Enkenbach-Alsenborn
Warum ein Bauer mit Agroforst neue alte Wege einschlägt
Kartoffeln, Ackerbohnen, Erbsen, Weizen und jede Menge Gemüse wächst, je nach Jahreszeit, auf den Feldern und in den Gewächshäusern von Peter Klug, der in Enkenbach-Alsenborn einen Landwirtschaftsbetrieb mit Hofladen am Neuwoog unterhält. Ein bisschen anders geht es hier schon immer zu. Sei es die Kartoffelernte, die teils von Kindern begleitet wird, sei es der in die Jahre gekommene Fuhrpark („Mein jüngster Traktor auf dem Hof ist 32 Jahre alt!“) oder die bunte Tomatenvielfalt im Sommer. Derzeit läuft zudem die Umstellung auf Bio. Nächstes Jahr im Juli zählt der Hof offiziell als Biolandbetrieb.
Nun geht Peter Klug einen weiteren Schritt, er setzt auf Agroforst. Sein Betrieb pflanzt Obstbäume und Sträucher auf und zu den Gemüseflächen. „Damit wollen wir Heckenstrukturen schaffen, um das Wasser länger im Boden zu halten und Rückzugsorte für Vögel, Insekten und Kleintiere zu schaffen“, erläutert Sabine Krause, eine Hofmitarbeiterin, die das Thema Agroforst auf dem Hof angestoßen hat und nun auch voranbringt. Dabei werden mehrjährige Gehölze zusammen mit Ackerbau, Gemüsebau oder Viehhaltung kultiviert. Die Bäume und Sträucher liefern dabei Früchte, Holz, Futter oder Unterschlupf für Nutztiere. Wesentlicher Faktor ist allerdings: Die Bäume sorgen für eine Vielfalt von Lebensräumen und deren Vernetzung, zudem stehen sie für mikroklimatische Bedingungen, die Temperaturextreme ausgleichen. Sie binden Kohlenstoff, halten Nährstoffe im Kreislauf und wirken gegen Wind- und Bodenerosion.
Auf zwei Etagen verteilt
Bei Peter Klug wächst nun also im nächsten Frühjahr Gemüse neben den Obstbäumen. Die knappe Ressource Boden wird somit auf zwei Etagen verteilt. „Die Bäume stehen im Abstand von 12 Metern, das Gemüsebeet dazwischen ist neun Meter breit“, geht Klug ins Detail. Das sei eigentlich nicht neu. Früher habe es überall eine Hecken- und Baumstruktur im Ackerland gegeben. Nur wurde das nicht Agroforst genannt. Weder Pfirsich noch Aprikose sind wahrscheinlich früher weniger in der Westpfalz gewachsen. Jetzt schon. Durch das veränderte Klima sieht Klug die Chance, auch solches Obst zu ernten und hat es zusammen mit Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen und Renekloden gepflanzt. Maronen gibt es außerdem, und Sträucher wie die Kornelkirsche sind nun auch in der Erde.
Kunden und Unterstützer des Hofes haben über eine Crowdfunding-Aktion den Kauf der 20 Gehölze, die jetzt gemeinsam gepflanzt wurden, finanziert. Es sind nicht die ersten. 2021 wurden im Gemüsebeet schon einmal 20 Bäume und Sträucher gepflanzt. Das erste Obst hofft Peter Klug in drei bis fünf Jahren in seinem Laden verkaufen zu können, wobei ein Teil der Früchte selbstverständlich an die Unterstützer gehe, wie er sagt. Den ersten Bäumen will er demnächst ein wenig unter die „Äste greifen“ und sie gut mit Kuhmist versorgen. Die Pflanzen strecken ihre Wurzeln in „geimpfte“ Erde. „Wir haben den Boden mit Mykorrhiza versorgt“, hat der Bauer in seinem gemüsebeetigen Agroforst nichts dem Zufall überlassen. Mykorrhiza heißt übersetzt Pilzwurzel. Im Boden verbindet sich das Pilzgeflecht mit den Feinwurzeln der Bäume. „Das ist ein Geben und Nehmen“, erklärt Klug, dass der Pilz den Bäumen Wasser liefert, an das die Baumwurzeln gar nicht selbst herankommen würden. Im Gegenzug erhält der Pilz Zucker vom Baum. Der Pilz wird auf den Zucker aber wohl noch bis zum nächsten Frühjahr warten müssen, bis die ersten Blätter kommen. In der Natur wird halt nur geliefert, was gerade verfügbar ist, und so gibt es im Hofladen von Peter Klug gerade auch nur die Wintersalate Endivien oder Zuckerhut, die neben dem Wintergemüse Grünkohl oder Rosenkohl in der Auslage liegen.