Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Joscho Stephan Quartett beschert mitreißendes Konzerterlebnis in Kusel

Die Interpretationen, die das Joscho Stephan Quartett lieferte, gingen unter die Haut.
Die Interpretationen, die das Joscho Stephan Quartett lieferte, gingen unter die Haut. Foto: m. hoffmann

„Das war echt toll“, meinte eine Besucherin spontan nach dem Konzert des Joscho Stephan Quartetts. Die Musiker um den Jazz-Gitarristen begeisterten am Sonntagnachmittag im Horst-Eckel-Haus Jung und Alt mit ihren temperamentvollen Stücken.

Er ist der Meister des Gipsy Swing und er verbindet ihn mit Latin, Klassik und Pop, auch Klezmer-Weltmusik findet Eingang in seine Stücke. Und dabei ist seine Musik immer authentisch, es entsteht nie ein Stilmix, sondern ein neuer, ganz charakteristischer Stil. Vor allem die Leidenschaftlichkeit des Spiels zeichnete die Interpretationen aus, die er zusammen mit seinem Vater Günter an der Rhythmusgitarre, Volker Kamp am Bass und Geiger Sebastian Reimann vorstellte. „Made in France“, ursprünglich ein Chanson von Mireille Mathieu, begann mit einem rauen Gitarrenauftakt, der in eine tänzerische Melodie mit rassig-punktierten Akkorden überging. Sie vibrierte vor Spannung und steigerte sich zu immer größerer Leidenschaftlichkeit, wobei das Joscho Stephan Quartett auch vor Ecken und Kanten nicht zurückscheute. Die Musiker wühlten sich geradezu in ihre Melodie hinein. Diese Musik erschöpfte sich nicht in selbstgefällig-virtuosem Schönklang, sondern ging unter die Haut.

Voller Verve und Feuer

Wie sie Klassik in ihre Musik miteinbeziehen, zeigten die Künstler des Joscho Stephan Quartetts in ihrer Version von Wolfgang Amadeus Mozarts „Alla turca“-Marsch. Rasant und kraftvoll überstürzten sich die in bestechender Sicherheit gespielten Rhythmen geradezu, malerisch-folkloristische Klangfarben sorgten zudem für einen orientalisch angehauchten-exotischen Touch. Absolut sicher interpretierte das Joscho Stephan Quartett diese fulminante Nummer voller Verve und Feuer.

Auch Klezmer-Musik fand Eingang in das Repertoire der vier Musiker. Ihre Eigenkomposition „Klez-Musette“ zeichnete sich durch eine rassig-schwungvolle Melodie mit harmonischen Eintrübungen aus, zu der sie durch Variationen der Spielweise, wie zum Beispiel eine gezupfte Geige (pizzicato), folkloristische Akzente beisteuerten.

Aber auch berührende Wärme klang immer wieder in ihren Stücken auf. Der unter anderem auch von Dean Martin gesungene Song „Sway with me“, die englische Version des Bolero-Mamba „Quien sera“ des mexikanischen Komponisten Luis Demetrio, überraschte in ihrer Interpretation durch den innigen Ausdruck, der die Melodie mit ihren rassigen Rhythmen, die sofort in die Beine gingen, beseelte.

Auch das französische Chanson „C’est si bon“, 1947 von Henri Betti komponiert auf einen Text von André Hornez und von namhaften Künstlern wie Yves Montand, Louis Armstrong oder Eartha Kitt interpretiert, fesselte durch seinen besinnlichen Ausdruck voll malerisch-pittoresken Charmes. Träumerische Gefühlswelten verströmten sich hier in Wohlklang mit Tiefgang.

Auch frech und frivol

Joscho Stephan, Günter Stephan, Volker Kamp und Sebastian Reimann können aber auch frech und frivol sein, wie sie in dem Schlager „Hallo kleines Fräulein“ von den „3 Travellers“ überzeugend unter Beweis stellten. Die Musiker hatten sich 1946 im Alten Funkhaus in Berlin getroffen und spielten bis in die 70er Jahre zusammen. Tango-, Jazz- und Schlagereinflüsse prägten diesen swingenden Hit. Schmissig und smart erinnerte er an den Stil der Comedian Harmonists aus dem Berlin der 1930er Jahre, doch die immer rasanter werdende Spielweise ließ schnell klar werden: Jetzt ist es ein Joscho- Stephan-Hit.

Die durch Django Reinhardt bekannt gewordene Ballade „Blue drag“ faszinierte durch ihre laszive Lässigkeit, durch die immer wieder Leidenschaftlichkeit durchglühte. Wie das Joscho Stephan Quartett durch seine langsam-schleppende Spielweise hier nahezu unmerklich eine betörende Spannung aufbaute, war einfach ganz große Kunst.

Ein fulminanter Abschluss dieses mitreißenden Konzerterlebnisses war die Interpretation von Duke Ellingtons Jazz Standard „Caravan“. Unterschiedliche Stileinflüsse verbanden sich hier zu einer stimmungsvollen Einheit, in einem Spiel, das immer schneller und feuriger wurde. Für den tosenden Applaus und die vielen Zugabe-Rufe bedankten sich die Künstler mit Django Reinhardts „Minor Swing“.

x