Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Reichenbach-Steegen: Landfrauen laden an Walpurgisnacht zum Kräuterseminar ein

Mit Teig und Kräutern: In der Küche bereiten Ingrid Stach von den Landfrauen, Koch Jochen Laufer (links ) und sein Sohn Tim das
Mit Teig und Kräutern: In der Küche bereiten Ingrid Stach von den Landfrauen, Koch Jochen Laufer (links ) und sein Sohn Tim das Abendessen zu.

Hexennacht mal ganz anders: Die Landfrauen veranstalten eine Walpurgisnacht, bei der sich alles um Hexen- und Wildkräuter dreht. Und so kann ein Brennnessel-Cocktail ebenso probiert werden wie eine Suppe aus dem brennenden Kraut und der Brennnessel-Fladen.

Im Bürgerhaus liegt die Energie der Kräuter förmlich in der Luft. Nein, sie liegt sogar real in der Luft, der Bärlauch duftet aus jeder seiner grünen Zellen. Und auf dem Teller scheinen die Kräutergerichte nur so von gesunder Kraft zu strotzen. Im Saal, geschmückt mit Wiesenblumensträußchen, gibt die Agrarwissenschaftlerin und Kräuterfachfrau Maren Renz ihr Wissen rund um die heimischen Wildkräuter weiter, lässt keine Frage unbeantwortet, während in der Küche das große Messer im Akkord durch die Brennnesseln saust. Die Hand am Messer haben die Köche Jochen Laufer und sein Sohn Tim. Kochen mit Wildkräutern ist für Jochen Laufer eine Freude, wie er sagt, und für die Landfrauen zu arbeiten, sei wie die Pflege eines schönen Hobbys.

Walpurgisnacht, das ist für viele eine gute Gelegenheit auf den Putz zu hauen, Schabernack zu treiben oder einfach in den Mai zu tanzen. Sich dem Thema Hexen- und Wildkräuter zu widmen, das geht aber auch. Das haben sich jedenfalls die Landfrauen im Kreisverband Kaiserslautern gedacht. Else Albrecht, die stellvertretende Vorsitzende, zog also den Hexenhut aus der Versenkung und lud nach Reichenbach-Steegen. Mit überwältigendem Ergebnis: Über 70 Frauen, viele davon nicht einmal Mitglied bei den Landfrauen, und auch wenige Männer sind gekommen.

Beim Wildkräutersammeln nur Bekanntes verwenden

„Wir haben hier doch die Natur vor der Haustür. Da kann man immer noch etwas lernen“, sind sich die vielen Teilnehmer einig, dass man nie genug über das Kraut vor der Tür wissen kann. Meist stehen da Löwenzahn, das Gänseblümchen und die Brennnessel. Zumindest sind das die bekanntesten. Es gibt natürlich noch viel mehr Wildkräuter, die sich für den Teller, für den Verzehr direkt von der Hand in den Mund oder wegen ihrer heilenden Wirkung empfehlen.

„Nutzen Sie wirklich nur, was Sie auch kennen“, rät die Kräuterfachfrau Renz und weist mit Blick auf eventuelle Verunreinigungen auch darauf hin, dass die Wildkräuter in der Küche genauso zu waschen sind wie der Salat oder sonstiges Gartengemüse. Von Panikmache hält Renz aber nichts, auch nicht, wenn es um den Fuchsbandwurm geht. „In Rheinland-Pfalz ist noch nie ein Fall einer Ansteckung beim Menschen beschrieben worden“, sagt sie. In Ulm zum Beispiel sei dies anders, dort bestehe durchaus diese Gefahr, allerdings auch eher für die Landwirte und nicht für die Nutzer von Wildkräutern.

In der Brennnessel steckt jede Menge Vitamin C

Gut, aber was ist mit der eindeutigen Gefahr, die von den tückischen Brennhaaren an der Brennnessel ausgeht? „Kurz in eine Tüte stecken, mit dem Nudelholz darübergehen und dann passiert nichts mehr“, rät Renz. Auch das Kleinhacken mit einem Messer sei ein guter Weg. „Fein hacken oder pürieren und nicht zu lange Stiele lassen“, sagt Koch Laufer. Der servierte Brennnessel-Cocktail, der wie einer der grünen Smoothies aus den Supermarktregalen mit der Aufschrift „Superfood“ daherkommt, ist perfekt und begeistert ob seiner säuerlichen Frische. Auch die von Jochen und Tim Laufer bereitete Brennnesselsuppe, der Kräuterfladen sowie der Gänseblümchen-Quark sorgen für Zufriedenheit. Die Information, dass in 100 Gramm Brennnesseln satte 333 Milligramm Vitamin C stecken, während es die hochgepriesene Zitrone nur auf schlappe 53 Milligramm bringt, lassen das brennende Kraut noch weiter in der Achtung der Teilnehmer steigen.

Einfach mal die krautigen Kollegen im Garten wachsen lassen, neben Brennnesseln und Löwenzahn etwa auch Beinwell, Giersch, Gundermann und Borretsch: Damit wird nicht nur etwas für die eigene Gesundheit getan, wenn man sie denn isst, sondern auch die Insekten finden Nahrung. Die Aussage von Maren Renz fällt auf sichtbar „fruchtbaren“ Boden im Saal in Reichenbach-Steegen. Die Teilnehmer, die sind jedenfalls an Hexennacht mehr als auf ihre Kosten gekommen. Auch die Insekten dürfen sich wohl freuen, viele Teilnehmer wollen den Wildkräutern zukünftig mehr Platz im eigenen Garten bieten.

Rezept

Brennnessel-Frühlings-Cocktail der Landfrauen

Zutaten:

2 Äpfel

50 g Brennnessel

Saft von 2 Orangen

Saft von 1 Zitrone

4 EL Honig

800 ml Buttermilch

Zubereitung:

Äpfel klein schneiden und mit den Brennnesseln pürieren. Orangen- und Zitronensaft sowie den Honig dazugeben, mit Buttermilch auffüllen. Kräftig verrühren. Fertig!

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