Wiesweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Balance zwischen gemütlich und stimmungsvoll: das Konzert mit The Fenians

The Fenians sangen unter anderem von einer Ehe, die nur 15 Minuten gedauert haben soll.
The Fenians sangen unter anderem von einer Ehe, die nur 15 Minuten gedauert haben soll.

Lieder von Trinkgelagen, Streitereien, Aufständen, aber auch der ganz großen Liebe: In der evangelischen Kirche in Wiesweiler klang es am Samstag ein wenig wie in einem irischen Pub, als die fünfköpfige Celtic-Folk-Band The Fenians zu Gast war.

Fulminant startete die Band aus Homburg mit dem Klassiker „Whiskey In The Jar“ – typisch irisch, vielfach von namhaften Musikern gecovert – und setzte damit eine erste Duftmarke. Als Gegenpol folgte die ergreifende Liebesgeschichte von „Grace“, deren Ehe nur 15 Minuten gedauert haben soll, weil der Mann nach einem Aufstand zum Tode verurteilt wurde.

Ausgelassene Texte und Melodien voller Lebensfreude und dann auch wieder sehr ruhige, fast schon melancholische Stücke – das macht den Irish Folk aus. Zwischen Hoch und Tief, so scheint es, kennt der Folk nichts. Doch die Musiker haben die Lieder so kombiniert, dass die Balance zwischen gemütlich und stimmungsvoll, zart und kraftvoll sowie laut und leise das Publikum, wenn es auch zu schüchtern zum Tanzen war, stets mitnahm.

An Ostern in eine IRA-Veranstaltung geraten

Etliche Male wusste Michael Germann, passend zum jeweiligen Lied, lustige Anekdoten zu erzählen. So berichtete er zum patriotischen irischen Song „God Save Ireland“, wie er und der aus Wiesweiler stammende Rudi Zöllner an Ostern in Irland einen Umzug mit Fahnen, historischen Uniformen und Musik antrafen und mal mitgelaufen seien, bis zu einem Friedhof. Dort habe sich dann herausgestellt, dass die beiden mitten in eine Veranstaltung der IRA (Irish Republican Army) geraten waren und Zöllner habe, damals im Englischen noch nicht so bewandert, beim Jubel der Iren immer brav mitgemacht. Die Polizei ließ die beiden ziehen, sei aber von den deutschen Pässen, mitten unter IRA-Leuten, erstaunt gewesen.

Von Witz schalteten die Musiker aus dem Saarland aber auch schnell wieder in Ernst um, beispielsweise bei dem sehr ergreifenden „No Man’s Land“, einem eindringlichen Anti-Kriegslied. Darin tritt der Besucher eines Friedhofs mit einem im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten in eine Art Dialog – und die Hoffnung besteht darin, dass es keine weiteren Kriege geben wird.

28 Lieder umfassendes Set

Außergewöhnlich gut harmonierten die Stimmen. Und dass die Geige auch rockig klingen kann, stellten die Experten der irischen Musik eindrucksvoll unter Beweis. Germann sang den Löwenanteil des 28 Lieder umfassenden Sets – die Bandkollegen stimmten chormäßig ein. Die Band bildete den Facettenreichtum sowohl in Melodie als auch Text ab. So scheuten sie sich auch in der Kirche nicht, Lieder zu spielen, die das Trinken verherrlichen, wie die Kombination aus „Dust And Ashes“ und „Sieben Tage lang (Was wollen wir trinken?)“ zeigte. Doch nicht nur die Musik als solche, auch die Bandmitglieder zeigten ihr breitgefächertes musikalisches Können. Christiane Seitz wechselte von Akkordeon über die Flöte zum Cello, während Bandkollegin Gabriele de Cuveland vor allem mit der Fiedel, aber auch der Flöte zu überzeugen wusste. Zöllner hatte mit Akustikgitarre, Banjo und Mandoline die Zupfinstrumente im Griff. Jürgen Welsch sorgte vor allem mit dem Kontrabass, aber auch der Fiedel für klangvolle Momente.

Auch bei Instrumentalstücken wie dem stimmungsvollen „Glass Of Beer“ oder „Brown Jug Polka“ harmonierten die Musiker, die auch mal mitten im Publikum spielten, was vor allem für Welsch mit dem Kontrabass sicher nicht ganz so leicht war. Auch ganz ohne Instrumente wusste die Band zu überzeugen: Eigentlich aus dem Programm gestrichen war die A-cappella-Version von „The Auld Triangle“, weil diese laut Germann nie so richtig hatte klappen wollen. Auf Wunsch aus dem Publikum wurde das historische Weckinstrument aus dem Dubliner Gefängnis jedoch geschmeidig mehrstimmig besungen. Die Stimmen schienen zu verschmelzen.

Ein bisschen Hektik kurz vor dem Konzert

Die Anreise der Band war nicht ganz rund gelaufen. Die Musiker nahmen aufgrund der Sperrung der B420 in Offenbach-Hundheim einen weiten Umweg und kamen weniger als eine Stunde vor Konzertbeginn an. Der Aufbau war dann stressiger, auch der Ton überzeugte das Quintett nicht direkt. Ein, zwei Einstellungen mussten noch vorgenommen werden, dann stand dem stimmungsvollen Abend in der Kirche aber nichts mehr im Wege.

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