RUTHWEILER
Maurice Schnell: Künftiger Kommissar tauscht Uniform mit Fußballdress der Polizei-Nationalelf
So schnell kann’s gehen: Gerade mal ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass der Abiturient aus Ruthweiler den Schritt ins Berufsleben getan hat. Kaum im Staatsdienst angelangt, wird der 20-Jährige auch schon auf Auslands-Dienstreise entsandt: Bei einem Trip nach Griechenland darf Maurice Schnell zurzeit sein Heimatland auf internationalem sportlichen Parkett vertreten.
Im Mai erst hat für ihn sozusagen der Ernst des Lebens begonnen. Wobei: An Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit hat es dem 20-Jährigen auch vorher nicht gemangelt. Davon zeugt, dass Schnell schon seit Längerem seinen Wunschberuf im Auge hatte. Und den hat er konsequent ergriffen. Seit einem halben Jahr steht er in Diensten des Landes Rheinland-Pfalz, hat die Laufbahn im Höheren Dienst eingeschlagen und sein Studium an der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz am Flughafen Hahn aufgenommen.
Fußballer-Laufbahn keine Option
Hat er nicht auch mit der Alternative geliebäugelt? Fußballprofi? Klar, da hätte auch Maurice Schnell sicherlich nicht nein gesagt. Und tatsächlich hätte er zu einem Regionalligisten wechseln, unter Profibedingungen trainieren und spielen können. Offerten waren da, wie Maurice’ Vater Sascha Schnell erzählt.
Schnell senior – selbst einst ein Ass am Ball und heute Trainer beim Verbandsligisten VfR Baumholder – hätte den Filius auch unterstützt. Aber: So richtig behagt hätte es ihm und seiner Frau Kerstin nicht: „Wir sind froh, dass sich Maurice so entschieden hat.“
Kommissar Zufall spielt mit
„Ich wollte unbedingt zur Polizei“, verdeutlicht der 20-Jährige, dass der Start in eine Fußballer-Laufbahn – fürs Erste auf Viert- oder vielleicht Drittliga-Niveau – keine wirkliche Option für ihn war. Das ändert aber nichts daran, dass er eben doch besser kicken kann als viele, viele andere. Zuvor bei der SV Elversberg am Ball, ist der Ruthweilerer im Sommer zum FK Pirmasens gewechselt. 42 Oberliga-Einsätze hat er absolviert. Das soll was heißen, und das hat ihm auch den Weg in die Fußball-Elite der Polizei geebnet.
Kommissar Zufall und ein Quäntchen Glück halfen noch ein bisschen mit. Die (Fußball-)Welt ist manchmal klein: Dass Schnell eben die Polizistenlaufbahn eingeschlagen hatte, davon hatte auch Christian Schübelin Wind bekommen. Der aus Baumholder stammende Kripobeamte ist Trainer der rheinland-pfälzischen Polizei-Auswahl. Schübelin schrieb Schnell an: Fußballschuhe dabei? Komm gern mal zum Training. Schon war der Neuzugang zur Stelle – und überzeugte.
Erster Titel: Deutscher Vize-Meister
Kurz darauf, beim Qualifikationsspiel der Landesauswahl gegen Berlin, stand Schnell schon im Kader, kam zum Einsatz. Die Rheinland-Pfälzer siegten, qualifizierten sich für die Deutsche Polizeimeisterschaft – und errangen völlig überraschend den Vizemeister-Titel. Mit dabei: David Höft und Nico Heinz (SV Steinwenden), die beide aus dem Kreis Kusel stammen, sowie Tobias Leonhard (SV Morlautern, zuvor auch beim VfB Waldmohr). Für Schnell war das Turnier um die Polizeimeisterschaft das Sprungbrett in die Polizei-Nationalmannschaft.
Die gastiert am Donnerstag bei den griechischen Kollegen. Der Sieger dieses einzigen Qualifikationsspiels fährt zur Polizei-Europameisterschaft 2023. Schaffen’s die Deutschen, dürften sie Ende Juli bei der EM in Newcastle (England) zum Favoritenkreis zählen. Deutschland ist amtierender Europameister. 2018 hatte das Team im Endspiel in Prag gegen Tschechien mit 4:0 triumphiert. Herausragend als Torschütze und Vorbereiter war damals Nico Pantano (Ludwigshafen), bis heute Führungsfigur der Elf und ebenfalls in Athen mit dabei.
Zwei Pfälzer und ein Saarländer an Bord
Die beiden Pfälzer sind am Mittwoch gemeinsam Richtung Flughafen Frankfurt gefahren. Ebenfalls mit im Flieger: Der frühere Drittliga-Profi Daniel Bohl aus Homburg-Einöd, Schnells Teamkamerad beim FK Pirmasens.
Länderspiel, Empfang, Festbankett – turbulente Tage für das Team, das Uniform mit Fußballtrikot und damit Silbersterne gegen den Bundesadler tauscht. Ein Stern auf der Schulter weist den Uniformträger als Polizeikommissar aus, bei Beförderung gibt’s jeweils einen dazu. Maurice Schnell kriegt seinen erst zum Ende seines Studiums. Gut möglich aber, dass er als Polizei-Nationalspieler schon bei der EM in England nach den Sternen greift.