Kreis Kusel
Busfahrerstreik: Ärger im Schülertransport
Jennifer Thum aus Schönenberg-Kübelberg ist genervt. Ihr zwölfjähriger Sohn besucht in Kusel die Jakob-Muth-Schule – so denn die Busse fahren. „Letzte Woche war er donnerstags und freitags schon nicht in der Schule“, erzählt sie. Und für diese Woche sehe es nicht besser aus. „Dann muss er leider zu Hause bleiben“, bedauert die Mutter. Auch für ihre Tochter sei die Situation schwierig. Sie absolviere eine Ausbildung im saarländischen Neunkirchen. Die Mutter: „Ich kann ja nicht in zwei Richtungen gleichzeitig fahren.“ Nach Kusel seien es immerhin 25 bis 30 Kilometer. Und dann sei noch die Frage offen, wie die Kinder wieder heimkommen.
So wie Jennifer Thum geht es aktuell ganz vielen: Während in manchen Familien die Eltern selbst oder auch mal Großeltern und Freunde einspringen können, ist es bei den Thums zeitlich eng: „Wir sind beide berufstätig“, schildert die Mutter. Auch beide Omas arbeiteten, der eine Opa sogar im Schichtdienst, der andere sei krank und könne nicht einspringen.
Streik bis 6. Februar
Hintergrund des von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisierten landesweiten Streiks ist der Manteltarifvertrag für die Busfahrer. Die Gewerkschaft fordert unter anderem eine Bezahlung der Busfahrer auch für Standzeiten. Außerdem sollen laut Verdi Schichtlängen begrenzt werden. Betroffen sind unter anderem sämtliche Betriebe und Standorte der DB Regio Bus Mitte, die im Kreis Kusel für den Schülertransport eingesetzt wird. Landesweit sind ebenso der gesamte Überlandverkehr und der Berufspendlerverkehr beeinträchtigt.
Der Streik soll laut Verdi noch bis 6. Februar andauern. Die Kreisverwaltung Kusel informiert über einen Notfahrplan auf ihrer Internetseite. Dort finden sich auch alle Buslinien, die vom Streik betroffen sind. Es sei in den nächsten Tagen erneut mit erheblichen Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Kusel zu rechnen, sagte Kreissprecherin Karla Hagner.
Keine Taxi-Unterstützung
Der Streik stellt aktuell auch die Elternsprecherin der Jakob-Muth-Schule, Kerstin Mees, vor Herausforderungen. Zudem ärgert sich die Mutter aus Offenbach-Hundheim, dass „wieder einmal die Schwächsten betroffen“ seien. Förderschüler wie die Schüler der Jakob-Muth-Schule hätten doch besonderen Bedarf, betont sie. Bereits im vergangenen Schuljahr habe es im Sommer einen Streik gegeben, erinnert sie.
Aktuell seien an der Jakob-Muth-Schule nach ihrer Information 20 bis 25 Kinder aus dem ganzen Kreis vom Busstreik betroffen – sowohl öffentliche als auch Kleinbusse stünden nicht alle zur Verfügung. Konkret geht es um die Strecken von Waldmohr und Lauterecken nach Kusel, erläutert Mees. Dabei habe ihr Sohn noch Glück. Er könne mit seinem großen Bruder nach Kusel fahren, der den „Taxidienst“ temporär übernimmt.
„Aber die Eltern haben eben nicht alle eine solche Möglichkeit“, gibt Mees zu bedenken. Viele Schüler blieben daher aktuell einfach zu Hause. „Das ist gerade in Zeiten von Corona ärgerlich, wo der Unterricht sowieso schon auf der Kippe steht“, sagt die Elternsprecherin. Von einer anderen Mutter habe sie gehört, dass eine Taxi-Unterstützung durch die Kreisverwaltung abgelehnt wurde. Und das Land wolle ebenfalls nicht einschreiten – mit Hinweis auf die Tarifautonomie, schildert sie.
Nicht jeder ist mobil
Auch an den Schulen selbst sind Auswirkungen des Streiks deutlich zu spüren. „Die Eltern sind verunsichert“, berichtet Schulleiterin Katja Zielinski von der Realschule plus Lauterecken-Wolfstein. Einige Linien fielen aus, darunter auch die Zubringerbusse zwischen den beiden Schul-Standorten. Morgens sei einer der Busse voll, der zweite falle aus, beobachtet Zielinski. „Die Kinder müssen dann auf den Zug ausweichen und kommen statt um 7.30 Uhr anderthalb Stunden später an der Schule in Wolfstein an.“
Mittags setze sich das Problem fort. „Wenn die Busse nicht kommen, müssen wir die Eltern anrufen, damit sie die Abholung organisieren“, schildert die Schulleiterin. Bis die Abholung da sei, hätten die Kollegen die Aufsicht. Und dies könne auch schon mal länger dauern, denn nicht alle Eltern könnten sofort springen. Dennoch bescheinigt Zielinski den Eltern größte Flexibilität. „Sie sind sehr bemüht“, weiß sie. „Aber es ist nicht jeder mobil.“
Bei vielen Einzugsorten sei der Schülertransport eine Herausforderung – gerade wenn Eltern mehrere Kinder an unterschiedlichen Schulstandorten haben. „Der Busstreik wird auf Kosten von Eltern und der Schulen ausgetragen“, bemängelt Zielinski. Ähnliches berichtet auch eine Angestellte der Grundschule Waldmohr. Insbesondere sei die Linie nach Breitenbach vom Streik betroffen.