Kreis Kaiserslautern Zwei Weltkriege schadlos überstanden
Sie hat mehrere Kriege unbeschadet überstanden, lediglich ihr Klöppel wurde 2001 erneuert: Eine der beiden Glocken in der Rohrbacher Kirche, die auch von Gläubigen aus Mehlingen-Baalborn besucht wird, feiert in diesem Jahr ihren 500. Geburtstag. Ob sie auch schon so lange im Gotteshaus hängt, ist nicht bekannt. Die kleine Kirche auf der Anhöhe hat aber noch weitere Besonderheiten zu bieten.
Peter Schwalb, der zweite Vorsitzende des Presbyteriums der protestantischen Kirchengemeinde Wartenberg-Rohrbach-Baalborn, hat so seine Zweifel: „Ich denke nicht, dass das der Platz ist, an dem sie 1515 hingehängt worden ist.“ Schwalb, der sich intensiv mit der Geschichte der Rohrbacher Kirche beschäftigt, vermutet eher, dass sie einmal an einem anderen Platz, wahrscheinlich in einem anderen Turm hing. „Ich finde aber nirgends etwas.“ Dass eine 400 Kilogramm schwere Glocke 500 Jahre unbeschadet übersteht, ohne in einem Krieg beispielsweise zu einer Kanone umgegossen worden zu sein, ist eine Seltenheit. Dieses Schicksal hat übrigens die zweite, 415 Jahre alte Glocke, die im Rohrbacher Kirchturm hängt, ereilt. Als sie 300 Jahre auf dem Buckel hatte, wurde sie zu einer Kanone umgeschmolzen, später wieder zurück in eine Glocke. Das gleiche Spiel dann noch einmal während des Zweiten Weltkrieges. Warum die andere Glocke von all dem verschont blieb – Peter Schwalb weiß es nicht. Er steht hier oben im Kirchturm, blickt auf das gute Stück. Durch das kleine Fenster hat man zudem einen wunderbaren Blick in die Landschaft. Schwalb überlegt, wie das hier wohl damals war, als französische Truppen etwa durch Wartenberg-Rohrbach zogen. Dass Conrad Colbe von Wartenberg die Glocke gestiftet hat, ist bekannt. Wer sie gegossen hat, dagegen nicht. In der Glocke selbst wurde nur der Stifter verewigt, nicht aber der Gießer. Es ist nicht das einzige Geheimnis, das es in der 1135 erstmals erwähnten Rohrbacher Kirche gibt. Da sind beispielsweise die rund 900 Jahre alten Fresken in dem Gotteshaus, das gerade erst einen neuen Anstrich erhalten hat. Dadurch kommen die Wandbemalungen wieder besser zur Geltung. Wer diese farbenfrohen Bilder gemalt hat, ist ebenfalls nicht bekannt. Die Fresken wurden irgendwann übermalt und sind – wie es eben so ist – in Vergessenheit geraten. Schicht über Schicht wurde über die Fresken gemalt, geputzt und gekalkt. Sogar Türen und Fenster wurden herausgebrochen und anschließend wieder zugemauert. 1857 wurden die Fresken zwar wieder unter einem purpurfarbenen Untergrund entdeckt, aber nicht weiter beachtet. Erst mehr als 100 Jahre später entdeckte der damalige Pfarrer Heldmann diese Malereien. Im März 1968 beschloss das Presbyterium, die Kirche zu restaurieren. Mit Lupe und Skalpell machte sich 1972 ein Restaurator aus Herxheim daran, die Fresken freizulegen. Übereinanderliegende Farb-, Putz- und Kalkschichten wurden entfernt. Eine mühevolle Arbeit, die ein Jahr lang dauerte, wie Schwalb berichtet. So können die Besucher der Kirche unter anderem die Arche Noah bei starkem Wellengang sehen. Das Boot ist einem Wikingerschiff mit einem Hausaufbau inklusive Ziegeldach nachempfunden. Zu erkennen ist auch eine Freske, auf der der Tod Mariens dargestellt ist – mit sechs um ihr Totenbett versammelte Aposteln. Darüber sind Reste eines Apostelkreuzes erhalten, links davon ist eine Kreuzigungsgruppe zu sehen. Durch den Einbau eines Portals, das später wieder zugemauert wurde, ist dieses Bild jedoch weitgehend zerstört. Rechts der Apostelgruppe ist eine spätgotische Malerei – Erzengel Gabriel, der in seiner rechten Hand die Seelenwaage hält. In der linken Schale sitzt der Teufel und in der rechten liegt das Herz eines Verstorbenen, so Schwalb. Auf der Südwand ist eine Gruppe von zehn Frauen zu erkennen, alle blicken nach Osten und sind unterschiedlich gekleidet. Auffällig sind die verschiedenen Kopfbedeckungen. „Das Tragen einer Kopfbedeckung war von Kirche und Gesellschaft für verheiratete Frauen als Zeichen der Ehrbarkeit vorgeschrieben“, weiß Schwalb. Was ihm dagegen Rätsel aufgibt, ist ein kleines, rechteckiges Loch in der Kirchenwand. „Möglich, dass darin der Kelch aufbewahrt wurde. Dafür ist das Loch aber eigentlich zu klein.“ Eine andere Variante für den Presbyter: „Leute mit Krankheiten wie Lepra durften nicht in die Kirche. In vielen Kirchen gab es ein Loch, wo sie von außen zuhören konnten und die Sakramente erhalten haben.“ Dagegen spreche jedoch, dass das Loch von der Außenseite her zugemauert ist. Es gibt also noch so einige Geheimnisse in der Rohrbacher Kirche, denen Peter Schwalb weiterhin auf den Grund gehen will. „Für mich ist das faszinierend“, sagt er. Am Sonntag, 13. September, wird aber erst einmal gefeiert. Der 500. Geburtstag der Glocke steht an. Zweifelsohne ein besonderes Jubiläum. (ssl) Info Der Festgottesdienst „500 Jahre Glocke in der Rohrbacher Kirche“ wird am morgigen Sonntag, 13. September, 10 Uhr, mit dem ehemaligen Kirchenpräsidenten Eberhard Cherdron gefeiert. Anschließend Empfang vor der Kirche.