Wolfstein RHEINPFALZ Plus Artikel Die Geschichte des Königsberges, der einst für seine Bodenschätze bekannt war

Seltene Darstellung des Königsbergs: Eine Postkarte aus dem Jahr 1910.
Seltene Darstellung des Königsbergs: Eine Postkarte aus dem Jahr 1910.

Ein überdimensionaler Thron und eine lange Tafel sollen künftig mehr Wanderer auf den Gipfel des Königsbergs locken. Der mächtige, bewaldete Berg verdankt seine Entstehung verschiedenen geotektonischen Prozessen und wurde im Laufe seiner Geschichte auf sehr unterschiedliche Weise genutzt.

Seinen Namen verdankt der Berg nicht seinem Aussehen, sondern er gehörte zu dem „Königsland“, das die mittelalterlichen Herrscher für sich beanspruchten. Mit seinen 568 Metern ist er einer der höchsten Berge im Kreis Kusel. Nur die „preußischen Berge“ sind noch einige Meter höher.

Seine Geschichte begann vor etwa 300 Millionen Jahren, aber nicht als Berg, sondern als Teil einer tiefen Senke zwischen Saar und Nahe. Sie füllte sich langsam durch Ablagerungen der umgebenden Gebirge, wodurch sich bis zu 10.000 Meter mächtige Sedimente bildeten. Durch Gebirgsbildungsprozesse wurden sie gefaltet und gehoben, bevor erneut gewaltige Kräfte aus dem Erdinneren magmatische Gesteine in die bestehenden Schichten pressten. Die Verwitterung der unterschiedlichen Formationen führten schließlich zur heutigen Gestalt des Berges.

In der Steinzeit ein Jagdgelände

Seine Nutzung ist eine Zeitreise durch die Epochen der Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Die frühgeschichtlichen Siedler bevorzugten die Täler, aber einige Funde aus der Steinzeit lassen vermuten, dass die Wälder auf dem Berg für die Jagd genutzt wurden. Aus der Römerzeit ist lediglich eine Höhenstraße bekannt, die den Königsberg überquerte. Ihr weiterer Verlauf nach Lauterecken ist heute noch in der Landschaft erkennbar.

Im Mittelalter lieferten die Buchen und Eichen des Mischwaldes für die umliegenden Orte Bau- und Brennholz, aber auch Eichenrinde, die man zum Gerben brauchte. Die Bauern ließen das Vieh im Wald weiden. Im Herbst, kurz bevor die Schweine geschlachtet wurden, konnte man sie dort mit Eicheln, Bucheckern oder Kastanien mästen. In Jahren, in denen wenig Heu und Stroh geerntet worden war, diente Laub als Streu für die Viehställe. Außerdem begann man, die weniger steilen Hänge zu roden und als Äcker und Wiesen zu bewirtschaften. An den Südhängen des Eulentales entstanden Weinberge.

Bodenschatz Quecksilber

Das Handwerk und Gewerbe der Neuzeit war vor allem an den Bodenschätzen interessiert, die im Berg reichlich vorhanden waren. Der Bergbau begann mit der Gewinnung von Quecksilbererzen, die zwischen 1760 und 1790 intensiv abgebaut wurden. Quecksilber war ein wichtiges Element, das man für die Gewinnung und Reinigung von Edelmetallen, für die Feuervergoldung und die Spiegelbeschichtung brauchte. Als das Quecksilber erschöpft war, entstanden neue Gruben für den Abbau von Eisen, Kupfer, Kohle oder Kalk.

Von besonderer Bedeutung war seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert der Abbau von Baryt, den man früher „Schwerspat“ nannte. Er kommt am Königsberg in mehreren „Gängen“ vor, die sich in den Spalten der magmatischen Gesteine gebildet hatten. Das wichtigste Bergbaugelände am „Hahnenkopf“ gehört heute zur Gemeinde Aschbach. Dort sind noch die Gruben und die Überreste der ehemaligen Anlage zu erkennen. Mit einer Drahtseilbahn wurde der zerkleinerte und gereinigte Schwerspat zu der etwa 1,5 km entfernten Eisenbahnstation am Wolfsteiner Tunnel transportiert. Baryt verwendete man für die Herstellung von Farben und Papier und zum Ausbalancieren des Gewichts in Schiffen und U-Booten.

Wichtiger Trinkwasserspeicher

Ein wichtiges Denkmal für die Geschichte des Bergbaus ist der Stollen „Pfälzer Mut“ im Eulental. Er war 1773 für den Abbau von Quecksilbererzen entstanden, später suchte man dort ohne großen Erfolg Baryt. Von 1937 an wurde der Abbau von Eisenerz durch die „Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring“ intensiv gefördert. Um eine wirtschaftliche Autarkie zu erreichen, wollte das Deutsche Reich alle Ressourcen nutzen. Aber der Eisengehalt der Erze war zu gering, so dass man 1941 den Abbau endgültig einstellte. Schließlich diente der Stollen jahrelang als Speicher für das Wolfsteiner Trinkwasser, bevor er vor zwei Jahren wegen Einsturzgefahr aufgegeben wurde.

Der moderne Tourismus begann am Anfang des 19. Jahrhundert, als die Romantik die Landschaft „entdeckte“. Maler und Dichter interessierten sich aber hauptsächlich für das Rheintal und die Vorderpfalz. Der Königsberg lag abseits, lediglich die beiden Burgruinen lockten die Spaziergänger, und die romantischen Künstler konnten dem düsteren Massiv wenig abgewinnen. Von Georg Philipp Schmitt (1808-73), der in Wolfstein aufwuchs, ist lediglich ein Bild bekannt, auf dem das Eulental den Hintergrund zur Stadt bildet. Erst die kolorierten Postkarten um 1900 zeigen den gesamten Königsberg. Ein Beispiel dafür ist eine Karte aus dem Jahr 1910, deren Vorzeichnung von dem Münchner Lithografen Johann Dreyschütz (1880-1959) stammt. Hier sind der Königsberg und Wolfstein aus der Vogelperspektive zu sehen.

Mühsamer Aufstieg

Es dauerte lange, bis Wolfstein und der Königsberg zu einem Ausflugsziel wurden. Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte man dort wandern, ohne vielen Menschen zu begegnen. Wegen des Höhenunterschieds von 350 Meter zwischen Tal und Gipfel waren die Aufstiege oft mühsam. Es gab auch keine Hütten, die regelmäßig bewirtschaftet wurden und zu einer Rast einluden. Eine Ausnahme war nur der Pfingstmontag, an dem die „Maikur“ stattfindet. Sie hatte sich aus dem Pfingstausflug des Kirchenchores entwickelt und lockte jedes Jahr wieder hunderte von Besuchern auf den „Schmelzerkopf“ und nach Laufhausen. Das gemeinsame Wandern und die unterwegs angebotenen Erfrischungen machen die Maikur attraktiv.

Der höchste Punkt des Königsbergs wurde lange Zeit kaum beachtet. Er wird nicht von einem malerischen Felsen mit Gipfelkreuz gebildet, von dem man eine Aussicht hat, sondern liegt mitten im Wald. Nur wenige Hinweisschilder machten früher auf ihn aufmerksam. Auch eine Schutzhütte, ein Stein mit der Höhenangabe und einige Sitzgruppen änderten daran wenig.

Rundwanderwege markiert

Aber seit einigen Jahrzehnten hat Wolfstein begonnen, die Stadt und den Berg aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. 1980 wurde die „Königsland-Jugendherberge“ am Aufstieg zum „Totenkopf“ erbaut. Nach einer umfassenden Renovierung ist sie nicht nur ein Ziel für Schulklassen, sondern bietet auch Unterkunft für Familien und für Tagungen.

An Stelle der wenigen nummerierten Wanderwege hat Wolfstein 2010 zwölf Rundwanderwege markiert, von denen acht auf dem Königsberg verlaufen. Sie haben Namen wie „Lieselruhrunde“, „Wolfsweg“, „Gipfelweg“ „Himmelsleiter“, sind auf einer eigenen Wanderkarte verzeichnet und werden dort ausführlich erklärt. Seit 2011 endet der 114 km lange Prädikatsfernwanderweg „Pfälzer Höhenweg“ am Königsberg und am benachbarten Selberg. Drei Abstiege führen nach Wolfstein, wo der „ausgezeichnete Wanderbahnhof“ Start oder Ziel der Tour ist.

Das Projekt „Heute ein König“ ist ein neuer Anlauf, um den Königsberg bekannter zu machen und seine Attraktion zu steigern. Dazu sollen der Thron und die Tafel auf dem Gipfel und eine Murmelbahn in Laufhausen beitragen. Vorgesehen sind auch weitere markierte Wanderwege, die von verschiedenen Ausgangspunkten sternförmig zum Gipfel führen. Vielleicht wird dann auch der schon seit vielen Jahren geplante geologische Lehrpfad verwirklicht.

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