Kreis Kusel Im Burghof wie im Urlaub gefühlt

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Barock, Klassik, Romantik und Tango: Bei ihrem Serenadenkonzert auf Burg Lichtenberg am Sonntag nahmen der Musikverein Kusel und der Orchesterverein Idar-Oberstein unter Leitung von Thomas Germain ihr Publikum mit auf eine abwechslungsreiche Reise durch die Welt der klassischen Musik.

Sommer, Sonne und beste Stimmung: Die zahlreichen Besucher fühlten sich im Burghof wie im Urlaub. Und auch bereits das erste Werk auf dem Programm, die Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Oper „Così fan tutte“, versprühte in der Bearbeitung von Johann Christian Stumpf unbeschwerte Leichtigkeit und Lebenslust; die Spielfreude war dem Orchester anzumerken. Vorlage für die Orchestersuite „Le Roi s’amuse“ von Léo Delibes (1836-1891) waren das gleichnamige Drama von Victor Hugo, das auch Giuseppe Verdis bekannter Oper „Rigoletto“ zugrunde liegt, aber auch alte Tänze aus der Renaissance, die Delibes im Stil der Romantik bearbeitet hat. Nach einem markanten Fanfarenauftakt klangen alte Schreittänze wie die Gaillarde in diesen leise verhaltenen Klängen und Rhythmen an. Langsam und ruhig gestaltete das Orchester die Pavane, die durch die dunklen Farben, in sattem Streicherklang gespielt, den Charakter einer romantischen Träumerei annahm. Die Scène du Bouquet dagegen erinnerte mit ihren Trommelschlägen an die musikalischen Einlagen, die beispielsweise bei Aufführungen von Shakespeare-Stücken üblich waren. Langsam und lautmalerisch gestaltete das Orchester das Madrigal, während der Satz Passepied langsam anfing, dann aber durch den neckischen Charakter und die vibrierende Spannung des melodiösen Themas mit seinen harmonischen Eintrübungen fesselte. Mit einem Finalsatz mit markant-festlichem Auftakt und einem Thema in weichen Streicherbögen und klar umrissenen Konturen endete die Suite. In Deutschland wenig bekannt ist der französische Komponist und Kornettist Jean-Baptiste Arban (1825-1889). Er war hauptsächlich als Militärmusiker, Professor und Komponist tätig, aber auch als Kornettvirtuose bekannt. Seine Fantasie und Variationen über die neapolitanische Canzonetta „O cara mamma mia“ wurde als „Karneval von Venedig“ bekannt, ein Duo für Trompete und Orchester, das hochvirtuose Anforderungen an den Solisten des Blasinstrumentes stellt. Diese Herausforderung nahm beim Serenadenkonzert die 15-jährige Schülerin Melisande Arf aus Herschweiler-Pettersheim an, die bereits mehrere Preise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Regional- und Landesebene gewonnen hat. Nach einem weichen Streicherauftakt, dezent von den Bläsern unterstützt, setzte die junge Nachwuchsmusikerin mit ihrem Trompetensolo ein. Auffallend waren ihre sehr schöne, weiche und volle Intonation und die klar gestalteten Melodiebögen. Mit vollem, sattem Streicherglanz leitete das Orchester über zum nächsten Solothema, das die Musiker durch bebendes Tremolieren und dezente Pizzicati untermalten. Sehr dezent und verhalten setzte Melisande Arf mit ihrem Solo ein, dessen Melodie sie mit vielen kleinen, schnellen, scheinbar mühelos perlenden Trillerumspielungen ausschmückte – eine Spielweise, die allerhöchste Anforderungen an das spieltechnische Können wie die Interpretation des Solisten stellt. Durch die leise tremolierende Begleitung der Streicher erhielt dieses Solo einen romantisch-lautmalerischen Akzent. Das Werk endete in einem furiosen Finale. Der zweite Teil des Konzertes widmete sich den Jahreszeiten als Themenschwerpunkt und stellte mit Werken von Antonio Vivaldi (1678-1741) und Astor Piazzolla (1921-1992) Barock und Musik des 20. Jahrhunderts gegenüber – ein aparter Kontrast von Klangwelten. Nach „La Primavera“ op. 8 Nr. 1 RV 269, dem Frühling von Antonio Vivaldi, mit wunderschönen Echoeffekten, Vogelgezwitscher, leisem Gewittergrollen und lautmalerisch akzentuiertem musikalischem Fluss gestaltet, spielte das Orchester „Invierno Porteno“ für Violine und Orchester von Astor Piazzolla, mit einem Solo von Vsevolod Starko. Schwerer und voller erklang „L’Autumno“ op. 8 Nr. 3 RV 293, der Herbst von Vivaldi, bei Piazzollas „Verano Porteno“ für Violine und Orchester dagegen bestimmten ein satter Streicherklang und dezent swingende Rhythmen, die mit ihren prägnanten Akzenten Schwung in die Melodie brachten, das Klangbild. Aber auch lasziv-erotische Momente wurden in dieser weichen, sinnlichen Elegie hörbar, die vor allem das Solo von Vsevolod Starko betonte. Einen rassigen Abschluss fand ein wundervoller Open-Air-Konzertabend mit dem Tango „Danzón“ Nr. 2 von Arturo Márquez (geboren 1950), dessen flächiger und doch sehr temperamentvoller Streicherklang durch Rhythmusinstrumente wie die Guiro eine aparte Note erhielt.

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