Kusel
Babyboomer-Befragung: Mit der Wohnsituation zufrieden, mit Freizeitangeboten weniger
Wissenschaftler der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau präsentierten am Mittwoch in Kusel erste Ergebnisse einer Befragung von 3000 Personen im Alter von 50 bis 75 Jahren. Themen der Fragebögen waren Wohnen, Dienstleistungen, Freizeit, Gesundheit, Mobilität und Digitalisierung.
Knapp 700 Personen beantworteten den Fragebogen. Mit diesem Rücklauf von 24 Prozent zeigte sich Annette Spellerberg, Leiterin des TU-Fachgebietes Stadtsoziologe, zufrieden. Die Erhebung aus dem vergangenen September ist ein Baustein in dem Forschungsprojekt „Ageing Smart“, das von der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert wird.
Damit sollen Kommunalpolitikern Entscheidungshilfen an die Hand gegeben werden, wenn es um künftige Raumplanung und Infrastruktur geht. Neben der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan gehören Jena und das Geisar Land in Thüringen, die Gemeinde Remshalden bei Stuttgart, die Verbandsgemeinde Nieder-Olm sowie die Städte Kaiserslautern und Mannheim zu den Modellkommunen.
Auffallend hohe Eigentumsquote
Von allen in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan befragten 50- bis 75-Jährigen ist den Angaben der Wissenschaftler zufolge jeder Zweite bereits in Ruhestand. Von den Babyboomern der Jahrgänge 1955 bis 1969 sind gut zwei Drittel noch berufstätig. Jeder vierte Befragte hat Abitur, 58 Prozent geben an, sie seien mit ihrer Gesundheit zufrieden. Das monatliche Haushaltseinkommen von 1363 Euro pro Kopf sei relativ niedrig, sagt Stadtplanerin Spellerberg. Die Quote der Besserverdienenden sei in anderen Modellkommunen höher.
Als Freizeitaktivitäten nennen die Befragten neben Familienbesuchen Kurzreisen, Sportevents, Kino- und Konzertbesuche sowie Aktivitäten im Freundeskreis. Zur Wohnsituation ergibt die Befragung, dass 60 Prozent seit der Geburt in der Verbandsgemeinde leben. Für einen Zuzug sind Erwerb von Wohneigentum, Zusammenleben mit Partner und berufliche Gründe die meistgenannten Motive.
Als auffällig hoch wertet Spellerberg die Eigentumsquote und die Zufriedenheit mit der Wohnsituation. 88 Prozent der Befragten sind Eigentümer von Haus oder Wohnung, 80 Prozent geben an, mit der Wohnsituation rundum zufrieden zu sein. Ein gutes Drittel der befragten Wohnungseigentümer findet die Wohnung zu groß. Von den Befragten sagen 74 Prozent, sie hätten keine Umzugspläne. Knapp ein Drittel der befragten Babyboomer kann sich einen Umzug vorstellen, konkrete Pläne haben lediglich fünf Prozent.
Mit Freizeitangeboten weniger zufrieden
Bei den Wohnwünschen im Alter werden an erster Stelle „Selbständig in einem Haus oder einer Wohnung“ genannt. Jeder Vierte kann sich vorstellen, in einem Wohnprojekt mit eigener Wohnung zu leben, für nahezu 20 Prozent ist betreutes Wohnen und für 14 Prozent eine Wohngemeinschaft denkbar.
Weniger zufrieden zeigen sich die Befragten mit der Wohngegend und mit Freizeitangeboten in Kusel-Altenglan. Am schlechtesten schneidet dabei die Gastronomie ab. Auch der Zustand von Gebäuden und Plätzen, Anbindung an Bus und Bahn, ärztliche Versorgung, Freizeit- und Einkaufsgelegenheiten sowie Barrierefreiheit ist aus Sicht von mehr als der Hälfte ungenügend.
Nur fünf Prozent der Befragten gibt an, dass sie bei einem Wegzug das kulturelle Angebot vermissen würden. Auch das Gastronomie-Angebot und das Lebensgefühl in der Verbandsgemeinde würden nicht übermäßig vermisst.
Das Interesse an der Präsentation der Ergebnisse war sehr begrenzt. Verbandsbürgermeister Stefan Spitzer begrüßte etwa zwei Dutzend Besucher, darunter eine Handvoll Ortsbürgermeister und Kommunalpolitiker. Stadtplanerin Spellerberg kündigte an, dass noch ein ausführlicher Tabellenband zur Situation der Babyboomer in Kusel-Altenglan folgen wird. Ergebnisse für die Stadt Kaiserslautern werden im April im Stadtrat vorgestellt.