Kusel Nebenbei bemerkt...:

Zur Wasserburg in Reipoltskirchen fährt man nicht eben mal so. Sie liegt fern der üblichen Verkehrswege. Wer dort essen möchte, nimmt den Weg bewusst auf sich. Wer dann dort vor verschlossener Tür steht, wie in jüngster Zeit des öfteren der Fall, der kommt so schnell nicht wieder. Und wer das erlebt hat, der erzählt es weiter. Dass das nicht das Image einer Einrichtung fördert, die der Landkreis neben seinem Leuchtturm Burg Lichtenberg auch auf der Wasserburg etablieren wollte – nämlich eine gehobene Gastronomie in ehrwürdigen Burgmauern –, das ist offensichtlich. Es ist vielmehr so, dass der Ruf inzwischen erheblich gelitten hat. Seit dem Rückzug von Timo Kauf ist der Gastronomie auf der Wasserburg in Reipoltskirchen keine gute Zukunft mehr beschieden. Nach Kauf ist die Gastronomie im alten Gemäuer nicht mehr auf die Beine gekommen. Nun droht auch der dritte Pächter nach Kaufs Weggang an der Wasserburg zu scheitern. Seit April 2014 unternimmt Jochen Conrath den Versuch, neben gut-bürgerlicher auch eine gehobene Küche auf der Wasserburg auf die Beine zu stellen. Gut ein Jahr später sieht alles danach aus, als ob auch Conrath hinschmeißt. Die offizielle Sprachregelung, derer sich der Landkreis als Eigentümer und Verpächter sowie Conrath bedienen, lautet auf „Erkrankung des Pächters“. Das alleine wäre schlimm genug, weil es eine Existenz bedroht. Aber es scheint mehr dahinter zu stecken, sonst hätte Conrath nicht gegen Vorgänger Zoar gewettert. Für solch eine Attacke kann nicht Gesundheit der Auslöser sein. Es muss auch etwas Finanzielles dahinterstecken. Möglicherweise war Conrath nicht klar, welche Folgen die Übernahme der Wasserburg für ihn hat. Als neuer Pächter sind im Rahmen eines Betriebsüberganges die personellen Verpflichtungen auf ihn übertragen worden. Er musste die Mitarbeiter übernehmen und durfte für mindestens ein Jahr keine Kündigung aussprechen. Conraths Kritik an Zoar, es habe seinen Mitarbeitern nicht ordnungsgemäß gekündigt, wirkt so, als ob er überhaupt nicht im Bilde über die rechtlichen Konsequenzen dieses Betriebsübergangs war. Möglicherweise hat er gedacht, nur einen Pachtvertrag zu unterschreiben. War er so verliebt in die Burg, dass er bei Vertragsabschluss alle Konsequenzen ausgeblendet hat? Hatte er keinen Berater? Und der Landkreis? Ging es ihm nicht schnell genug, nach zwei Pleiten mit den Pächtern einen neuen zu präsentieren? Mit dem schlichten Verweis auf den Betriebsübergang nimmt sich Zoar aus der Conrathschen Schusslinie. Der Kreis als Burgherr lässt lapidar verlauten, an einer Lösung zu arbeiten. Das klingt nicht wirklich nach einer Lösung. Aber natürlich muss er nach einem Ausweg suchen. Es ist seine Burg.