Kusel Die Nase ins Kraut

Thallichtenberg. Vom Fuße des Lichtenbergs an aufwärts parken schon vereinzelt Autos. Den steilen Berg hoch zur Burg müssen wohl oder übel einige Gäste bewältigen, denn die Parkplätze in unmittelbarer Nähe sind voll. Doch für den gestrigen Burgfrühling auf Burg Lichtenberg lohnt sich die Mühe. Gerade mit den Kindern und Enkeln lassen sich auf der Burg etliche schöne Stunden verbringen. Dabei weckt das Angebot die Neugierde aller Besucher.
Forschen, Basteln, Lernen: Nicht nur die Jüngsten unter den Besuchern des Burgfrühlings auf Burg Lichtenberg entdecken hier spielend ihren Forschertrieb. Auch die Eltern und Großeltern lernen im großen Kräutergarten den Namen des einen heilsamen oder schmackhaften Krauts, der ansonsten einfach nicht hängen bleiben möchte. Durch die Tore der Burg hindurch, den Weg Richtung Unterburg entlang – hier steht der siebenjährige Manuel Schmid aus der Nähe von Stuttgart an der Mauer und bearbeitet seinen neuen Schatzbeutel. Das Leder musste Manuel zuerst zuschneiden. An den Rändern des runden Stücks muss Manuel mit Hammer und Stanzwerkzeug nun Löcher fabrizieren. Schwester Melina ist mit der Arbeit etwas weiter und fädelt bereits das Lederband durch die selbstgemachten Löscher. Sie zieht an den Enden des Bandes – das Werk ist vollbracht, die mittelalterliche Geldbörse fertig. Kräuter, Äpfel, Brot, das Insektenhotel der Kinder und ein Buch. Die Mitbringsel aus dem Kurzurlaub der Stuttgarter Familie seien schon im Auto verstaut, erklärt Mutter Katrin Schmid. Noch eine Runde drehen, noch einmal durch eines der Mikroskope schauen, dann endet der Kurzurlaub – „aus Zufall mit einem Highlight“, wie Katrin Schmid sagt. Den Berg hinunter, am Kräutergarten vorbei, in der Unterburg angekommen, zeigt sich schmackhaftes Grün in allen Ecken. Die Dixieland Jazzer bewegen ein letztes Mal die Gäste, die sich vor der Bühne tummeln. Schon fast am Ende des Rundgangs ist Bernhard Freidel aus Dörsdorf im Saarland. Wegen des Ambientes, des Flairs sei er heute mit der Gattin angereist. Tatsächlich im Garten gezogene Tomaten und Kräuter tragen sie bei sich. „Diese seien wesentlich robuster als die Pflänzchen aus dem Gewächshaus“, sagt Freidel. Noch einmal möchte er sich die Fossilien aus der Region im Urweltmuseum anschauen, dann geht’s nach Hause. In der Zwischenzeit sind die Warteschlangen vor den kulinarischen Ständen gewachsen. Einige Gäste entscheiden sich fürs frische Obst. Nach dem Gang durch die Unterburg gibt ein Vater-Sohn-Gespann ein kleines Konzert an den Klangsteinen. Gleich gegenüber basteln einige Kinder an ihrem Insektenhotel: Sie bohren Löcher in Holzstämme oder arrangieren Schilfrohre und Rinden in kleinen Häuschen oder Eimern. Etwas Abkühlung von der Wärme der Sonne verspricht ein Rundgang durch das Urweltmuseum. Gleich am Eingang posieren zwei Kinder im Gebiss des Megalodon. Im riesenhafte Maul des Hais würden neben den beiden noch weitere Kinder einen Platz finden. In der Zehntscheune rauchen die Forscher-Köpfe. „Das sind komische Formen“, sagt Maximilian aus Haschbach. So viele Stacheln und Dellen seien am Panzer des großen Hirschkäfers. Auch die Augen seines jüngeren Bruders Jonatan kleben noch am Mikroskop in der Forschungswerkstatt. Er kniet auf dem Stuhl und betrachtet konzentriert Federn, Insekten und Pflanzen. Papa Manuel Stöbener ist von der Ausdauer des Schützlings beeindruckt. Ansonsten eher unruhig, verbringe er schon mehr als zehn Minuten still kniend vorm Mikroskop. Gerade für die Kinder sei das Angebot auf der Burg einfach toll, sagt Stöbener. Mit Papa wandern sei oft langweilig. „Hier können sie etwas erleben, und auch Papa kann noch etwas lernen“, sagt Stöbener. Wollen die Kinder später noch einen Steckbrief des Lieblingsinsektes anfertigen, kann der Aufenthalt in der Zehntscheune länger dauern. „Kein unnötiger Stress“ ist heute die Devise von Manuel Stöbener – Maximilian und Jonatan haben so viel Zeit, wie sie brauchen. Beeilen muss sich heute niemand. Die Gäste des Burgfrühlings flanieren: hier am Kraut zupfen oder dort die Nase drin vergraben. Ein Accessoire kaufen oder der Musik lauschen. Am Burgfrühling fand gestern jeder Gast das entsprechende Angebot.