Kreimbach-Kaulbach RHEINPFALZ Plus Artikel Backhaus Scheidt: Öfter mal was Neues bringen

Morgens um 6 Uhr kommen schon die ersten Kunden. Chefin Kathrin Scheidt hilft auch im Verkauf aus.
Morgens um 6 Uhr kommen schon die ersten Kunden. Chefin Kathrin Scheidt hilft auch im Verkauf aus.

In fünfter Generation führt Sascha Scheidt nun die Traditionsbäckerei seiner Familie. Für ihn heißt Tradition allerdings nicht Stillstand. Man müsse öfters mal was Neues bringen, sagt er. Das hat er kürzlich auch getan.

„Heinerle“ ist die neueste Brötchenkreation von Sascha Scheidt. In seinem Backhaus in Kreimbach-Kaulbach gibt es das Dinkelbrötchen noch nicht lange. „Wir sind noch in der Experimentierphase“, sagt der Bäckermeister, der die Familientradition in fünfter Generation fortführt.

Die Schwierigkeit beim „Heinerle“ sei es, eine gleichbleibende Qualität zu liefern. Bei diesem Roggen-Dinkel-Brötchen sei die Mixtur der Knackpunkt, Dinkel zu verarbeiten sei nicht so einfach, zumal in dieser Kombination, sagt Scheidt. Dass er es sich viel einfacher machen könnte, indem er Zusatzstoffe verwende, merkt er an. Aber das vereinbare sich nicht mit seinem Berufsethos. „Die Zutaten müssen einfach stimmen. Ich verzichte auf jegliche Chemie und lege Wert auf eine lange Teigführung“, betont Scheidt. Das gilt nicht nur für das „Heinerle“, dessen Name in Anlehnung an den Bäckerei-Gründer Heinrich Scheidt gewählt wurde – 1898 war das –, sondern auch für die anderen Erzeugnisse. Beispielsweise die „Michel“-Brötchen. Deren Name leitet sich ab von dem Spitznamen „Michelbäcker“, wie seine Vorfahren im Ort genannt worden seien, erzählt Sascha Scheidt.

Zutaten aus der Region

Die „Michel“-Brötchen gibt es nicht in allen 15 Filialen, die Scheidt beliefert, sondern nur in den fünf größeren, in denen auch ein Backofen vorhanden ist. Dort werden sie dann je nach Bedarf vor den Kunden fortlaufend frisch gebacken. Auch hier: Eine „extrem lange Teigführung“ sei für dieses Produkt aus Weizenmehl und Gries ebenfalls kennzeichnend, verdeutlicht der Firmenchef und gewährt einen Blick in die Gärschränke, in denen die Teiglinge über viele Stunden bei etwa zwei Grad Celsius langsam reifen. Gute Grundzutaten und ursprüngliches Handwerk sind für Scheidt essenziell. Dafür sind die Produkte aber auch teurer als bei manchen Konkurrenten auf dem Markt. Entscheidend für Scheidt ist allerdings die Qualität: „Als Handwerks-Bäcker kann ich nur mit hochwertigen Produkten überzeugen. Dafür brauche ich beste Zutaten und Zeit, und deshalb kostet es auch mehr. Qualität geht billig nicht.“

Scheidt kauft seine Zutaten üblicherweise bei Lieferanten aus der Region, weil das wegen der kurzen Wege ökologisch sei und der lokalen Wirtschaft diene. Umweltbewusstsein spielt für Scheidt eine Rolle. Eine Fotovoltaikanlage hat er installiert, die etwa ein Drittel des Stromes produziert, den die Bäckerei verbraucht. Im Sommer komme noch ein Elektroauto hinzu, um die 15 Filialen zu beliefern. Fünf Fahrzeuge steuern täglich die Filialen an. Im Nebenerwerb betreibt er noch Landwirtschaft. Er baut den Roggen für seine Bäckerei selbst an. Mahlen lässt er das Korn von der Mühle in Gumbsweiler. Dass er die Arbeit in der Landwirtschaft tagsüber als willkommenen Ausgleich sieht, obwohl er nachts in der Backstube steht, findet er normal. Er mache seine Arbeit eben mit Begeisterung, sagt er lächelnd.

Und das gilt offensichtlich auch für Ehefrau Kathrin, die als Managerin den Betrieb am Laufen hält. Sie ist verantwortlich für das Verkaufspersonal, die Fahrer, die Tourenplanung, die Dienstpläne und Kundenanfragen. Ein Fulltime-Job in dem Familienbetrieb mit insgesamt 85 Mitarbeitern. Seit 1999 macht sie das mit Leidenschaft. Bis dahin hat sie als Fachangestellte für Arbeitsförderung beim Arbeitsamt in Kaiserslautern gearbeitet: „Aber das war nicht mein Ding“, sagt sie.

Nach einer grundlegenden Renovierung im März 2020 haben die Scheidts ihren Hauptladen in Kreimbach-Kaulbach nach einem Jahr erneut modernisiert. Ein Schau-Backofen und ein Steinbackofen sind hinzugekommen. Hier werden moderne Technik und altes Handwerk zusammengeführt. Samstags gebe es daher neuerdings auch Dampfnudeln nach dem Rezept seiner Großmutter, sagt Sascha Scheidt. Das komme gut an.

Dass die Corona-Pandemie nicht spurlos am Backhaus Scheidt vorbeigegangen ist, will der Chef nicht verhehlen. Keine Beerdigungen, keine Belieferungen von Cafés und Hotels, keine Kerwen, all das habe schon zu Umsatzeinbußen geführt. Aber Scheidt will nicht klagen. Andererseits sei der Umsatz an den Autos, die in den Orten zum Kunden fahren, gestiegen.

Nächste Generation schon da

30 Jahre ist der hoch dekorierte Bäckermeister mittlerweile im Geschäft. Mehrere Auszeichnungen hat er schon in jungen Jahren errungen: Mit Titeln wie Rheinland-Pfalz-Meister, Bundessieger und Europameister kann er sich schmücken. 2017 hat er das Geschäft von seinem Vater übernommen. Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Der Sohn der Scheidts befindet sich im zweiten Lehrjahr – im Bäckerhandwerk natürlich. Er könnte dann einmal die Familientradition in sechster Generation fortsetzen.

„Michel“-Brötchen werden je nach Bedarf fortlaufend im Laden gebacken.
»Michel«-Brötchen werden je nach Bedarf fortlaufend im Laden gebacken.
Nachschub für den Backofen: Dafür sorgen Leonie Scheidt und Kathrin Scheidt.
Nachschub für den Backofen: Dafür sorgen Leonie Scheidt und Kathrin Scheidt.
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