Kusel „Zur Not gibt’s Regencapes“

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Ein kühler Morgen in Altenglan. Das Thermometer zeigt gerade mal sieben Grad Celsius an. Ziemlich frisch für eine luftige Fahrt auf einer Draisine. Ernst Schmitz hat sie kurz vor 9 Uhr startklar gemacht für die heutige Tour: Betriebsausflug nach St. Julian und zurück. Am Bahnhof Altenglan wartet er auf die angemeldete Gruppe aus Schwetzingen.

„Für die Damen habe ich Handschuhe mitgebracht“, ruft Schmitz, während er aus seiner Tasche weiße Arbeitshandschuhe holt. Der 72-Jährige aus Baumholder fährt seit vier Jahren jede Saison zwölf bis 15 Touren mit der Handhebeldraisine. Die Arbeit ist ehrenamtlich. Heute hat sich ein Betrieb aus Schwetzingen angekündigt. Zehn Mitarbeiter der Retourenabteilung des Sporthändlers Decathlon sind dafür anderthalb Stunden mit dem Auto angereist. Ein bis zwei mal im Jahr unternimmt die Abteilung gemeinsam eine sportliche Aktivität. „Wir wollten das im September machen, aber haben es nicht eher geschafft“, erzählt Carmen Brixner. Sie hatte die Idee für den Ausflug, weil sie mit ihrer Familie bereits hier war. Obwohl es kalt ist, sind die Ausflügler gut gelaunt. Brixners Arbeitskollegin Petra Carpenter trotzt den Temperaturen: „Wir hätten es auch bei Schneefall gemacht“, sagt sie, während sie den Hebel an der Draisine bedient. Warm wird denen, die auf der Fahrt hebeln, ohnehin: Anders als die Fahrraddraisinen muss dieses Gefährt mit bloßer Armkraft angetrieben werden. Vier Personen können gleichzeitig an den Hebeln arbeiten, bis zu 13 passen auf die gesamte Draisine. Bis nach St. Julian geht die Fahrt, dort gibt es eine 45-minütige Pause und anschließend wieder zurück. „Die Handhebeldraisine fährt diesen Weg, damit sie mit dem normalen Draisinenbetrieb nicht in Konflikt gerät“, sagt Philipp Gruber, der bei der Kreisverwaltung für die Draisinen zuständig ist. Während die Fahrraddraisinen im Herbst weniger beliebt seien als im Sommer, zeige sich bei der per Handhebel betriebenen Variante eine konstante Beliebtheit, sagt Gruber. Dass gerade Herbstferien sind, mache sich bemerkbar: „In den vergangenen Tagen hatten wir werktags mehr Spontanfahrten als sonst.“ Mit insgesamt 9000 Fahrten in dieser Saison wurde die Attraktion seltener genutzt als im Vorjahr. „Wir hatten ein sehr verregnetes Frühjahr“, erklärt Gruber die Zahlen. Wer seine Fahrt schon lange im Voraus gebucht hat und kurz vor dem Termin mit einer schlechten Wetterprognose konfrontiert wird, der kann einen Umbuchungsservice für 2,90 Euro nutzen und seine Buchung um zwei oder drei Tage verschieben. Zur Not gebe es Regencapes, sagt Gruber. Beim Decathlon-Betriebsausflug bleibt das Wetter zum Glück stabil. Ernst Schmitz passt auf, dass niemand zu Schaden kommt. „Die Draisine schafft bis zu 18 Stundenkilometer“, daher sei es wichtig, vor den Bahnübergängen rechtzeitig zu bremsen – die Schranken stehen hier schließlich auf den Gleisen, nicht auf der Straße. Und so sieht das in der Praxis aus: Das Team bremst vor dem Bahnübergang ab, zwei Leute, in diesem Fall Florin Plesa und Susanne Duma, springen vom Gefährt. Einer öffnet die vordere Schranke und die zweite Person die hintere, während die Kollegen auf der Draisine wieder beschleunigen. Schwieriger ist es für die beiden Schrankenwärter, auf die fahrende Draisine im Lauf wieder aufzuspringen. „Das sieht aus wie bei Alarm für Cobra elf“, ruft jemand aus der Gruppe dem aufspringenden Plesa zu. Das Team lacht, der Betriebsausflug kommt offensichtlich gut an. „Es gibt immer noch das Vorurteil, dass die Leute keine Draisinen mehr kriegen, wenn sie zu uns kommen“, erzählt Philipp Gruber. Dem sei nicht mehr so: „Wir haben unseren Fuhrpark erweitert.“ Er verzeichnet einen allgemeinen Trend zu immer kurzfristigeren Buchungen. „Wichtig ist, auch wenn die Leute spontan kommen, dass sie vorher anrufen und nachfragen, wo was frei ist.“ Insgesamt stehen 86 Fahrraddraisinen, acht Konferenz-, drei Elektrokonferenzdraisinen sowie die Handhebel- und die Planwagendraisine zur Verfügung. Barrierefreie Modelle gibt es ebenfalls. Im Sommer könne es an Wochenenden zwar vorkommen, dass alles ausgebucht ist, im Regelfall sei aber immer etwas frei. Einige Gäste – wie die Schwetzinger – nehmen lange Anfahrtswege in Kauf. Im Gedächtnis geblieben ist Schmitz eine Gruppe Heidelberger Studenten: „Da waren sogar südkoreanische und indische Studenten dabei.“ |hest

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