KREIS KAISERSLAUTERN / LOHNSFELD RHEINPFALZ Plus Artikel Störche aus „Strom-Eiern“

Glücklich vereint: die beiden Storchen-Babys, deren Eier die Stromschläge in einem Nest bei Lohnsfeld offenbar unbeschadet übers
Glücklich vereint: die beiden Storchen-Babys, deren Eier die Stromschläge in einem Nest bei Lohnsfeld offenbar unbeschadet überstanden haben. Karsten Tide von der Wildtierhilfe Kaiserslautern fungierte als »Hebamme« und übernimmt in den ersten Tagen die Fütterung.

Rauch, Flammen, eine spektakuläre Rettungsaktion und – so wie es aussieht – ein Happy End für zwei Storchenküken. Die Eier, aus denen sie bei der Wildtierhilfe Kaiserslautern geschlüpft sind, wurden aus einem Nest geholt, das unter Strom stand.

Mehrere Kurzschlüsse hatten in der ersten Maiwoche ein Nest, das ein Storchenpaar auf einem 20-KV-Mast am Lohnsfelder Ortsrand im Donnersbergkreis errichtet hatten, vorübergehend unter Strom gesetzt. Ob dieser auch die fünf abgelegten Eier erwischt hatte, war zunächst unklar. Diese hatten Kletterspezialisten der Winnweilerer VG-Feuerwehr aus luftiger Höhe gerettet und Karsten Tide von der Wildtierhilfe Kaiserslautern übergeben. Der Gründer und Betreiber der Wildtierhilfe hat die Eier bei 38 Grad Wärme sowie 60 bis 70 Prozent Luftfeuchtigkeit in einen Inkubator – einen Brutkasten – gelegt. Von den fünf Eiern, hat Tide beim Durchleuchten festgestellt, waren zwei jedoch nicht befruchtet.

Der Wildtierexperte selbst war jedoch eher skeptisch, dass der Storchen-Nachwuchs bei einer zugrundeliegenden Spannung von bis zu 20.000 Volt unversehrt geblieben ist: „Ich habe auf Videos der Feuerwehr gesehen, dass der Strom direkt unter dem Nest gewesen ist.“ Dieses war offenbar mit einer blanken Leitung in Kontakt gekommen – der starke Regen an diesem Tag hatte zudem die Leitfähigkeit des Nistmaterials stark erhöht. Es kam zur Bildung von sogenannten Lichtbögen, die auf den Vogelhorst übersprangen. Er sei deshalb schon „erstaunt“ gewesen, als nun am Wochenende der erste Mini-Storch das Licht der Welt erblickt hat: „Chapeau!“

Am Mittwoch erblickt Storch Nummer zwei das Licht der Welt

Das „Anpicken“ sei am Samstag erfolgt, da habe das Baby die Schale durchbrochen. Anschließend dauerte es aber fast noch zwei Tage, ehe es das Kleine ganz nach draußen geschafft hat. „Es bleibt noch im Inkubator, vermutlich zieht es dann in die Wärmebox um und wird dann auch zum ersten Mal gefüttert“, erläuterte Tide. Am Mittwoch erblickte dann das zweite Storchenbaby das Licht der Welt. Im Laufe des Dienstags hatte das Küken ein Loch in die Schale gepickt. „Nachts um eins hatte ich nochmal nachgesehen, da war noch nichts. Als ich am Morgen aufgestanden bin, war es dann da“, berichtet Tide.

Er habe die beiden Jungen inzwischen aus dem Brutkasten geholt und in eine Wärmebox gelegt, so der Ersatz-Papa weiter. Zudem sei das Ältere, von der RHEINPFALZ „Volti“ getauft, erstmals gefüttert worden: Ein Video zeigt, dass es Leckereien wie Heimchen (Hausgrillen) oder Larven mit großem Appetit verschlungen hat. Sein Geschwisterchen hat sich derweil an den oder die Große(n) gekuschelt – die Geschlechter sind bei Störchen ohnehin und erst recht in diesem Alter schwer zu unterscheiden – und erholt sich noch ein wenig von der anstrengenden Geburt. Nun ist Tide gespannt, ob auch das dritte von ihm behütete Ei einen Jungvogel in die Welt entlässt. Läuft weiter alles gut, sollen die Jungen möglichst bald in die Storchenscheune im südpfälzischen Bornheim gebracht werden. In der vom Verein „Aktion Pfalzstorch“ betriebenen Einrichtung werden unter anderem flugunfähige, kranke oder verletzte Störche versorgt.

Geplant ist, den Nachwuchs dort sogenannten Ammeneltern unterzuschieben und von ihnen aufziehen zu lassen – ehe sie sich im Herbst mit Artgenossen auf den Weg in den Süden machen. Vielleicht fliegen dann auch einige andere Neugeborene der aktuell zehn in und um Lohnsfeld nistenden Paare mit.

Auf unserer Internetseite www.rheinpfalz.de sind die beiden kleinen Störche im Video zu sehen. Scannen Sie dazu einfach den nebenstehenden QR-Code mit der Kamerafunktion Ihres Mobiltelefons.

Am Wochenende hat der Jungstorch das Ei angepickt und dann die Schale durchbrochen.
Am Wochenende hat der Jungstorch das Ei angepickt und dann die Schale durchbrochen.
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Gebannte Blicke nach oben: Nachdem die Pfalzwerke den Mast stromlos geschaltet hatten, sind Mitglieder der Absturzsicherungsgrup
Gebannte Blicke nach oben: Nachdem die Pfalzwerke den Mast stromlos geschaltet hatten, sind Mitglieder der Absturzsicherungsgruppe der VG Winnweiler nach oben geklettert, um den potenziellen Nachwuchs der Störche in Sicherheit zu bringen. Die Elternvögel sind nun aber vorerst »obdachlos«.
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