Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Fusion: Sechs Krankenpflegevereine bilden neuen Förderverein

Hauptziel des neuen Fördervereins ist die Unterstützung der Ökumenischen Sozialstation Lauterecken-Wolfstein.
Hauptziel des neuen Fördervereins ist die Unterstützung der Ökumenischen Sozialstation Lauterecken-Wolfstein.

In der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein haben sich sechs Krankenpflegevereine zu einem neuen Förderverein zusammengeschlossen. Bei der Gründungsversammlung wurde Sven Eckert aus Adenbach als Vorsitzender gewählt.

Die bisherigen Krankenpflegevereine in St. Julian, Grumbach/Herren-Sulzbach, Odenbach, Offenbach-Hundheim, Reipoltskirchen und Einöllen/Hohenöllen/Relsberg verschmelzen und fungieren nun unter dem neuen „Förderverein der Ökumenischen Sozialstation Lauterecken-Wolfstein e.V.“. Der Beschluss fiel einstimmig, wie der neue Vorsitzende Sven Eckert mitteilt. Nächster Schritt sei die Eintragung in das Vereinsregister.

Zweck der Krankenpflegevereine ist es, für ihre Mitglieder Versorgungslücken der Pflegeversicherung zu tragen oder abzumildern. Dabei kommt der Unterstützung der Sozialstationen eine wesentliche Rolle zu. In den beteiligten Vereinen waren die Vorstände teilweise nicht mehr voll zu besetzen, so Eckert.

Viele Vereine im Kreis mussten sich auflösen

Ein Problem, das auch in anderen Regionen virulent ist: Der Krankenpflegeverein Dennweiler-Oberalben hatte vergangenen Dezember seine Auflösung beschlossen, Hüffler-Wahnwegen-Schellweiler ist ebenfalls aufgelöst, und auch den Krankenpflegeverein Ohmbachtal in Brücken gibt es nicht mehr.

Die sechs Vereine im Nordkreis hatten zum Jahreswechsel 2022/23 noch rund 600 Mitglieder. Der stärkste war der ökumenische Krankenpflegeverein Offenbach-Hundheim mit 200 Mitgliedern, Reipoltskirchen hatte dagegen nur noch 40 Mitglieder. Durch die Verschmelzung sollen nun personelle und sachliche Ressourcen der beteiligten Vereine zusammengeführt werden, erläutert Eckert.

500 Mitglieder zum Start

So sollen die Vereinsziele gebündelt und auch das Bemühen um finanzielle Mittel effektiver gestaltet werden. Hauptziel sei die Unterstützung der Ökumenischen Sozialstation Lauterecken-Wolfstein. Der Verein solle dazu beitragen, dass die Sozialstation die ihr gestellten Aufgaben auch vor dem Hintergrund der Herausforderungen des demografischen Wandels erfüllen kann. Zweck sei insbesondere die Förderung zusätzlicher sozialer und karitativer Tätigkeiten der Sozialstation. Weiteres Ziel sei die Stabilisierung sowie Steigerung der Mitgliederzahlen. Der neue Förderverein zähle aktuell gut 500 Mitglieder.

Dekan Matthias Schwarz vom Protestantischen Dekanat an Alsenz und Lauter zeigte sich bei der Gründungsversammlung beeindruckt von dem historischen Schritt der Verschmelzung. Sie könne auch Modellcharakter für ein Fortbestehen von Krankenpflegevereinen in anderen Regionen haben, ist er überzeugt.

Nur die Bezahlweise ändert sich

Im Bereich der Ökumenischen Sozialstation Lauterecken/Wolfstein gibt es noch zwölf weitere Krankenpflegevereine. Einige hatten bereits bekundet, eigenständig bleiben zu wollen. Mit zwei eingetragenen Vereinen ist der neue Vorsitzende aktuell im Gespräch, um nach Lösungen zu suchen, „wie wir auch diese Mitglieder in den Förderverein übernehmen können“. Für die Mitglieder bleiben alle Vorteile in Bezug auf Rabattierungen von Leistungen der Sozialstation erhalten, betont Eckert. Es ändere sich künftig lediglich die Bezahlweise per Lastschrift.

Einen besseren Ort als den Grafensaal im Veldenzschloss hätte man für diese historische Stunde der Verschmelzung von sechs Krankenpflegevereinen nicht wählen können, berichtet Eckert. Denn „dort ist Kultur, Geschichte und Moderne bestens eins geworden“. Auch die Krankenpflegevereine seien Teil der Geschichte und Kultur. So sei der Krankenpflegeverein-Elisabethenverein Reipoltskirchen schon 1919 in das Vereinsregister eingetragen worden.

Lange christliche Tradition

Krankenpflegevereine blicken auf eine lange christliche Tradition zurück. Noch heute sind in Vorständen die Kirchengemeinden mit im Boot, ebenso wie Caritas und Diakonie. Die Diakonissen waren es, die um 1840 den Grundstein für eine Gründungswelle legten. Viele Jahre prägten Gemeindeschwestern das Bild in Städten und Dörfern, die soziale Aufgaben für die Mitglieder der damaligen Elisabethen- und Diakonissenvereine übernahmen. Als sich keine Ordensschwestern oder Diakonissen mehr fanden und durch die älter werdende Bevölkerung gleichzeitig der Bedarf wuchs, reagierte die Politik auf die neuen sozialpolitischen Erfordernisse. Auf Initiative des damaligen Mainzer Sozialministers Heiner Geißler entstanden in den 1970er Jahren in Rheinland-Pfalz die Sozialstationen unter dem Dach von Trägern der freien Wohlfahrtspflege wie Caritas und Diakonie. Mit der Einführung der Pflegeversicherung 1995 verloren die Vereine an Bedeutung. Die Finanzierung der Ökumenischen Sozialstationen wurde neu geregelt, die Rabattierung durch den Verein trat in den Hintergrund. Die Sozialstationen haben ihre Leistungen zurückfahren müssen, weil viele Kosten von den Pflegekassen übernommen wurden. Die Folge: sinkende Mitgliederzahlen und überalterte Vorstände in den Krankenpflegevereinen.

Der Vorstand

Vorsitzender: Sven Eckert (Adenbach), Stellvertreter: Hans-Ludwig Altes (Grumbach), Schatzmeisterin: Pia Schuster (Kirrweiler), Schriftführerin: Elke Haaß (Odenbach), der Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation, Marco Schweig, ist Vorstandsmitglied laut Satzung. Beisitzer: Tina Berndt (Einöllen), Gunther Cherdron (Medard), Stefanie Habermann (Hohenöllen), Anette Huck (St. Julian), Lutz Lehne (Odenbach), Helga Mayer (St. Julian), Ralf Schuster (Kirrweiler), Martina Steinhauer (Lohnweiler).

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