Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Mobilität: Ruftaxis, Bürgerbusse und fehlende Ansprechpartner

Dass Car-Sharing im ländlichen Raum möglich ist, zeigt ein Blick in den Hunsrück, wo in acht Gemeinden Dorf-E-Autos unterwegs si
Dass Car-Sharing im ländlichen Raum möglich ist, zeigt ein Blick in den Hunsrück, wo in acht Gemeinden Dorf-E-Autos unterwegs sind. Der Kreis Kusel wird demnächst eine Studie in Auftrag geben, in der die Umsetzung dieser Mobilitätsform untersucht wird.

Das Ruftaxi-Angebot im Kreis wurde ausgebaut, der Bürgerbus im vergangenen Jahr gut nachgefragt. Dennoch würden Karl-Heinz Schoon und seine Mitstreiter gerne mehr Tempo machen beim Thema Mobilität. Pandemiebedingt ist das nicht möglich. Denn Car-Sharing und Kontaktbeschränkungen passen nicht zusammen.

„Alles hat seine Zeit, und im Moment ist eigentlich nicht der richtige Augenblick, neue Formen der Mobilität im Kreis umsetzen zu wollen“, sagt Karl-Heinz Schoon, der Mobilitätsbeauftragte des Landkreises. Der Grund liegt auf der Hand: die Corona-Pandemie. Kontakte sollen reduziert, Abstände eingehalten werden, und auch der eigene Bewegungsradius verkleinert sich. „Das ist gerade das Gegenteil von Mobilität“, betont der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg.

Bis zur Neuvergabe der Bus- und Ruftaxilinien für das Jahr 2025 soll der Kreisbeauftragte dabei helfen, ein Mobilitätskonzept für den Landkreis zu entwickeln – gemeinsam mit dem von ihm geleiteten Arbeitskreis, interessierten Bürgern und der Kreisverwaltung. Ein Konzept, das möglichst alle Verkehrsmittel dank fortschreitender Digitalisierung vernetzt und auf die Bedürfnisse der Bürger im Kreis zugeschnitten ist. Einige Pflöcke seien eingeschlagen, einige Dinge bereits umgesetzt worden. Das Credo laute dabei, Mobilität soll sich am Bedarf orientieren. Das heißt: Es muss genau dann Angebote geben, wenn die Bürger diese benötigten. Flexibel und nicht zwangsläufig zu festen Abfahrtszeiten und an fixen Abfahrtsorten. Zu häufig fahren Schoon zufolge große, blaue Blechkisten übers Land, in denen kaum jemand drin sitzt.

Bürgerbus und Ruftaxi

Fahrten „on demand“, also auf Abruf, seien im vergangenen Jahr von den Bürgerbus-Ehrenamtlichen auf eindrucksvolle Weise angeboten und umgesetzt worden. Rund 600 Personen wurden 2021 in den Bürgerbussen zum Impfzentrum gefahren und wieder in ihre Heimatgemeinde gebracht. „Statt an zwei wurde an fünf Tagen gefahren. Die Telefonzentrale war ständig besetzt“, sagt Schoon stolz. Mittlerweile sei man im Oberen Glantal zum Normalbetrieb zurückgekehrt, in den Verbandsgemeinden Kusel-Altenglan und Lauterecken-Wolfstein sei der Fahrbetrieb derzeit coronabedingt ausgesetzt.

Eine „Erfolgsgeschichte“ sei auch die Entwicklung der Ruftaxis, die das Buslinienangebot im Kreis ergänzen. Durch die auf eine Stunde verringerte Taktung sowie Fahrten ab und bis an die Haustür sei das Angebot flexibler und individueller gestaltet worden. „Da läuft aktuell noch die Probephase“, schildert Schoon. Einige Punkte für Verbesserungen hätten er und seine Mitstreiter aber bereits ausgemacht. Zum einen gebe es die Idee, für alle Gemeinden eigene Fahrpläne zu entwerfen, um „die Sache übersichtlicher zu machen“. Außerdem müsse derzeit das Ruftaxi über eine Service-Nummer in Mannheim geordert werden. Eine zentrale Anlaufstelle im Kreis halte er da für besser. „Bei aller Präferenz für Technik. Vielen Leuten ist das direkte Gespräch immer noch wichtiger als Infos aus einer App.“

Ansprechpartner vor Ort

Öffentlichkeit und Ansprechpartner. Das seien für den Öffentlichen Personennahverkehr wichtige Stichworte. „Auch da brauchen wir Menschen, keine Automaten“, ist Schoon überzeugt. „Das Mobilitätsangebot im Kreis ist für den ländlichen Raum eigentlich gut. Es gibt die Bahnlinie, Ruftaxis, Linien- und Bürgerbusse. Viele Dinge sind schlicht zu wenig bekannt. Da müssen wir informieren und ansprechbar sein.“ Als Beispiele nennt Schoon neue Tarife im ÖPNV, zum Beispiel Tagestickets für Familien oder Fahrkarten ab 60. Vielleicht gelinge es in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, in der auch Fragen zu den Bürgerbussen und Ruftaxis beantwortet werden können. Ein solcher Ort könnte die derzeitige Mobilitätszentrale am Kuseler Bahnhof sein, glaubt Schoon.

Einen Anschub dafür, die Mobilitätsangebote im Kreis zu verbessern, erhofft sich der Beauftragte durch das Smart-City-Programm. So ist in der Bewerbung des Kreises beispielsweise ein Mobilitätshub am Start- und Zielpunkt der Draisinenstrecke vorgesehen. Soll heißen: Dort könnten Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes installiert und Fahrzeuge vorgehalten werden. „Die Leute kommen mit dem Auto, halten in Altenglan und müssen überlegen, wie sie nach der Draisinentour zurück zu ihrem Fahrzeug kommen.“ Touristen E-Autos, Roller, E-Bikes, theoretisch auch die Ruftaxis, für diese Fahrten zur Verfügung zu stellen, als Teil des Tourismuskonzepts, hält Schoon für eine gute Idee. „Der Platz ist da, das Personal auch. Und sollte man merken, das klappt, kann man das Angebot auf weitere Orte übertragen.“

Studie zum Car-Sharing

In diesem Zusammenhang ist der Zeitpunkt dann also doch noch gekommen, um zumindest ansatzweise über Car-Sharing – mehrere Leute teilen sich ein Auto, das im besten Falle von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt wird – zu sprechen. Der Kreis wird eine Studie in Auftrag geben, die untersucht, wie und wo Car-Sharing im Kreis umgesetzt werden kann. Kosten: 72.500 Euro. Für die Studie, die als Voruntersuchung für die Umsetzung des Mobilitätshub genutzt werden soll, muss der Kreis 14.500 Euro aufbringen. Durch solche Angebote könne der Individualverkehr – und nebenbei die Schadstoffbelastung der Luft – reduziert werden. Diese Möglichkeit der Mobilität sei eine gute Alternative für das zweite oder dritte Auto einer Familie. „Dass es klappt, sieht man ja in vielen Städten. Die Herausforderung ist, es für den Kreis passend in ein Konzept zu gießen“, sagt Schoon. Ob der Pandemie bleibt dafür wohl auch noch etwas Zeit.

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