Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Riesige Vogelschwärme überqueren lautstark den Landkreis

Der Morgen dämmert, tausende Kraniche machen sich in der Moorniederung zum Abflug bereit.
Der Morgen dämmert, tausende Kraniche machen sich in der Moorniederung zum Abflug bereit.

Kaum zu überhören und kaum zu übersehen: In der vergangenen Woche waren über dem Landkreis Kaiserslautern Vögel in Scharen unterwegs. Riesige Kranichgruppen rasteten auf ihrem Zug in die Heimat am Kranichwoog. Bemerkenswert: Der Kiebitz, Vogel des Jahres 2024, zeigte sich ebenfalls in großen Schwärmen.

Wer in den zurückliegenden Tagen Augen und Ohren nicht verschlossen gehalten hat, der konnte die großen Kranichschwärme auf ihrem Zug Richtung Südwest nicht übersehen, das so typische Trompeten nicht überhören. Mit diesen durchdringend lauten Tönen stimmen sich die Vögel darüber ab, wer denn nun vorne zu fliegen hat und wer weiter hinten wenigstens ein bisschen entspannen darf.

Alexander Weis, Naturfotograf aus Leidenschaft, war den Kranichen vermutlich näher als die meisten anderen. Nachts hat er sich aufgemacht, ist in die Moorniederung gefahren, hat sich in respektvollem Abstand mit seiner Kamera positioniert und auf den nächsten Morgen gewartet. „Ich konnte den schönsten Vogelzug aller Zeiten hier in Hütschenhausen miterleben“, spricht er von tausenden Kranichen, die am Kranichwoog rasteten, um im Morgengrauen aufzubrechen und Richtung Südwest zu ziehen. Am Himmel waren – gemeinsam mit weiteren großen Gruppen, die aus allen Richtungen vorbeiflogen – nach der Einschätzung von Alexander Weis etwa 3000 Kraniche. Ein Naturschauspiel der Sonderklasse, das so in der Westpfalz selten zu sehen ist.

Auch Kiebitze in Scharen unterwegs

Das Spektakel im Bruch bot jedoch weit mehr als Kraniche und viele weitere Zugvögel. Zu sehen war auch der Kiebitz, der Vogel des Jahres 2024 – und das rastend oder ziehend in großer Anzahl. Das ist ungewöhnlich. Der Kiebitz, der bis in die 1990er Jahre im Bruch brütete und seitdem aus der Westpfalz als Brutvogel verschwunden ist, lässt sich seit Jahren selbst als Zugvogel normalerweise nur noch in sehr kleinen Gruppen mit wenigen Vögeln am Himmel sehen.

„Ich habe seit 2013 bis heute nicht mehr so viele Kiebitze auf dem Zug beobachten können“, sagt Weis. Der Naturfotograf ist restlos begeistert von den riesigen Schwärmen und mindestens 3000 bis 4000 Kiebitzen, die sich ihm am Himmel und bei der Rast zeigten. Früher war der Kiebitz in der Westpfalz im offenen, flachen und feuchten Dauergrünland, in den Wiesen und Überschwemmungsflächen neben Glan und Lauter zuhause. Hier waren die Brutreviere zahlreicher Kiebitze. Auch Weis konnte den etwa taubengroßen Vogel mit dieser schicken Feder am Hinterkopf oft beobachten. Er hat vor allem die spektakulären Balzflüge bewundert. Beim Balzen drehen die Männchen flotte Schleifen in der Luft, lassen sich dann – weithin hörbar rufend – in akrobatischen Flugmanövern Richtung Boden fallen. Der Naturschutzbund (Nabu) hegt schon lange die Hoffnung, dass mit dem Kranichwoog der Kiebitz als Brutvogel zurückkommt. Nun hat er sich immerhin in großer Stückzahl beim Zug sehen lassen und hat in der Moorniederung in einem traditionellen Rastgebiet Kraft für den Weiterflug getankt.

Lag es am Wetter?

Die Krone der Vogelwelt wurde dem stark bedrohten Kiebitz für 2024 bei einer vom Nabu öffentlich durchgeführten Wahl zugesprochen. Vogelfreunde aus ganz Deutschland hatten ihn zum Sieger gekürt, um auf den laut Nabu „katastrophalen Bestandsrückgang“ aufmerksam zu machen. Der Kiebitz gilt als eine stark gefährdete Art, die in den vergangenen Jahren über 90 Prozent der Brutpaare verloren hat. Grund ist vor allem der fehlende Lebensraum, der den Vögeln durch intensive Landwirtschaft und durch Trockenlegung von Feuchtwiesen genommen wurde.

Bleibt noch die Frage danach, warum ausgerechnet in diesem Jahr beim Herbst-Vogelzug solch große Kranich- und Kiebitzschwärme im Bruch bei Hütschenhausen rasteten. „Durch die extrem schlechten Witterungsverhältnisse und den Starkregen gingen die Schwärme in der Moorniederung herunter, weil sie dort auf ihrer Zugroute die besten Rastbedingungen vorfanden“, lautet die Erklärung von Alexander Weis. Er verweist darauf, dass dort alle Wiesen überschwemmt waren und die Vögel so auch vor Fressfeinden wie dem Fuchs sicher waren.

Auch Kiebitze waren in Scharen unterwegs. Nach einem Zwischenstopp im Landkreis setzten sie ihren Flug fort.
Auch Kiebitze waren in Scharen unterwegs. Nach einem Zwischenstopp im Landkreis setzten sie ihren Flug fort.
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