Kreis Kusel
Engagierte Katholiken sehen Reformbedarf bei ihrer Kirche
„Ich habe mich gefreut, dass sich die katholische Kirche auf den Weg macht, um sich neu aufzustellen, und dass sie endlich die Zeichen der Zeit wahrnimmt“, sagt die Vorsitzende des Pfarreirates Lauterecken, Inge Lütz. Sie erinnert an den „tieftraurigen“ Ausgangspunkt, nämlich den Missbrauch. „Die Kirche befindet sich in einer Krise, und die Auseinandersetzung hat die Schwachstellen im System offengelegt“, sagt Lütz.
Als Religionslehrerin lehre sie, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, berichtet Lütz: „Wie passt das mit dem kirchlichen Arbeitsrecht zusammen?“ Hierin sieht die ehrenamtlich stark engagierte Katholikin mit den dringendsten Bedarf an Reformen. Frauen übernehmen in der katholischen Kirche zahlreiche Aufgaben, betont Lütz. „Wenn es jedoch um Leitung geht, übernehmen diese nur Männer.“
Schonungslose Aufarbeitung gefordert
Wenn ehrenamtlich tätige Frauen ihr Engagement im sozialen, im karitativen und im katechetischen Bereich einstellen würden, „würden die Pfarrer die Augen aufmachen“, macht die Pädagogin deutlich und fordert: „Wir müssen weg von der Einstellung, dass Frauen nur die Kirche putzen und die Blumen machen.“ Beim Thema Missbrauch gebe es nichts zu beschönigen, sie fordert eine schonungslose Aufarbeitung. Ob der Synodale Weg aus der Krise führe, „das werden die Ergebnisse nicht nur auf dem Papier, sondern in der konkreten Umsetzung zeigen“.
Die Teilnehmer des Synodalen Weges hatten am 5. Februar Beschlüsse zu Macht und Gewaltenteilung, Wahlrecht bei Bischofswahlen sowie theologische Grundlagen der kirchlichen Erneuerungen verabschiedet. Die Initiative versteht sich als gemeinsamer Beitrag der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen und seiner systemischen Ursachen im Bereich der katholischen Kirche. Einer der Unterstützer des Synodalen Wegs ist der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, der sich ebenfalls für eine „radikale Umkehr und Erneuerung“ der Kirche aussprach. Dazu gehöre auch, „dass wir uns offen und ehrlich den systemischen Faktoren stellen, die sexuellen Missbrauch in der Kirche begünstigt haben und immer noch begünstigen“.
„Reformbedarf zu jeder Zeit“
„Die Kirche bedarf zu jeder Zeit der Reform, auch und besonders in der heutigen Zeit“, sagt Dekan Michael Kapolka aus Kübelberg. „Wir müssen uns mit vielen Themen intensiver befassen, sei es die Macht in der Kirche, Sexualmoral oder vielen andere.“ In besonderer Weise müsse die Aufklärung des sexuellen Missbrauchs vorangetrieben werden, stellt er klar. Ob der Synodale Weg, so wie er sich momentan entwickele, die Kirche aus der Krise führt, bleibt für Kapolka jedoch offen. „Ich bin eher skeptisch“, sagt er. Denn die Kirche brauche zuallererst eine „geistliche Reform“.
Zudem dürfe man nie vergessen, dass die Kirche in Deutschland nicht aus der Weltkirche herausgenommen ist, sondern in „ein großes Ganzes“ gehört. Denn alle Ergebnisse des synodalen Prozesses sollen in die Versammlung der Bischofssynode 2023 münden, warnt Kapolka vor zu hohen Erwartungen des „deutschen Reformwegs“. Viele Forderungen des Synodalen Weges seien nicht zu erfüllen, da sie der Einbindung in die Gesamtkirche bedürfen. Persönlich würde er sich eine differenziertere Auseinandersetzung bei vielen Themen wünschen, damit am Ende keine neue oder neuerfundene Kirche entstehe, sondern eine geistlich erneuerte Kirche aufblühe.
„Kirchliche Mühlen mahlen langsam“
Auch wenn es mit Blick auf Rom noch Hürden gibt – für Kurt Droll-Mosel ist der Synodale Weg ein „guter Ansatz“. Der Vorsitzende des Gemeindeausschusses St. Remigius Rammelsbach spürt den Veränderungsdruck. „Aber die kirchlichen Mühlen mahlen eher langsam“, weiß er. Reformen seien auch mit Blick auf die Altersstruktur notwendig. Ältere würden weniger, und von Jüngeren würden die Angebote nicht so stark angenommen. Besonders dringlich findet Droll-Mosel die Gleichberechtigung der Frau. Auch Bestrebungen zur Abschaffung des verpflichtenden Zölibats sowie der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften kann sich der Katholik aus Altenglan anschließen.
Eher kritisch verfolgt Wolfgang Rhein die Diskussionen um den Synodalen Weg. Der Diakon der Pfarrei St. Franz Xaver in Lauterecken sorgt sich vielmehr wegen einer Krise des Glaubens. „Man scheint Gott vergessen zu haben, für viele spielt er keine Rolle mehr. Diese Krise kann man nicht durch Strukturen und deren Reformen lösen, sondern durch missionarisches Anbieten des vollständigen katholischen Glaubens“, sagt Rhein.
„Lieber auf echte Gläubige hören“
Dass eine Umsetzung der Forderungen den Weg aus der Krise bereitet, glaubt Rhein nicht: „Leider sieht man bei der evangelischen Kirche, die all das hat, eher eine noch schlechtere Lage, und es drängt sich auf, dass die Vorschläge keine Antworten auf aktuelle Probleme, sondern alte Zöpfe sind.“ Insgesamt haben alle bisherigen Forderungen laut Rhein wenig Aussicht auf Erfolg.
„Vielleicht sollte die Kirche beim Erkunden der Volksmeinung statt auf das teure Zentralkomitee lieber auf echte Gläubige aus ihren Gottesdiensten hören“, gibt Rhein zu bedenken. Das Zentralkomitee werde oft nicht als repräsentativ empfunden oder sei sogar unbekannt.