Otterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Japanische Nacht zeigt die Stärke des Jiu Jitsu

Die Mitglieder des Zen-Bogyo-Do-Vereins nehmen Aufstellung, um kurz danach ihr Können zu zeigen.
Die Mitglieder des Zen-Bogyo-Do-Vereins nehmen Aufstellung, um kurz danach ihr Können zu zeigen.

Er gilt als eine Institution in Otterbach: Seit mehr als 35 Jahren verschreibt sich der Verein Zen-Bogyo-Do den aus dem Land der aufgehenden Sonne stammenden Selbstverteidigungskünsten. Am Samstagabend zeigten die Vereinsmitglieder bei der japanischen Nacht eindrucksvoll, was Jiu Jitsu zu bieten hat.

Bereits vor dem offiziellen Beginn der japanischen Nacht des Zen-Bogyo-Do-Vereins herrschte in der Sporthalle der Grundschule reges Treiben. Freie Plätze waren auf den Rängen zu diesem Zeitpunkt längst rar. Lange auf sich warten ließ die Eröffnung des Events nicht. Unter majestätisch anmutenden Klängen hielten die rund 100 Darsteller Einzug in die Arena. Dort präsentierten sich die zahlreichen Gruppen in all ihrer Bandbreite. Grundsätzliche Altersgrenzen kennt die waffenlose Kampfsportart Jiu Jitsu jedenfalls nicht. „Wir sind eine große Familie, unabhängig des Alters“, sagte Harald Westrich, der als Moderator durch den Abend führte. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg hat sich selbst schon lange der Verteidigungskunst verschrieben.

Ohne Gewalt verteidigen

Im Vordergrund des Abends stand ein ernstzunehmendes Thema: Mobbing. Mobbing-Opfern sollten bei der japanischen Nacht die Chancen von Jiu Jitsu aufgezeigt werden – mit dem Ziel, sich ohne Gewaltanwendung gegen andere verteidigen zu können. Gewaltverzicht ist ein elementarer Grundsatz der Sportart. Die aufgeführte Geschichte ließ viele Zuschauer mit einem Gefühl von Wut im Bauch zurück. Die Szenerie: eine zunächst unscheinbar wirkende Bushaltestelle. Doch eine solche kann für wehrlose Kinder Gefahren bergen. Hilflos wirkte die Darstellerin, die zu Beginn alleine auf den Bus wartete. Als sich weitere Menschen dazugesellten, wurde es schnell unangenehm. Gegen sich vordrängelnde Fahrgäste hatte das Kind keine Chance. Seine Worte fanden kein Gehör. Zumindest zu Beginn der Handlung. Schnell rückte das Kind in der Warteschlange aufgrund seiner Hilflosigkeit weiter nach hinten. Doch mit zunehmender Erfahrung im Jiu Jitsu wuchs das Selbstvertrauen des Mädchens. Zum Lachen zumute war den alles andere als sympathisch wirkenden Rowdys schnell nicht mehr. Dem anfänglich wehrlosen Opfer erwuchsen zuvor nicht vorhandene oder zumindest verborgene Kräfte. Wenige Augenblicke später lag der ein oder andere Rabauke am Boden. Nicht die Gewalt, aber stets den Selbstschutz zur Hand, wurde damit die Intension der japanischen Kampfkultur vermittelt.

Aus verschiedenen Blickwinkeln

Der Applaus zwischen den Szenen bestätigte das Können der großen und kleinen Sportler. Die der Kampfkunst innewohnende Höflichkeit zeigte sich mit Verbeugungen unter den Akteuren. Trotz des eher bedrückenden Schauspiels kam auch der Humor nicht zu kurz. Ungeschickt anmutende Bewegungen entlockten den ein oder anderen Lacher.

Zusätzlich konnte das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln auf zwei Leinwänden verfolgt werden. Wer wollte, konnte sich die japanische Nacht auch zu Hause auf dem Laptop, Tablet oder Handy anschauen: Das Gefilmte wurde nämlich im Internet gezeigt.

„Ich möchte das auch lernen“, sagte am Ende ein Junge mit sichtlicher Begeisterung zu seinen Eltern. Die Nachwuchsarbeit des Vereins trägt Früchte. Kam es mit Blick auf die Mitgliederzahl immer mal wieder zu den üblichen Schwankungen, wurde nun ein Rekord verbucht. Stattliche 527 Mitglieder zählt der Zen-Bogyo-Do-Verein mittlerweile.

Über die Schulter: Die Jugendgruppe demonstriert, wie Gegner auf die Matte gelegt werden können.
Über die Schulter: Die Jugendgruppe demonstriert, wie Gegner auf die Matte gelegt werden können.
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