Kreis Kusel
Ehrenamtskarte: Auch Landkreis will kleine Bonbons für engagierte Bürger bereithalten
Birger Hartnuß ist um wohlklingende Worte nicht verlegen: „Das ist ein Baustein in unserer Klaviatur, um Engagement zu würdigen und unsere Wertschätzung auszudrücken“, formuliert der Verantwortliche in der Mainzer Staatskanzlei den Leitgedanken, der die Ehrenamtskarte begleitet. Doch nicht etwa, dass es zuvor an Wertschätzung gemangelt habe. Das kleine Kärtchen aber sei ein schönes Zeichen. Wer es besitzt, darf sich einiger Vergünstigungen erfreuen. Zwei weitere will nun der Landkreis Kusel beisteuern – so denn der Kreistag in seiner Sitzung am Mittwochnachmittag (15 Uhr, Fritz-Wunderlich-Halle) dem zustimmt.
Das notwendige Votum für die vorgesehene „Einführung der Ehrenamtskarte im Landkreis Kusel“ dürfte allerdings keine Hürde sein. Vielmehr ist mit einem klaren Ja aus Kreistags-Reihen zu rechnen. Zumal die Beteiligung kaum Aufwand erfordert und nur wenig kostet. Werden die Offerten genutzt, gehen lediglich einige Einnahmen flöten. Denn die Vergünstigungen sollen zum einen den Obolus schmälern, den Besucher beim Eintritt ins Musikantenlandmuseum auf Burg Lichtenberg entrichten müssen. Dort sollen Karten-Inhaber künftig zum halben Preis Einlass finden. Zum anderen „droht“ dem Kreis lediglich ein wohl überschaubarer Umsatzrückgang bei seinen Draisinentouren. Wer mit der Fremdenverkehrs-Attraktion durchs Glantal rollt, kriegt fünf Euro Nachlass.
Das passt insofern, als Ehrenamtler im Kreis Kusel sozusagen in Bewegung versetzt werden. Die Verbandsgemeinde Oberes Glantal war die erste, die sich – bereits im Oktober 2017 – an der landesweiten Initiative beteiligt hat. Mit der Einführung der Karte hat die Südkreis-VG zum einen engagierten Bürgern Besuche im Waldmohrer Freibad mit einem Nachlass von einem Euro versüßt. Wenn die nun wegen der anstehenden Sanierung für geraume wegfallen, bleibt immerhin noch ein weiteres sportliches Angebot: Auch aufs Tretbootfahren auf dem Ohmbachsee gibt es einen Preisnachlass von zwei Euro für Inhaber der Ehrenamtskarte.
Mit ihren Schwimmbad-Pfunden wuchern auch die beiden anderen Verbandsgemeinden. Die VG Lauterecken-Wolfstein gewährt 50 Prozent Nachlass für Tages-, Feierabend und sogar Jahreskarten sowohl im Rüllberg-Freibad als auch im Schwimmbad unterm Wolfsteiner Königsberg. Die VG Kusel-Altenglan macht ebenfalls Schwimmbadbesuche schmackhaft und lässt Leute mit Karte schon tagsüber zum Feierabend sowohl ins Freibad Altenglan als auch ins Vitalbad in Diedelkopf ein.
Daneben gibt’s noch Nachlässe für Museumsbesuche im Süden, im Bergmannsbauern-Museum in Breitenbach, und Abstecher unter Tage im Norden. Im Besucher-Kalkbergwerk gibt es immerhin einen halben Euro Nachlass an der Kasse.
Die Kommunen werden dadurch nicht ärmer, als sie ohne sind, den Ehrenamtlern winken keine Einsparungen in schwindelnden Höhen – dessen sei man sich nur allzu bewusst. „Es geht ja aber vor allem auch um den symbolischen Wert“, betont von daher Birger Hartnuß. Er leitet die Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung, die in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei angesiedelt ist. Hartnuß weiß aus Erfahrung, dass „viele, die sie haben, auf ihre Karte stolz sind und sie gerne in der Brieftasche mit sich führen“. Mithin werde die Karte als eine besondere Form des „Dankeschön“ durchaus geschätzt. „Die Ehrenamtskarte ist ein Erfolgsmodell“, betont Birger Hartnuß denn auch.
2014 hat das Land die Karte eingeführt, dabei auch von Erfahrungen aus anderen Bundesländern profitiert, die etwas früher dran waren. „Wir haben zu Fünft begonnen“, blickt Hartnuß auf die Anfänge zurück, als eine Handvoll Kommunen mitmachte. Inzwischen seien gut Dreiviertel aller Kreise, kreisfreien Städte und Verbandsgemeinden mit von der Partie. „Und auf die, die noch fehlen, herrscht inzwischen ein gewisser Druck.“
Die Ehrenamtskarte erhält nur, wer gewisse Kriterien erfüllt und sich regelmäßig für eine gewisse Zeit im Dienste des Allgemeinwohls einsetzt. Beantragen können solche Menschen die Karte bei den Verbandsgemeinden, sie müssen ihr Wirken allerdings vorab von der Institution bestätigten lassen, für die sie tätig sind.