Reipoltskirchen
Heimatgeschichte: Ludwig von Esebeck macht am Hof Karriere
Hans Asmus von Esebeck hatte sieben Söhne, von denen fünf Offiziere im französischen Heer wurden – eine Folge der engen Beziehungen zwischen Pfalz-Zweibrücken und Frankreich. Zwei von ihnen gehörten dem Infanterieregiment „Royal Deux Ponts“ an, das von 1780 bis 1783 für Frankreich in Nordamerika kämpfte und sich bei der Schlacht von Yorktown auszeichnete.
Hans Asmus’ dritter Sohn Ludwig (1751-98) trat wie sein Vater in die Dienste des Herzogs und machte am Hof Karriere. Unter Karl II., dem Nachfolger Christians, wurde er als Staatsminister Leiter der Politik. Sein politischer Einfluss war geringer als der seines Vaters, lediglich bei dem Konflikt um das wittelsbachische Erbe spielte er eine Rolle. Denn nach dem Tod des Kurfürsten Max III. Joseph (1777) war Bayern an den kurpfälzischen Herzog Karl Theodor gefallen. Es war vor allem Ludwigs Minister Johann Christian von Hofenfels zu verdanken, dass die Rechte der Pfälzer gewahrt wurden. Hofenfels war 1744 als Sohn des Kuseler Pfarrers Johann Jakob Simon geboren und 1776 für seine Verdienste um Pfalz-Zweibrücken geadelt worden.
Beziehungen geknüpft
Neben der diplomatischen Zusammenarbeit entstand auch eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen den beiden Politikern. Hofenfels hatte am Zweibrücker Hof Ludwigs Nichte Luise von Closen kennengelernt. Sie war die Tochter seiner Schwester Marie Luise und des Generals Karl von Closen auf Heydenburg, der bereits im Jahr ihrer Geburt gestorben war. Als ihre Mutter wieder heiratete, kümmerte sich vor allem Ludwigs Frau Carolina um die junge Adelige und schlug ihr auch vor, ihre Hochzeit mit Hofenfels auf dem Familienbesitz der Esebecks zu feiern.
Der Pfarrer Johann Erasmus Vollmer aus Niederkirchen, der an der Feier teilnahm, notierte darüber im lutherischen Kirchenbuch von Rudolphskirchen: „1781, den 10. April wurde der fürstlich pfalz-zweibrückische Geheimde Rat Herr von Hoffenfels, ein Sohn des Herrn Pfarrers Simon von Dielkirchen, mit dem Gnädigen Fräulein Friederica von Cloosen, des weyland gewesenen Generals von Cloosen Fräulein Tochter, durch des Herrn Hochzeitern Vatter in der Ingweler Kapelle ehelich eingesegnet und copulirt (getraut).“
Eine Traumhochzeit
Nach den Berichten von Zeitgenossen muss es sich um eine „Traumhochzeit“ gehandelt haben. Man hatte den Pfarrer Simon mit einer Kutsche aus Dielkirchen abgeholt. Nach einem festlichen Essen fand die Trauung in der Kapelle statt. Zu den zahlreichen Gästen zählten die Verwandten der Braut, Vertreter des herzoglichen Hofes und Adelige aus Reipoltskirchen, Odenbach, Schallodenbach und Meisenheim.
Wenige Jahre später kam das Ende des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken und damit auch Ludwig von Esebecks Stellung. Als die Franzosen im Februar 1793 das Herzogtum besetzten, flohen Herzog Karl II. und sein Hof nach Mannheim. Sein Staatsminister blieb in der Residenzstadt und protestierte öffentlich gegen das französische Vorgehen. Es widerspreche dem Beschluss des französischen Staatsrates und den Verträgen, die mit dem Herzogtum geschlossen worden seien. Pfalz-Zweibücken sei „jederzeit ein Freund Frankreichs“ gewesen.
Lösegeld gezahlt
Der Protest Esebecks blieb ohne Wirkung, führte aber zu seiner Verhaftung. Er wurde nach Paris gebracht und schwebte mehrere Monate „zwischen Gefängnis und Guillotine“, wie ein Zeitgenosse sein Schicksal beschrieb. Erst als die Familie 30.000 Gulden Lösegeld bezahlte, ließ man Ludwig im August 1793 frei. Karl II. hatte zwar versprochen, das Geld zu erstatten, doch wartete die Familie vergeblich darauf. Nach dem Tod des Herzogs 1795 strengte sie einen Prozess gegen die bayerische Regierung an, der aber erfolglos blieb.
Ludwig hatte im November 1793 um seine Entlassung als Staatsminister gebeten und wohnte bis zu seinem Tod in Zweibrücken. Wahrscheinlich wurde er dort beerdigt, wo es noch mehrere Gräber der Esebecks gibt. Aber seine Ruhestätte ist nicht erhalten und es fehlen auch urkundliche Hinweise. Die beiden Höfe bei Reipoltskirchen wurden französisches Nationaleigentum und später versteigert.
Einflussreiche Frau
Einflussreicher als Ludwig war seine Frau Carolina Gayling von Altheim (1748-1823), die er 1766 geheiratet hatte. Nach dem Regierungsantritt Karls II. wurde die Jugendfreundin des Fürsten Oberhofmeisterin der Herzogin und später die „grande maitresse“ des Monarchen. Damit hatte sie Einfluss auf alle wichtigen politischen Entscheidungen. Auch der Bau des pompösen Schlosses Karlsberg bei Homburg geschah auf ihre Anregung.
Seit 1787 lebte sie von ihrem Mann getrennt, nachdem das kinderlose Ehepaar seine Gütergemeinschaft beendet und seinen Besitz aufgeteilt hatte. Im Jahre 1793 wurde Carolina auf eigenen Antrag als Oberhofmeisterin entlassen und zog zu ihrem Bruder nach Karlsruhe, wo sie 1823 starb.
Fünf neue Linien
Zur Geschichte der Familie Esebeck in der Pfalz gehört auch die Gründung von fünf neuen Linien durch die Söhne von Hans Asmus, die in Bayern, Preußen, Österreich und Frankreich ansässig wurden. Mitglieder der preußischen Linie leben heute in sechster, siebter und achter Generation in Franken und in München. In dieser Familie gibt es eine umfangreiche Chronik, die 2005 als Privatdruck herausgegeben wurde. Sie enthält wichtige Informationen über die mehr als 300 Esebecks.