Kreis Germersheim Wochen-Spitzen:

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Die Stadtbahn fällt mangels Zugführern aus, die S-Bahn produziert Schwarzfahrer dank kaputter Automaten. Es stimmt etwas nicht in der regionalen Nahverkehrswelt. Eine kanadische Touristin jedenfalls hatte nur Kopfschütteln übrig, als sie mit ihren deutschen Gastgebern auf dem Rückweg vom Mannheimer Stadtfest in die Südpfalz war. Was nämlich prima angefangen hatte, entpuppte sich als Zwang zum Schwarzfahren. Direkt beim Gang in den Mannheimer Hauptbahnhof fuhr nämlich die S 3 nach Germersheim ein. Perfekt. Das Ticket soll im Zug gelöst werden, schließlich haben die Bahnen alle Fahrkartenautomaten an Bord. So weit, so gut. Der Fahrkartenautomat war im Wagen schnell zu finden – und nicht zu übersehen die Anzeige „Außer Betrieb“. Fast zu übersehen war allerdings das Kleingedruckte, das es nicht nur auf Papier-Verträgen gibt, sondern auch auf Fahrkartenautomaten in S-Bahnen der Deutschen Bahn. Darauf steht nämlich, dass es hier zwar einen Fahrkartenautomaten gibt, aber dessen Tickets nur gelten, wenn es am Ausgangsbahnhof der Fahrt keine Tickets gab. Und weil der Automat, dessen Tickets eigentlich nicht gelten, jetzt auch noch „außer Betrieb“ ist, sind die Kanadierin und ihre Begleiter wahrscheinlich gleich Mehrfachschwarzfahrer. „Manchmal spinnt ihr schon ein bisschen, ihr Deutschen mit eurer Regelwut“, war der noch milde Kommentar der Touristin. Wenigstens kam kein Kontrolleur. Denn die Bahn besitzt wahrscheinlich die Chuzpe, sich genau auf dieses Kleingedruckte zu berufen und 40 Euro für die erzwungene Schwarzfahrt zu verlangen. Eine Fahrt ins Ungewisse steht den meisten der 164 Mitarbeiter von Nolte Möbel in Germersheim bevor, die noch in diesem Monat entlassen werden sollen. Der Einschnitt der Unternehmensleitung ist hart, aber nach deren und auch nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter unausweichlich und überfällig, wenn es besser werden soll. Schließlich stehe die Existenz des ganzen Produktionsstandorts beziehungsweise die Zukunft aller Beschäftigten auf dem Spiel. Das wird allerdings für die, die gehen müssen, wenig tröstlich und nur schwer verständlich sein. Geht es in vielen Fällen doch nicht nur um Einzelschicksale, sondern um ganze Familien, die von einem Arbeitsplatz abhängig sind. Tröstlich könnte hingegen sein, dass in Germersheim Arbeitskräfte gesucht werden: von Mercedes-Benz, aber auch vom sich just ansiedelnden Logistikunternehmen Compass und seinem strategischen Partner Thimm aus der Verpackungsindustrie – Letztere verpacken im Auftrag des Autoherstellers mit dem Stern Ersatzteile und transportieren sie in alle Welt – summa summarum sind das bis zu 350 Stellen. Um eine davon zu ergattern, bedarf es allerdings einer gewissen Qualifikation, und man darf nicht zu alt sein. Wer durch dieses Raster fällt, der hat es richtig schwer auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Ein schönes Wochenende

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