Kusel Bei der Premiere sogar die eigene Jacke „verscherbelt“

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Der zweite Morgen im neuen Jahr kommt irgendwie schon gebraucht daher: Nässe von oben, Feuchtigkeit scheint von überall her gekrochen zu kommen. Macht’s Spaß? „Nö. Heute nicht“, räumt Gabriele Matheis gerne ein. „Aber im Sommer ist’s hier klasse.“ Im Sommer kann jeder auf den Flohmarkt gehen. Die Jahrespremiere des Markts in Homburg allerdings, die ist eher was für Hartgesottene. Zu jenen zählt sich die Frau aus Rohrbach – seit nunmehr einem Vierteljahrhundert.

„Im Frühling feiern wir silbernes Jubiläum“, ruft Christel Schmeer, die direkt gegenüber hinter ihren Auslagen steht. Gabi Matheis war die exakte Zahl der Jahre nicht mehr so ganz geläufig – „schon sehr, sehr lange“. Ihre Freundin ist praktisch zur selben Stunde vom Flohmarkt-Virus infiziert worden. Seither stehen sie am Platz zwischen Forum und altem Stadtbad in der Saarpfalz-Kreisstadt. Dort, wo der beliebte und ansehnlich große Flohmarkt – im Jahreskalender allmonatlich am ersten Samstag angekreuzt – auch so kurz nach dem Jahreswechsel kein Päuschen einlegt. Viel los ist nicht an diesem ersten Samstag 2016. „Um eins pack’ ich ein“, sagt die Rohrbacherin, die gerade am Stand ihres Nachbarn „Vertretung“ sitzt. Es ist der Stammplatz von Peter Frank aus Contwig, der wenig später wieder um die Ecke biegt. Ehrensache, dass die Standbetreiber auf die Ware der anderen aufpassen, wenn mal einer kurz weg muss. Kaum zurück, kommt Kundschaft: Eine alte Frau mit Rollwägelchen hat die hölzerne Spielzeugeisenbahn entdeckt. Na, das wär’ doch was für den Enkelsohn. Schnell sind sich die Parteien handelseinig, sorgsam versenkt die Dame das Bähnlein in ihrer Stofftasche. Die Frau ist Flohmarkt-Stammkundin, ist bei Frank schon öfter fündig geworden, wie der Contwiger sagt. Man kennt sich eben: „Das Schöne hier ist, dass es familiär zugeht“, bestätigt Christel Schmeer. Ungezählte Male hört man an diesem Morgen auch gute Neujahrswünsche. Der Andrang ist überschaubar, also bleibt den Anbietern Zeit genug für einen Plausch zwischendurch. Am Stand gegenüber hat Christel Schmeer gerade Besuch bekommen. Elisabeth Lelle aus Zweibrücken hat ebenfalls alles Gute fürs neue Jahr gewünscht, schaut jetzt zu, wie eine Kundin die Kleidung auf dem Ständer mustert. „Bei Kik wär das ja günstiger zu kriegen“, meint die stöbernde junge Frau. Zu bedauern ist eine Frau, die keinen großen Schirm, kein schützendes Zeltdach über ihrer Ware hat. Triefnass ist alles, zum Glück handelt es sich im Wesentlichen um Geschirr. Die empfindlicheren Sachen bei der Frau aus St. Ingbert sind geschützt. Christel Schmeer selbst ist gut eingepackt. „Na ja, richtig kalt ist anders. Es war hier schon so kalt, da ist der Kaffee in der Tasse eingefroren“, erzählt sie von einem arktisch anmutenden Markttag, an den sich auch ihre Kollegin erinnert. Beide haben gemeinsam losgelegt, damals, zu Ostern 1991. Es sollte ein Versuch sein – und der geriet zum umwerfenden Erfolg. „Wir sind alle alles losgeworden“, blickt Gabi Matheis zurück. „Sogar unsere Jacken“. „Stimmt“, bestätigt die Freundin: „Die hingen da am Stand, es kamen Leute, die wollten auch die Kleider noch haben.“ Die Flohmarkt-Novizinnen ließen sich auf den Handel ein, gingen ohne Jacke, aber glücklich über den so rundherum gelungenen Start nach Hause. Seither sind sie vom Virus gepackt. Ein paar Meter weiter interessiert sich eine Amerikanerin für eine Pelzjacke. Welches Tier? Da muss auch der Besitzer passen. „Keine Ahnung“, gibt er zu. Aber kleidsam sei sie, sagt er – und hält einen Spiegel hoch, auf dass sich die Kundin überzeuge. Für solchen Service ist immer Zeit.

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