Kreis Kusel Harmonie trotz vieler Unterschiede

Burg Lichtenberg bot am Mittwochabend die ideale Kulisse für das Abschlusskonzert des Ethno-Camps. Musiker aus zwölf Ländern und fünf Kontinenten lieferten den zahlreichen Gästen einen ganz besonderen Abend, bei dem viel gesungen und getanzt wurde.
18 Lieder haben sich die Musiker innerhalb einer Woche im Ethno-Camp erarbeitet, das zum dritten Mal von „Jeunesses Musicales“ im Landkreis Kusel organisiert wurde (wir berichteten). Jedes Lied stammte aus einer anderen Kultur und dementsprechend bunt und aufregend war das Programm. Ethno ist keine Musikrichtung, sondern bezeichnet die Idee des gemeinsamen Musizierens. Es geht um den kulturellen Austausch der Camp-Mitglieder, die gemeinsam Folk-Songs aus unterschiedlichen Ländern spielen. Am vergangenen Wochenende haben die 32 Musiker beispielsweise in Kaiserslautern im Asternweg konzertiert, der durch eine Fernseh-Reportage als sozialer Brennpunkt bundesweit bekannt wurde. Und sie berichteten von einem einmaligen Erlebnis und einem Publikum, welches ausgelassen feierte und sich an der Musik erfreute. „Die Erde ist nur ein Land und wir sind ihre Bürger“, habe auf einem Plakat im Asternweg gestanden und damit genau den Kerngedanken des Camps getroffen, welche Botschaft mit der Musik vermittelt werden soll. Los ging es mit „Ya Their Ya Tayer“, das aus Jordanien stammt. Es erklang zuerst ein gefühlvolles Solo. Danach stimmten alle in den Folk-Song mit ein und das rhythmisch prägnante Lied versprühte orientalischen Charme. Exotisch war auch der Song „Luleborë“ aus Albanien. Hierbei erklangen jedoch ruhige, sanfte Töne. Das Lied wurde von der Inderin Pavithra Chari gesungen und zeigte, dass im Camp versucht wurde, Grenzen aufzuheben und die Folk-Songs mit unterschiedlichen Einflüssen neu zu arrangieren. Dies führte zu einzigartigen Mischungen. Gesungen wurde an dem Abend viel. Doch nicht nur in der großen Gruppe, auch solistische Beiträge gab es zu hören. So repräsentierten drei Musiker die Länder Indien, Kamerun und Arabien. Jede Stimme hatte ihre eigene, unverkennbare Klangfarbe, und trotz dieser Verschiedenheiten fügten sie sich zu einem harmonischen Klang. Schwungvoll wurde es wieder mit dem Lied „Vinden“ aus Schweden. Die eingängige Melodie wurde mit sehr viel Dynamik verfeinert und bot damit immer wieder Überraschungen und Höhepunkte. Dieser besondere Klang sei nur durch die kreative Arbeit im Camp möglich gewesen, erklärte Bernhard Vanecek, der Initiator des Camps. Nach dem Erlernen der Lieder sei erst ein Kreativprozess in Gang gekommen und so das Arrangieren der Songs möglich gewesen. Doch auch die deutsche Volksmusik kam nicht zu kurz. So spielten die Musiker „Kein schöner Land“ oder den „Klappermann“, ein Volkslied aus Norddeutschland. Bei den bekannten Melodien taute das Publikum richtig auf. „Es ist ein Ziel des Ethno-Camps, die deutsche Volksmusik wieder unter die Leute zu bringen“, sagte Katharyn Döhner, die zu den künstlerischen Leitern gehört. Bei einer etwas anderen Version von „Die Gedanken sind frei“ mit afrikanischen Einflüssen wurde ausgelassen mitgesungen. Die fantastische Atmosphäre auf der Burg riss bis zum Ende nicht mehr ab. Plötzlich Dunkelheit: Bei dem europäischen Tango Mazurka, der von dem Camp-Teilnehmer Christoph Schoenbeck geschrieben wurde, fiel die komplette Beleuchtung aus. Die Musiker ließen sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und spielten munter weiter. Einen positiven Aspekt hatte das Missgeschick: „Nun haben sie gesehen, wie unsere Abende ausgesehen haben“, scherzte Kathryn Döhner. Nachdem das Licht wieder angegangen war, ging das Konzert der munteren Musiker, die die ganze Zeit über auf der Bühne tanzten, weiter. Ein weiterer Höhepunkt war eine Darbietung der Percussion-Gruppe, welche mit schnellen Händen und irrwitzigen Rhythmen das Publikum begeisterte. Mit dem Song „Pinnacle Ridge“ aus Großbritannien, der die Stimmung aus einem britischen Pub auf die Burg transportierte, war das Konzert zu Ende und alle Musiker lagen sich glücklich in den Armen. Gefallen hat es wohl allen. „Die Musiker haben richtig Spaß an der Musik“, sagte Fritz Knieriemen. Barbara Urbanczyk bewunderte die kulturelle Vielfalt und Monika Weinter beschrieb das Gehörte als „sehr berührend“.