Badminton RHEINPFALZ Plus Artikel Im Lockdown: Von fairen und traurigen Spielern

Alternative zum Training: Im Moment sehen sich die Mitglieder des BV Kaiserslautern nur noch virtuell. Sie treffen sich zum Onli
Alternative zum Training: Im Moment sehen sich die Mitglieder des BV Kaiserslautern nur noch virtuell. Sie treffen sich zum Online-Quiz.

Nichts geht für Hallensportler, doch die Badmintonspieler der Region sind kreativ. Es gibt Training auf Zuruf, ein Quiz als Ersatzwettkampf, daheim werden Hanteln gestemmt. Und dann bleibt vor allem eines: ganz viel Hoffnung auf bessere Zeiten.

Die Verantwortlichen des TV Roßbach, 1. BV Kaiserslautern und des 1. BCW Hütschenhausen halten Kontakt und ihre Mitglieder bei Laune im Lockdown: Mitgliederquiz, Netze und spezielle Bälle für draußen – viel mehr geht derzeit einfach in den Badmintonvereinen.

Der Hallensport ist seit Monaten arg gebeutelt. Die Sportstätten sind dicht, die Sportler ausgesperrt. Geht auch den Badmintonspieler so. „Unsere Schläger stehen in der Ecke“, bringt es Markus Koch, der Vorsitzende des Badmintonvereins Kaiserslautern (BVKL) auf einen ziemlich traurigen Punkt. Dabei war doch nach dem ersten Lockdown alles wieder hoffnungsvoll angelaufen. Die Runde war im September gestartet, in den Reihen der Mannschaften war das Potenzial zum Aufstieg erkennbar. Selbst das Sommerferien-Programm des Vereins war wie jedes Jahr der Renner – auch wenn es kurzfristig draußen auf der Wiese beim befreundeten Trend- und Funsportclub Kaiserslautern stattfinden musste.

Seit November ist wieder alles lahmgelegt, die Runde abgesagt. Das deutschlandweit bekannte große Jugendturnier „Junior Op’n“ findet nach 2020 nun auch 2021 nicht statt. Ein großer Verlust für den ausrichtenden BVKL und für den Badmintonnachwuchs sowieso.

Leise Hoffnung auf den März

„Vor März kommen wir wahrscheinlich nicht in die Hallen zurück, wenn überhaupt“, ist Markus Koch und mit ihm das Trainerteam schon gefragt, die Mitglieder bei Laune und vor allem in einer einigermaßen guten körperlichen Verfassung zu halten. Das Miteinander fehlt aber mindestens allen genauso wie das Spiel mit dem kleinen Federball, sagt Koch. Deshalb wurde von Vereinsseite alles versucht, um wenigstens die Weihnachtspräsente an die vielen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zu bringen. Mit dem Vereinsbus, der an vereinbarten Stellen Station machte, war das engagierte Team unterwegs, um wenigstens Teile der kleinen Präsente an die Spieler zu bringen.

Hubertus Gramowski, der BVKL-Präsident, zeigt sich stolz auf seinen Vorsitzenden, dem es, gemeinsam mit seinem Team, in dieser schwierigen Lage gelinge, den Verein am Laufen zu halten. „Das Engagement ist wirklich toll“, so Gramowski.

Aktuell hat sich der BVKL Quizabende ausgedacht, an denen sich die Spieler sehr gerne beteiligen. Alles online, versteht sich. „Es geht schon um Badminton, es geht aber auch um Allgemeinwissen“, spricht Koch über die Inhalte. Es gebe dabei ein „Gentleman Agreement“, dass die Fragen spontan beantwortet werden und keiner beim großen „Google“ nachschaut. „Das klappt gut, Badmintonspieler sind fair“, stellt der Vorsitzende lachend fest. Und auch befreundete Vereine können mitmachen.

Hantelstange statt Federball

Die Badminton-Abteilung des TV Roßbach hat in der Misere entschieden, extra Netze und extra Bälle für draußen anzuschaffen. „Das Training draußen ist natürlich wetterabhängig, und wir haben keine festen Trainingstage“, berichtet Florian Rheinheimer, Trainer, aktiver Badmintonspieler und Abteilungsleiter beim TV Roßbach, von einem Training quasi auf Zuruf. Das sei immer noch besser als gar nichts. Die kalten, windigen und vor allem nassen Januartage haben aber auch das Draußenspiel mit dem kleinen schnellen Federball nicht zugelassen. Was bleibt, ist Joggen oder der Heimtrainer. „Ich habe mir eine Hantelstange gekauft“, erzählt Rheinheimer, der gleichzeitig bedauert, dass er derzeit eher die Hantel und weniger den Badmintonschläger nutzt.

Blick geht in den September

Beim 1. Badminton-Club Westpfalz Hütschenhausen (BCW) langweilen sich die vielen Mitglieder und aktiven Mannschaftsspieler gerade auch ziemlich. Von den fünf Mannschaften, die in Oberliga, Rheinland-Pfalz-Liga, der Verbandsliga Nordost, der Bezirksoberliga Pfalz und der Bezirksliga Mitte Nord spielen, darf nicht eine in die Halle. „Die Runde ist abgesagt, und das ist unter den Voraussetzungen auch gut so“, ordnet Thomas Winter, verantwortlich für den Spielbetrieb beim 1. BCW Hütschenhausen, die aktuelle Lage ein. „Die Spieler können nicht richtig oder gar nicht trainieren, da bauen Muskeln und Bänder rasant ab. Die Verletzungsgefahr bei einer schnellstmöglichen Rückkehr in den Spielbetrieb ist viel zu groß“, blickt Winter einer beginnenden neuen Runde im September entgegen.

Und was passiert bis dahin im Verein? Die Kinder nehmen am Online-Training teil, die Aktiven müssen sich, soweit es geht, selbst fithalten. Demnächst soll aber auch da wieder Online-Training angeboten werden, wie in den Frühjahrsmonaten 2020 schon einmal. Traurige Situation, da sind sich alle Vereine einig.

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