Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie hart der Streik im Nahverkehr Familien mit Kindern trifft

Wie kommen die Kinder aus den Kreisgemeinden in die oft weit entfernten Schulen, wenn die Busse streiken? Diese Frage treibt der
Wie kommen die Kinder aus den Kreisgemeinden in die oft weit entfernten Schulen, wenn die Busse streiken? Diese Frage treibt derzeit viele Eltern mächtig um.

Der erneute Busfahrerstreik trifft Familien hart – besonders auf dem Land, wo die Wege zu den weiterführenden Schulen oft weit sind: „Wir können uns nicht wehren, müssen das irgendwie neben unserem eigenen Beruf gestemmt kriegen“, bringt es eine vierfache Mutter aus Trippstadt auf den Punkt.

Auch ohne Streik der Busfahrer ist das Leben von Ulrike Eschbach schon durchgetaktet bis zum Letzten: Sie selbst arbeitet Teilzeit an der Universität Kaiserslautern, ihr Arbeitstag beginnt um sieben Uhr. Daneben hat die Trippstadterin, die im Ortsteil Langensohl wohnt, vier Kinder im Alter von sieben, zehn, 14 und 16 Jahren, die es zu versorgen gilt. Nun da die Busse nicht fahren, muss Ulrike Eschbach zusätzlich selbst dafür sorgen, dass alle vier pünktlich zur Schule kommen. Irgendwie. „Das ist ein Spagat und organisatorischer Kraftakt“, sagt sie. Denn die älteren Kinder besuchen weiterführende Schulen in Kaiserslautern, der Jüngste geht in die drei Kilometer entfernte Trippstadter Wilenstein-Grundschule. „Im Sommer können die Älteren mit dem Rad fahren und der Kleine kann den Weg zur Not zu Fuß bewältigen. Aber jetzt im Winter bei der morgendlichen Dunkelheit ist mir das zu gefährlich.“

Fahrdienste kurzfristig organisieren

Als am Mittwochabend bekannt gegeben wird, dass die Busfahrer am Donnerstag erneut die Arbeit niederlegen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, greift Ulrike Eschbach daher sogleich zum Handy. „Zum Glück haben wir inzwischen eine Eltern-WhatsApp-Gruppe, in der wir versuchen, uns gegenseitig mit Fahrdiensten zu unterstützen.“ So konnte sie für ihre drei Großen eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt organisieren – „nicht so einfach, denn da braucht es bei drei Mitfahrern ja ein großes Auto“. Und den Kleinen brachte schließlich ein Nachbar in die Wilenstein-Grundschule.

Dass die Streiks stets sehr kurzfristig angekündigt werden, sei für berufstätige Eltern ein großes Problem. „Und man muss das auch gleich mitgekriegt haben, dass wieder ein Streik beginnt“, gibt sie zu bedenken. Andernfalls könne es vorkommen, dass Grundschüler allein an der Bushaltestelle zurückbleiben, während die Eltern schon auf der Arbeit sind. „Beim letzten Streik im Herbst hab ich mal gesehen, dass ein kleines Mädchen bei uns im Ort wie lange an der Haltestelle stand“, berichtet sie und fügt an: „Natürlich hab ich versucht, mich zu kümmern.“

„Kinder sind die großen Verlierer“

Die Eltern bekämen die Situation durch Netzwerke zwar immer wieder „irgendwie geregelt“, aber der Stress sei groß und die Nerven lägen blank. „Wir hatten als Familien schon so viele Belastungen durch Corona. Jetzt haben wir die vierte Welle und das kommt noch obendrauf“, fühlt sich Ulrike Eschbach „bei jeder neuen Streikwelle immer wieder als Spielball“ im Streit zwischen den Arbeitgebern im privaten Busgewerbe und der Gewerkschaft Verdi, die versucht, mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten. „Ich bin gar nicht parteiisch. Ich kann die Not der Busfahrer verstehen“, sagt sie. „Aber die Familien, die Kinder sind die großen Verlierer in diesem Spiel.“

Das sieht auch Eva Maurer so: „Der erneute Streik ist für uns berufstätige Eltern der Super-Gau!“, schimpft die Trippstadterin, die ein Kind in der örtlichen Grundschule, eines auf dem Albert-Schweitzer-Gymnasium hat und selbst im Hertelsbrunnerring in Kaiserslautern arbeitet. „Die Kinder sollen um 8 Uhr in der Schule sein. Zur selben Zeit ist auch mein Arbeitsbeginn. Dies alles auf die Reihe zu bekommen, ist der Wahnsinn“, klagt die Mutter, die auch nicht aufs Homeoffice ausweichen kann. Die beiden Tage bis zum Wochenende habe sie überbrücken können. „Aber wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht.“

Maurer und Eschbach hoffen nun auf ein baldiges Streikende: „Hoffentlich kriegen sich die Konfliktparteien bald ein und gehen in die Schlichtung! Das Schlimmste wäre, wenn der Streik bis 6. Februar andauern würde“, sagt die vierfache Mutter.

Welche Orte am Donnerstag bestreikt wurden

Welche Orte neben Trippstadt zum Auftakt der Arbeitsniederlegung noch von den Streiks betroffen waren, konnten am Donnerstag übrigens weder Verdi noch die DB Regio oder die Kreisverwaltung sagen. Erst am Abend teilte die Kreisverwaltung „nach mühsamen Recherchen“ mit, dass folgende Linien der DB Regio Bus GmbH bestreikt wurden: in der Verbandsgemeinde (VG) Otterbach-Otterberg die Linien 130, 131, 133 und 134, im Raum Hochspeyer die Linie 135, in der VG Enkenbach-Alsenborn die Linien 136 und 137, in der VG Landstuhl/VG Bruchmühlbach-Miesau die Linien 160, 161, 170, 171, 172, 173, 174, 175 und die 178 von Landstuhl über Queidersbach und Stelzenberg nach Trippstadt. „Auf diesen Linien fahren auch Subunternehmen der DB Regio Bus GmbH“, teilt die Kreisverwaltung weiter mit. „Die Subunternehmer streiken aktuell noch nicht, weshalb einige Fahrten durchaus stattfinden können.“ Eine genauere Differenzierung sei seitens der Kreisverwaltung nicht möglich. „Zudem besteht keine Sicherheit darüber, ob nicht auch einzelne Fahrer von Subunternehmen streiken.“

„Die Lage kann sich von Tag zu Tag ändern.“

Am Donnerstag noch nicht von der Arbeitsniederlegung betroffen waren die Linien der Regionalbus Westpfalz GmbH, die vor allem die Verbandsgemeinden Weilerbach und Ramstein-Miesenbach sowie angrenzende Orte anfahren. „Es gibt aber keine Gewähr dafür, dass sich dies am Freitag oder in den kommenden Tagen auch so darstellt“, so die Kreisverwaltung, die betont, dass auch sie nicht informiert werde. „Die Lage könnte sich von Tag zu Tag verändern. Dies auch vor dem Hintergrund, dass es in der Vergangenheit Blockaden auf den Betriebshöfen gab.“

Die Bushaltestellen in Trippstadt wurden am Donnerstagmorgen nicht angefahren.
Die Bushaltestellen in Trippstadt wurden am Donnerstagmorgen nicht angefahren.
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