Ramstein-Miesenbach
Straßen, Namen, Straßennamen: Ramstein erinnert an August Süßdorf
Mit der Veröffentlichung von Namenslisten – heute ein Fall für Datenschützer – wollte die Kurverwaltung den Badegästen zu Prominenz verhelfen. In seiner pfälzischen Heimat war August Süßdorf ohnehin ein bekannter Mann: als Fabrikbesitzer und Kommunalpolitiker mit einer politisch reinen Weste, wie sie nach Kriegsende nicht unbedingt verbreitet war.
Immerhin wurde er mit dem Ende der Nazi-Diktatur von den Alliierten als Bürgermeister von Ramstein eingesetzt. Die Familie Süßdorf war führende Repräsentantin der heimischen Textilindustrie, deren Stellenwert schon damals ein halbes Jahrhundert zurückreichte.
Der Verkaufsschlager: „Rabenmarke“-Hemden
Der Homburger Färbersohn Jakob Süßdorf mietete 1878 eine Mühle auf der Oberschernau. Dort gründete er eine Buntweberei, die er später um einen Spinnereibetrieb erweiterte. Dieses Unternehmen ging an seinen 1891 geborenen Sohn August Eugen Süßdorf über, der es mit seinem Schwager Karl Groß leitete. „Beide“, so heißt es in der Ramstein-Chronik von Heinz Feth, „führten das Werk durch die schweren Erschütterungen beider Weltkriege mit nachfolgenden Geldentwertungen, durch Wirtschaftskrisen und politische Fährnisse.“
Unter dem Namen August Süßdorf & Cie firmierten schließlich eine Baumwollspinnerei, Weberei, Färberei und Kämmerei, deren „Rabenmarke“-Hemden zum Verkaufsschlager wurden. In den besten Zeiten arbeiteten 250 Menschen in der Fabrik, der Jahresausstoß lag bei drei Millionen Wäschestücken. Neben dieser Firma etablierte sich ab 1906 die Ernst-Süßdorf-GmbH, zu der sich 1922 die Kleiderfabrik Franz Westrich gesellte.
Ende der Tradition in den 1980er Jahren
Durch diese drei Großbetriebe wandelte sich Ramstein vom reinen Bauerndorf zur Arbeitergemeinde. Dennoch ging der Absatz angesichts der internationalen Konkurrenz zurück. Die ruhmreiche Tradition endete in den 1980er Jahren mit der Schließung des Westrich-Werks.
August Süßdorf hat den Niedergang der Ramsteiner Stoffindustrie nicht mehr erlebt, er starb 1959 im Alter von 67 Jahren. Sein Wohnhaus steht noch heute, die Fabrikgebäude sind der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Sie befanden sich auf dem Gelände des heutigen Edeka-Supermarkts im Stadtkern von Ramstein. 2017 erinnerte das Museum im Westrich an die Geschichte der örtlichen Textilindustrie.