Kusel Nur der Stargast lässt sich nicht blicken
Welch ein Pech: Die Wolken gaben den Blick zum Mond nicht frei anlässlich der Sonderveranstaltung zum Tag der Astronomie am Samstagnachmittag im Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg. Präsent war der Erdtrabant aber dennoch – naturwissenschaftlich ebenso wie kunsthistorisch.
An fast jeder Ecke im Sonnensystem genauso wie im gesamten Universum schwirren Monde um ihre Hausherren herum wie Motten ums Licht. Und doch: Dieser Mond, der eine, der unsere, der am Samstag rund 390.000 Kilometer entfernt von Burg Lichtenberg am Himmel seiner Bahn Richtung Vollmondphase folgte – wie er das anfangs noch nicht ganz perfekt, im Grundsatz aber schon seit 4,5 Milliarden Jahren tut –, dieser Mond sei schon etwas Besonderes, sagt Martin Bertges. Nicht nur, weil er ziemlich groß und bei allem Staub kein unförmiger Brocken, sondern eine Kugel ist; und weil kein anderer Himmelskörper (mit Ausnahme der Sonne) von der Erde aus so flächenhaft wahrgenommen werden kann; und auch weil nur wenige Gesteinsplaneten (so einer ist die Erde) es überhaupt geschafft haben, einen Begleiter dauerhaft an sich zu binden: Nein, der Mond ist auch der einzige Himmelskörper, der je vom Menschen betreten wurde. Es war jener kleiner Schritt für Neil Armstrong, jener große für die Menschheit im Sommer ’69, der in Martin Bertges, damals noch ein Bub, die Begeisterung für die Sternenkunde weckte. Heute fasziniert ihn die erste Mondlandung noch immer – und davon profitiert das naturwissenschaftlich interessierte Publikum in der Westpfalz. Bertges, 53 Jahre alt, wohnhaft am Potzberg und hauptberuflich Vermessungstechniker, leitet den Arbeitskreis Astronomie am Urweltmuseum und hat in dieser Funktion zum dritten Mal in Folge das Programm zum Tag der Astronomie organisiert. Der Aktionstag findet immer im Frühjahr bundesweit auf Anregung des Vereins Vereinigung der Sternenfreunde statt, das Rahmenthema wird vorgegeben. Die Aspekte der über dreistündigen Veranstaltung waren so vielfältig wie die Bedeutung, die der Mond im Laufe der Geschichte für die Erde wie für ihre Lebewesen hatte. Humorvolle Aphorismen ließen die Gäste schmunzeln und Fakten über den Mond staunen. Der Schlafmediziner Norbert Stasche vom Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern zeigte die Auswirkungen, die nächtliches Licht auf die innere Uhr des Menschen hat, wobei die Lichtleistung selbst des Vollmondes nur einen Bruchteil jener des Kunstlichts von Handydisplay über Fernsehbildschirm bis zu Innen- und Außenbeleuchtung ausmache. Geoskop-Leiter Sebastian Voigt erläuterte, wie, wo und warum sich Jahrmillionen alte Gezeitenströme noch heute im Gestein ablesen lassen und erklärte auch, welche Rolle der Mond im Gezeitengeschehen spielt. „Jeder kennt den Mond, aber viele alltägliche Dinge über ihn sind gar nicht so bekannt“, sagt Bertges. Zumindest die Kinder und Erwachsenen, die am Samstag im Seminarraum des Museums dem Programm folgten, wissen nun aber, dass die Sonne auch seine Rückseite erreicht, er uns wegen der an die Rotation der Erde gebundenen eigenen Rotation stets nur ein Gesicht zeigt und öfter sowie in der Neumondphase immer am besten bei Tag zu beobachten ist. Beobachten hatten Gastgeber und Besucher den Mond am Samstag auch wollen. Doch weil die Wolkendecke nicht aufriss, blieb es beim Modell, vier Zentimeter im Durchmesser und aus Holz. Mit dieser Kugel, einer Erde aus Kunststoff und einer Fotolampe als Sonne veranschaulichte Bertges, was es mit den Mondphasen und Mondfinsternissen auf sich hat – nicht ganz einfach nachzuvollziehen bei all den geneigten Achsen, elliptischen Bahnen und mehr oder weniger schnellen Rotationen. Gut, dass das Publikum bei so viel geballter Theorie auch einfach mal vom Mond träumen konnte. Die passenden entspannenden Harfenklänge lieferte Kathrin Hirschelmann. (kgi) Info Am Samstag, 2. April, 15 bis 20 Uhr, findet im Geoskop ein Workshop „Mein Teleskop und ich – Tipps und Tricks zum praktischen Einsatz“ statt. Ab zehn Jahre, Teilnahme kostenfrei (www.urweltmuseum-geoskop.de; Rubrik Veranstaltungen).