Weilerbach
US-Hospital: Wann es mit den Bauarbeiten endlich losgeht
Eigentlich sollten sich im „Rhine Ordnance Barracks Medical Center Replacement“ (ROB MCR) schon 2022 die Türen für die Patienten öffnen. Doch der Neubau des Militärkrankenhauses, das dereinst das seit 1953 bestehende Regional Medical Center auf dem Landstuhler Kirchberg sowie eine kleinere Klinik auf der Air Base ersetzen soll, ist ein Mammutprojekt, dessen Fertigstellung sich von Jahr zu Jahr immer weiter nach hinten verschiebt. Wurde im Februar vergangenen Jahres noch der Sommer 2026 als Termin angegeben, rückt das Ganze nun nach Angaben des Landes erneut um ein Jahr nach hinten – auf Ende 2027. Was sind die Gründe? Die RHEINPFALZ hat beim Mainzer Amt für Bundesbau (ABB), das die Fachaufsicht über das Mega-Vorhaben hat, nachgefragt.
„Das Beste aus zwei Welten“
„Die Planung eines Krankenhauses, das sowohl deutsche als auch US-amerikanische Vorschriften berücksichtigt, ist sehr komplex und erforderte mehrere Überarbeitungen des Entwurfs, um Konflikte mit den Vorschriften vor der Bauvergabe zu lösen und künftig eine moderne Einrichtung zu schaffen, die das Beste aus beiden Welten vereint“, antwortet ABB-Sprecherin Ellen Kugler. So habe beispielsweise ein unabhängiger Hygieneexperte fachkundig alle Abstimmungsprozesse mit dem Gesundheitsamt begleitet. „Bedeutende und zeitrelevante Planänderungen wurden notwendig, um Aspekte von Antiterror-, Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsanforderungen zu berücksichtigen, bevor die Baugenehmigung erteilt werden konnte.“
Was ist auf der Baustelle, die dem Osttor der Ramsteiner Air Base gegenüberliegt, im vergangenen Jahr passiert? Ist es wie geplant gelungen, die Infrastruktur fertigzustellen? „Ja“, sagt Kugler. Die Erschließungsarbeiten für das Klinikum seien weitestgehend abgeschlossen: Die Zufahrtsstraßen inklusive Turbokreisel sowie die Anbindung des neuen gemeinsamen Einlasskontrollpunkts für das neue Osttor der Air Base und für das US-Hospital sind fertig, die US-Streitkräfte müssten den Kontrollpunkt nur noch einrichten und die Betriebsabläufe testen. Die Inbetriebnahme sei für Ende des Monats geplant.
Vergabeverfahren ist abgeschlossen
„Auch im Bereich des Klinikovals werden bis Ende des ersten Quartals 2022 alle Infrastrukturarbeiten abgeschlossen sein“, berichtet Kugler. Gearbeitet werde derzeit an der Trinkwasser- und Löschwasserversorgung. Außerdem fänden Vermessungsarbeiten statt. In den neuen Zugangskontrollpunkt, eine Brücke, die Ver- und Entsorgungseinrichtungen sowie die Straßen wurden in den vergangenen Jahren laut ABB bereits 180 Millionen Euro investiert.
Aber wann geht es denn nun mit dem eigentlichen Krankenhausneubau los? „Der Aushub der Baugrube im Klinikareal ist für Herbst 2022 geplant“, gibt die ABB-Sprecherin Auskunft. Das Vergabeverfahren sei abgeschlossen: Der Bauauftrag für das Klinikgebäude ging für 859 Millionen Euro an einen Generalunternehmer – die Arbeitsgemeinschaft Züblin und Gilbane. Vergeben hat den Auftrag die Bundesbauverwaltung, die das Vorhaben für die US-Streitkräfte als Bauherrin umsetzt, im Einverständnis mit dem US-Army Corps of Engineers und der US-Defense Health Agency als spätere Betreiberin der Klinik.
Joint Venture für Klinikbau
Der in Stuttgart ansässige Bauriese Züblin arbeite mit dem amerikanischen Unternehmen Gilbane zusammen, um mithilfe dieses Partners das Know-how für den richtigen Umgang mit US-Regularien in der Planung und Bauausführung zu erlangen. „Durch dieses Joint Venture werden sowohl die deutschen als auch die amerikanischen Anforderungen an das Projekt umgesetzt“, erläutert Kugler.
Züblin hat nach ihren Angaben bereits mit der Ausführungsplanung als Grundlage für den Klinikneubau begonnen. Nun würden „zeitnah vorbereitende Maßnahmen für die Einrichtung der Baustelle ergriffen, damit die Baucontainer der US-Streitkräfte und von Züblin/Gilbane errichtet werden können“, berichtet die ABB-Sprecherin, was nun als Nächstes ansteht.
Kommen dann auch hiesige Handwerksfirmen zum Zuge? „Züblin/Gilbane treten als Generalunternehmer gemeinsam auf. Hierbei wird Züblin viele Bauaktivitäten mit der eigenen Firmenkompetenz durchführen“, antwortet Ellen Kugler. Für Arbeiten, die Züblin nicht mit eigenen Fachleuten bewerkstelligen könne, würden aber weitere Baufirmen beauftragt. „Es ist sinnvoll und oft effizient, die hiesige Bauwirtschaft einzubinden.“
Fertigstellungstermin: November 2027
Zu den beauftragten Unternehmen erhielt der Steinwendener CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Klein, der in puncto US-Hospital-Neubau eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt hat, folgende Aussage: Neben dem Joint Venture Züblin/Gilbane für die Klinik selbst sei die Firma Peter Gross „mit allen Infrastrukturteilprojekten“ beauftragt worden. „Daneben gibt es eine Vielzahl von Kleinaufträgen an Unternehmen, die aus Übersichtlichkeitsgründen nicht aufgeführt werden. Es handelt sich hierbei um Aufträge zur Umsetzung der Auflagen aus den umweltrechtlichen Genehmigungen sowie um Aufträge zur Sicherung des Baugeländes.“ Folgende Büros hätten den Auftrag zur Planung bekommen: Die Infrastruktur übernahm die ARGE ATI bestehend aus Obermeyer Gebäudeplanung GmbH & Co. KG und Obermeyer Infrastruktur GmbH & Co. KG, schreibt das Ministerium, die Klinikplanung ging an das Joint Venture HDR Inc. und HDR GmbH.
„Ich denke, es war zwar absehbar, dass der Auftrag an große Generalunternehmer vergeben wird. Trotzdem ist es ernüchternd, wenn man es so schwarz auf weiß liest“, kommentiert Marcus Klein die Aussagen zur Auftragsvergabe. Obermeyer habe eine Niederlassung in Kaiserslautern. Ansonsten lese er in der Antwort des Ministeriums „wenig von Firmen aus der Region“. „Ich hoffe darauf, dass der ein oder andere Betrieb noch von den Generalunternehmen eingesetzt wird. Dazu werden wahrscheinlich Arbeitskräfte aus der Region kommen. Aber auch das wird man sehen.“
Als Fertigstellungstermin nennt das Mainzer Finanzministerium übrigens November 2027. Dies sei mit Züblin/Gilbane vertraglich so vereinbart worden.
Wenn die Klinik erst einmal steht, ist sie das größte US-Krankenhaus außerhalb der USA und Anlaufstelle für rund 200.000 US-Soldaten, zivile Angehörige des Verteidigungsministeriums sowie anderer Behörden und deren Familien, so der ABB. Zudem ist das Krankenhaus die zentrale Behandlungs- und Evakuierungsmöglichkeit für verwundete US-Militärangehörige, Zivilisten sowie externe Mitarbeiter, die in Zentral- und Südwestasien, Europa und Afrika arbeiten. Das Weilerbacher US-Hospital soll mit seinen neun Operationssälen sowie 120 Untersuchungsräumen „eine entscheidende medizinische Infrastruktur zur Unterstützung von sieben US-Truppenverbänden“ bieten.
Nach seiner Fertigstellung werden in dem Klinikneubau 2500 Menschen arbeiten.
