Kreimbach-Kaulbach RHEINPFALZ Plus Artikel Abschluss als Jahrgangsbester: Robin Scheidt ist fürs Bäckerhandwerk geboren

Robin Scheidt hat seine Bäckerlehre als bester der Innung Westpfalz abgeschlossen.
Robin Scheidt hat seine Bäckerlehre als bester der Innung Westpfalz abgeschlossen.

Das Bäckerhandwerk gehört zu jenen, die besonders um Nachwuchskräfte ringen. Robin Scheidt hat sich für den Beruf entschieden, den schon seine Vorfahren ausgeübt haben – obwohl das gar nicht so sehr im Sinne des Vaters war. In dessen prämierten Fußstapfen ist der 19-Jährige nun unterwegs.

„Bis jetzt hab’ ich’s noch keinen Tag bereut, das Gymnasium nach der Mittleren Reife verlassen zu haben“, sagt Robin Scheidt. „Ganz im Gegenteil: Mein Beruf macht mir jeden Tag mehr Spaß.“ Die Noten, mit denen der 19-Jährige im Frühjahr nach zweieinhalb Jahren als Azubi und damit um ein halbes Jahr früher als seine Jahrgangskollegen seine Gesellenprüfung abgelegt hat, bestätigen auf beeindruckende Weise die Lust am und das Talent fürs Handwerk: auf den praktischen Teil gab’s eine glatte Eins, die Theorie schloss Scheidt mit einer Zwei ab. Damit wurde er Jahrgangsbester in seinem Handwerk in der Westpfalz.

Ein Blick auf die Ahnentafel des Kreimbach-Kaulbachers lässt stark vermuten, dass Begeisterung und Talent für seinen Beruf im Blut liegen. Sascha Scheidt ist der Ur-Ur-Ur-Enkel von Heinrich Scheidt, der 1898 in Kreimbach-Kaulbach eine Bäckerei eröffnete. Heute wird der Betrieb von Sascha Scheidt in fünfter Generation geführt – und um die Fortführung der Familientradition in sechster Generation muss man sich in der Lautertalgemeinde offensichtlich keine Sorgen machen.

Überzeugt vom Handwerk

„Eigentlich war es meinem Vater anfangs gar nicht so recht, dass ich in seine Fußstapfen treten wollte“, erzählt der frischgebackene Bäckergeselle. Abitur, Studium und eine Arbeit, in der man sein Geld leichter verdient als im Bäckerhandwerk, seien die Wünsche des Vaters für seinen Sohn gewesen. Allerdings, gesteht Robin Scheidt ein, hatte er keine große Lust auf die Schule und schon gar nicht auf ein Studium.

„Ich war in der Schule schon ziemlich faul und hab so gut wie nie gelernt. Ich hab einfach keinen Sinn dahinter gesehen, etwas zu lernen, was ich höchstwahrscheinlich für den Rest meines Lebens nicht mehr gebrauchen kann“, sagt er. Grundlegend geändert habe sich das Interesse am Lernen allerdings während der Ausbildung, die Robin Scheidt in einer Handwerksbäckerei im Kreis Kaiserslautern absolviert hat. „Wenn ich in der Berufsschule etwas über die Teigtemperatur und ihre Auswirkungen gelernt haben, dann konnte ich das am nächsten Tag in die Praxis umsetzen. Ich wusste, für was ich die Theorie brauche“, schildert Robin Scheidt.

Von Lehrern bestärkt

Hinzu kam, dass die Lehrer an der Berufsschule „einfach klasse“ gewesen seien. „Sie haben mich auch darin bestärkt, meine Abschlussprüfung ein halbes Jahr vorzuziehen, was wegen der Mittleren Reife möglich war“, berichtet er. Allerdings habe er sich so den Unterrichtsstoff des fehlenden halben Jahrs im Selbststudium beibringen müssen.

„Heute ist mein Vater froh und auch Stolz darauf, dass ich mich für seinen Beruf entschieden habe.“ Und das nicht nur, weil damit das Lebenswerk von fünf Generationen Scheidts in der Backstube fortgesetzt wurde, sondern auch, weil Sohn Robin an die beruflichen Erfolge seines Vaters Sascha anknüpft, der in seinen jungen Jahren Titel wie Rheinland-Pfalz-Meister oder Bundessieger in seinem Handwerk errang.

Stationen in Südtirol, Salzburg und nun Düsseldorf

Aktuell bereitet sich Robin Scheidt auf den Kammerentscheid vor, der unter den Westpfälzer Bäckergesellen in Kaiserslautern ausgetragen wird. „Mit einer Zwei kann ich mich für den Wettbewerb auf Landesebene qualifizieren, danach folgt der Bundesentscheid“, berichtet Scheidt, der recht zuversichtlich ist, die erste Runde zu packen.

In dem halben Jahr nach der vorgezogenen Gesellenprüfung hat der engagierte Jungbäcker aus Kreimbach-Kaulbach erste überregionale und auch internationale Erfahrungen sammeln können: „Ich war im Frühjahr für zwei Monate bei einer Bäckerei in Südtirol, die den Titel Besten Bäckerei Italiens trägt. Danach war ich einen Monat im Hotel Sacher in Salzburg und danach als Kontrastprogramm, und um auch das einmal kennenzulernen, einen Monat in einer Großbäckerei in Süddeutschland“, berichtet Scheidt von seinen Stationen. Auch nach dem Kammerentscheid will er weiter auswärts Erfahrungen sammeln und wird im Oktober und im November bei einer Bäckerei in Düsseldorf arbeiten, die zu den Besten in Deutschland zählt.

Meisterbrief im Visier

„Im Dezember werde ich wieder in Kreimbach-Kaulbach sein um mitzuarbeiten, denn beim Weihnachtsgeschäft brennt hier schon die Hütte“, weiß der junge Bäcker aus Erfahrung. Der Zwischenstopp in seiner Heimat wird allerdings nur von kurzer Dauer sein, denn ab Januar kommenden Jahres wird Robin Scheidt die Deutsche Meisterschule für das Bäckerhandwerk in Weinheim besuchen – und auch hier folgt er einer Familientradition, haben doch bereits sein Vater und sein Großvater ihre Meisterbriefe an der renommierte Bundesakademie erworben.

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