz. Bereits vor 30 Jahren habe Dinges ihr – damals noch in Bad Kreuznach – die Hüfte operiert, „und es funktioniert wunderbar“, freute sich die 89-Jährige.
Vor elf Jahren wurde eine 80-Jährige aus Albisheim an der Hüfte operiert. „Damals haben Sie gesagt, die Hüfte hält mindestens 15 Jahre“, berichtete sie. Der Arzt habe bei der OP des zweiten Gelenks im Januar nun aber leichte Abnutzungserscheinungen festgestellt. Schmerzen habe sie aber nicht. Dennoch wollte sie einen Rat, wie mit der Diagnose umzugehen sei. Ohne Röntgenbilder sei die Beurteilung schwierig, sagte Dinges. Er beruhigte die Anruferin, dass eventuell nur ein kleiner Eingriff notwendig sei. „Dann würde ich wieder zu Ihnen kommen“, sagte sie erleichtert.
Operation auch bei Parkinson möglich
Eine Anruferin aus Altenglan fragte, ob es Erfahrungen mit Hüft-Patienten gebe, die an Parkinson erkrankt sind. „Parkinson ist kein Grund, die OP nicht zu machen“, stellte Dinges klar. Eine Versteifung könne dadurch aber nicht gelöst werden.
„Kann es sein, dass man mir sagt, ich bin zu spät gekommen?“, wollte eine 73-Jährige Frau aus Kusel wissen. „Nein“, betonte Dinges, „den Zeitpunkt gibt der Patient vor“, es gehe um ihre Lebensqualität.
Beide Hüften auf einmal?
Weitere Anrufer wollten sich über die Wirkung von Hyaluronsäure informieren. Sie wirke im Anfangsstadium der Arthrose noch gut, und besser sogar im Knie als in der Hüfte, sagte Dinges. Ein 71-Jähriger aus der Alten Welt berichtete über Stechen im Bein, allerdings sei er fit, mache Holz und spiele Tischtennis. Doch habe er nachts unruhige Beine. Dies solle vom Neurologen abgeklärt werden, empfahl der Chefarzt.
„Kann man auch beide Hüften auf einmal operieren?“, fragte eine Leserin. „Wir haben gute Erfahrungen mit einem Aufenthalt. Aber es sollten zwei getrennte OPs sein“, riet Dinges.