Altenglan RHEINPFALZ Plus Artikel Das Gift bleibt im Schwarz-Raum

Altenglans Wehrführer Wolfgang Zander im „Schwarz-Raum“, in dem die Ausrüstung gereinigt wird.
Altenglans Wehrführer Wolfgang Zander im »Schwarz-Raum«, in dem die Ausrüstung gereinigt wird.

Brandrauch und -rückstände sorgen für ein erhöhtes Krebsrisiko bei Feuerwehrleuten. Um die Gefahr einzudämmen, hat sich die Freiwillige Feuerwehr in Altenglan Gedanken gemacht und ein sogenanntes Schwarz-Weiß-Konzept erstellt. Dabei ist ein Mehrzweckfahrzeug entstanden – ein Novum für Rheinland-Pfalz.

„Brandrauch ist lebensgefährlich. Er besteht aus bis zu 5000 Substanzen, von denen fast alle giftig sind“, erklärt Jens Werner, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan. „Der Rauch benetzt die Kleidung, das Einsatzmaterial, die Geräte, sogar die Haut der Feuerwehrleute.“ Diese Gefahr soll künftig minimiert werden.

Dazu waren unter anderem Umbauten am Feuerwehrgerätehaus notwendig, die auch mit viel Eigenleistung umgesetzt wurden. Jetzt können Atemschutzmasken oder Schläuche nach dem Einsatz in einen gesonderten Bereich des Feuerwehrhauses gebracht werden: den Schwarzbereich. Dort werden die Geräte zerlegt, gereinigt und dann durch eine Schleuse in einen weiteren Raum gebracht – den Weißbereich. Dort werden die Geräte getrocknet, wieder zusammengesetzt und geprüft. Das Gleiche passiert mit den Schläuchen. Auch für diese gibt es einen Schwarz- und einen Weißbereich.

Fahrzeug umgebaut

Die jeweiligen Bereiche sind von den Aufenthaltsräumen getrennt, so dass die Brandrückstände dort nicht hingelangen können. Wie Werner berichtet, gibt es solche Schwarz-Weiß-Bereiche auch bereits bei anderen Feuerwehren. Eine Neuerung sei aber ein Mehrzweckfahrzeug, das so umgebaut wurde, dass die Feuerwehrleute unter anderem direkt nach dem Einsatz ihre kontaminierte Bekleidung gegen frische Textilien tauschen können.

„Die Idee dazu hatten Janos Keller und ich schon im vorigen Jahr“, berichtet Gruppenführer Tobias Grill. Die beiden Feuerwehrleute stellten den Plan der Wehrleitung und der Verbandsgemeinde vor. Im Fahrzeug werden an einem kleinen Tisch zunächst die Daten der jeweiligen Person und der Ausrüstung erfasst. An einer Waschbox wäscht sich die Einsatzkraft dann die Hände und zieht Einweghandschuhe an. Danach wird eine Atemschutzmaske angelegt, um die Inhalation von Brandrauchpartikeln zu verhindern. Verschmutzte Atemschutzgeräte und Masken kommen in spezielle Behälter. Mit Feuchttüchern werden Ohren und der Nackenbereich gesäubert.

Ausgelegt für 30 Leute

Dann geht es durch eine Trennwand in den hinteren Bereich des Fahrzeugs. Dort legen die Einsatzkräfte Schuhe, Jacken und Hosen in drei verschiedene Boxen. Auf der anderen Seite des Wagens stehen drei weitere Boxen mit frischer Bekleidung bereit. Für etwas Privatsphäre kann die Trennwand geschlossen werden. Sogar einen Heizlüfter gibt es, für Einsätze in kühleren Jahreszeiten.

Rund 30 Einsatzkräfte könne man derzeit an Ort und Stelle mit frischer Kleidung versorgen. Durch diese Vorgehensweise sei gewährleistet, dass die freiwilligen Helfer keine Brandrückstände mit nach Hause nehmen. Die benutzte Kleidung wird nach Kusel gebracht, wo eine entsprechend dimensionierte Waschmaschine und ein Trockner warten. Schläuche und Atemschutzgerät werden nach Altenglan gebracht.

Novum in Rheinland-Pfalz

Rund eine halbe Stunde Vorlaufzeit benötige man, bis man mit dem Schwarz-Weiß-Fahrzeug ausrücken könne, erklärt Grill weiter. Über Funk gibt die Einsatzleitung durch, wie viele Kräfte, Schläuche und Atemschutzgeräte im Einsatz sind. In Altenglan lädt man dann die entsprechende Anzahl der jeweiligen Materialien auf – alles steht dort in Gitterboxen bereit – und fährt zur Einsatzstelle. Ist der Einsatz beendet, werden gebrauchte Materialien gegen frische Schläuche und Geräte getauscht.

„Die Fahrzeuge verlassen also die Einsatzstelle bereits wieder komplett einsatzbereit“, erklärt Wolfgang Zander, Wehrführer der Altenglaner Feuerwehr und hauptamtlicher Gerätewart. „Mit diesem Fahrzeug haben wir für ein Novum in Rheinland-Pfalz gesorgt“, fügt Jens Werner hinzu. Man habe das Projekt auch bei der Landesfeuerwehrschule vorgestellt und von dort großes Lob erhalten.

Günstiger dank Eigenleistung

Zander lobt vor allem das große Engagement, dass seine Truppe für die Umsetzung des Projekts an den Tag gelegt habe. Auch Roger Schmitt, hauptamtlicher Beigeordneter der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, zeigt sich begeistert von der innovativen Idee und spricht besonders Zander großen Dank aus. „Durch seinen Einsatz war das Projekt ein Selbstläufer“, so Schmitt. 25.000 Euro habe man für das Projekt in den Haushaltsplan 2020 eingestellt. „Dank der großen Eigenleistung blieben wir am Ende mit rund 17.000 Euro sogar unter der veranschlagten Summe“, berichtet Schmitt. Für ein solch innovatives Projekt, das zu mehr Sicherheit für die freiwilligen Helfer beitrage, sei das gut angelegtes Geld.

Der Prototyp, in dem sich die Feuerwehrleute umziehen.
Der Prototyp, in dem sich die Feuerwehrleute umziehen.
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