Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Grundschule Konken: Absage an Klassenraum-Lüftung Marke Eigenbau

An der Realschule plus in Queidersbach (Kreis Kaiserslautern) gibt es schon eine selbstgebaute Lüftungsanlage.
An der Realschule plus in Queidersbach (Kreis Kaiserslautern) gibt es schon eine selbstgebaute Lüftungsanlage.

Selbstgebaute Lüftungsanlagen sollen die Corona-Ansteckungsgefahr in Klassenzimmern ohne großen Aufwand senken. An der Grundschule in Konken setzt sich Nico Trumm für eine solche Anlage ein. Die Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan hat dem Vorhaben eine Absage erteilt.

Alle 20 Minuten muss gelüftet werden: So ist es an den Schulen im Land vorgeschrieben, seit nach dem Ende der Sommerferien der Präsenzunterricht wieder losging. Was im Spätsommer ohne Probleme auszuhalten war, wurde in den Wochen, bevor im Dezember die Schulen erneut geschlossen worden waren, recht unangenehm für Schüler und Lehrkräfte. Ab Montag beginnt an den Grundschulen wieder der Wechsel zwischen Präsenz- und Heimunterricht.

Mancherorts werden aus Baumarkt-Materialien selbstgebaute Lüftungsanlagen installiert, um bei Eiseskälte nicht im 20-Minuten-Rhythmus die Fenster öffnen zu müssen. Diese Systeme leiten die Luft mithilfe von Abzugshauben über den Sitzplätzen der Schüler durch ein Rohr aus dem gekippten Fenster nach draußen. Laut dem Max-Planck-Institut, das das System entwickelt hat und Baupläne zur Verfügung stellt, lassen sich damit bis zu 90 Prozent der Aerosole aus der Atemluft entfernen, die möglicherweise das Coronavirus enthalten. Die Forscher versprechen sich davon außerdem weniger Kohlenstoffdioxid in der Luft, wodurch sich die Schüler besser auf den Unterricht konzentrieren könnten.

Andernorts im Einsatz

In der Verbandsgemeinde Oberes Glantal dürfen solche Lüftungsanlagen seit Dezember in den Klassensälen aller Grundschulen eingebaut werden. Während sich dort allerdings noch keine Freiwilligen zum Einbau gefunden haben, sind selbstgebaute Lüftungsanlagen zum Beispiel in allen Grundschulen in Mainz sowie an Schulen in Pirmasens und im Kreis Kaiserslautern installiert worden.

Nico Trumm, dessen Kinder die erste und dritte Klasse der Grundschule in Konken besuchen, hat vorgeschlagen, in den Klassenräumen eine solche Lüftung einzubauen. Die Schulleitung sei angetan von dem Vorschlag gewesen, berichtet Trumm, und habe das Anliegen an den Schulträger weitergeleitet, die Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan. Von dort kam allerdings eine Absage. Das normale Lüften reiche aus, teilte die Verwaltung mit. Außerdem gebe es Bedenken zur Sicherheit der selbstgebauten Anlage.

Die Absage kann Trumm nicht nachvollziehen: „Mir scheint, dass hier der bequemste Weg gegangen werden soll“, sagt der Vater. „Dass die Temperaturen auf absehbare Zeit nicht in den angenehmen Bereich steigen, scheint niemanden zu interessieren.“ Außerdem dürften die Lüftungsanlagen wegen ihrer leichten Bauweise seiner Ansicht nach kaum eine Belastung für die Deckenkonstruktion sein. Während der Zeit, in der die Schulen geschlossen waren, hätte man zumindest probeweise eine Lüftungsanlage installieren können, findet Trumm.

CO2-Messgeräte angeschafft

Die VG Kusel-Altenglan erklärt die Absage auf RHEINPFALZ-Anfrage mit dem Corona-Hygieneplan des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums. Der sieht das Lüften durch die Fenster als wichtigste Methode vor, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. Nur falls sich in einem Klassensaal die Fenster nicht öffnen lassen, muss eine Lüftungsanlage installiert werden, damit dort weiter Unterricht stattfinden kann. „In der Grundschule Konken können alle Klassenräume durch Öffnen der Fenster belüftet werden“, erklärt Bürgermeister Stefan Spitzer. Außerdem habe die VG Messgeräte für den Kohlenstoffdioxidgehalt in der Raumluft an alle Schulen in ihrer Trägerschaft verteilt. Diese geben bei sinkender Luftqualität im Raum ein Signal und informieren außerdem über Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Spitzer verweist auf die Einschätzung von Christoph Kaup, Professor am Umweltcampus der Hochschule Trier. Er sieht die selbstgebauten Lüftungsanlagen kritisch. Die Abzugshauben könnten längst nicht alle Aerosole einfangen. Dadurch entstehe ein Luftstau über den Tischen. Auch Luftströmungen, die durch Husten oder Niesen entstehen, würden von dem System nicht erfasst. Damit könnten die Anlagen keine Sicherheit garantieren – es müsste trotzdem noch gelüftet werden.

Auch was die Sicherheit der Lüftungsanlage selbst angeht, äußert die Verwaltung Bedenken. Bei einem unsachgemäßen Einbau könnte es zu Verletzungen durch herabfallende Teile kommen, oder es könnten Schäden am Gebäude entstehen. „Fragen des Versicherungsschutzes und der Tüv-Abnahme spielen ebenfalls eine wichtige Rolle“, sagt Spitzer. Immerhin müsse auch die Betriebssicherheit gewährleistet sein.

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