Schönenberg-Kübelberg
Explosionsgefahr: „Bodenrakete“ zerschießt Leitung und lässt Gas ausströmen
„Tja, so was passiert halt mal ...“: Wo es am brenzligsten war, hat die Hausherrin den Rummel offenkundig locker weggesteckt. Das wiederum freut Peter Becker, dessen Anspannung sich inzwischen ebenfalls in Wohlgefallen aufgelöst hat. Der Abteilungsleiter Gas und Wasser bei den Homburger Stadtwerken hat jenen Satz schon am Vormittag von der am ärgsten getroffenen Anwohnerin gehört: Die Frau wohnt in der Miesauer Straße in Schönenberg-Kübelberg. Direkt vor ihrer Haustür, unweit des Ortsendes von Sand, ist am Donnerstag Gas in rauen Mengen ausgeströmt.
Kurz nach neun Uhr war’s passiert: „Die haben eine ,Bodenrakete’ ’reingeschossen“, erläutert ein Stadtwerke-Mitarbeiter lapidar die Ursache für den Gasalarm. Die – das ist ein Arbeitertrupp jener Firma, die im Südkreis Glasfaser verlegt. Besagte Rakete ist eine Art Stahlzylinder, der im Boden unter den Bürgersteigen vorangetrieben wird. Mit dieser Brechstange haben die Arbeiter ins Schwarze getroffen: Erwischt haben sie eine Erdgasleitung. Nicht etwa einen Hausanschluss, vielmehr die Versorgungsleitung, von der aus all die Anschlüsse in der Straße abzweigen. Diese Hauptleitung lässt sich nicht eben mal abschiebern. Deshalb hat es auch eine geraume Weile gedauert, ehe die Gaszufuhr gekappt und damit die Explosionsgefahr gebannt war.
Gefahr bestand also durchaus, weshalb die Feuerwehr beim Eintreffen auch sofort damit begonnen hatte, die Einsatzstelle weiträumig abzusperren. Im Radius von 50 Metern um das Leck herum durfte sich keiner mehr aufhalten. „Wir haben in den betroffenen Häusern nur wenige Menschen angetroffen, die meisten waren nicht zu Hause“, berichtete Einsatzleiter Stefan Reichhart (Waldmohr). Vier Personen sei ein Aufenthalt im Bürgerhaus angeboten worden, wo eine Versorgungsstelle eingerichtet worden war.
Wer nicht zu Hause war, hat allerdings von dem Malheur erfahren, sobald die Gefahr gebannt war. Der frühere Wehrleiter Jens Danner, ganz Brandschutz-Profi, hatte das als sinnvoll erachtet und vorgeschlagen, die Immobilieneigentümer über die Polizei ausfindig zu machen und kontaktieren zu lassen. Dies war auch im Sinne der Stadtwerke-Experten. „Wir müssen ja noch in alle Häuser rein, um zu messen“, erklärte Klaus Cloß, Netzmeister Instandhaltung bei dem saarpfälzischen Versorgungsunternehmen. Er und seine Kollegen waren während des Einsatzes übrigens stetig mit Messungen beschäftigt.
Im Haus direkt hinterm Leck war in der Tat zunächst Gas in den Keller geströmt. Allerdings oberhalb der Erde. Dank der Belüfter der Feuerwehr war es schnell vertrieben. Dass das Gas wegen des Lochs, an dem die Baufirma gearbeitet hatte, nach oben hat entweichen können, war eher ein Glücksfall. „Es gab keine unterirdische Verdrängung“, sagte Cloß. Der Brennstoff werde unter hohem Druck durch die Leitung befördert. Muss er sich im Erdreich seinen Weg bahnen, kann das problematischer sein, als wenn er durch ein offenes Leck in die Luft entweicht. Weil Erdgas leichter ist als die Luft, verflüchtigt es sich nach oben. Anders als in geschlossenen Räumen, ist das im Freien wenig problematisch.
Um die Zufuhr zu stoppen, waren beiderseits des Lecks Löcher gegraben und sogenannte Sperrblasen eingetrieben worden. Dann erst konnte das defekte Leitungsstück komplett freigelegt werden. Die Arbeiten dauerten am Nachmittag weiter an. Immerhin: „Kein Kunde ist während des Vorfalls unversorgt geblieben“, betonte Werke-Abteilungsleiter Becker. Weil es sich um eine Ringleitung handele, seien die nächstgelegenen Anschlüsse nicht von der Zufuhr abgeschnitten worden. Das Haus direkt am Leck bezieht kein Gas.
Die Feuerwehr war um kurz nach zehn Uhr alarmiert worden. Als sie anrückte, waren die Stadtwerke bereits da. „Die Alarmierungskette hat über zwei Ecken funktioniert“, kommentierte dies Becker. Nach seinen Worten hat eine Anwohnerin einen üblen Geruch wahrgenommen. Das Gas ist eigentlich geruchlos, jedoch wird eigens ein Geruchsstoff beigemischt, damit sofort bemerkt wird, wenn es irgendwo entweicht. Die Anwohnerin habe ihre Wahrnehmung den Arbeitern vor Ort mitgeteilt. Die aber hätten nicht verstanden, was sie überhaupt wolle. Daraufhin sei die Verbandsgemeinde informiert worden – offenbar ohne genaue Sachverhaltsschilderung. Jedenfalls war zunächst keine Alarmierung ausgelöst, sondern „nur“ der Versorger informiert worden.
Die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Oberes Glantal war mit 35 Kräften vor Ort, wie der Einsatzleiter – der Stellvertretende Wehrleiter – Stefan Reichhart informierte. Der Gefahrstoff des Landkreises, Polizei, Rettungsdienst und ein Teil der Schnelleinsatzgruppe mit einem Rettungswagen waren ebenfalls angerückt, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Der Landesbetrieb Mobilität hatte eine Umleitung ausgewiesen. Über Stunden hinweg war in der Durchgangsstraße, der L356, kein Durchkommen nach Miesau. Die Feuerwehr leitete den Verkehr in Sand an der Kreuzung Richtung Ohmbachsee ab.