Wochen-Spitze Wo stand die Wiege des SS-Offiziers?

Ein dunkler Schatten.
Ein dunkler Schatten.

Ein ehemaliger SS-Offizier soll aus Westheim stammen. Recherchen im Ort laufen ins Leere und ein Online-Riese ist Antwort schuldig.

Städte und Kommunen brüsten sich gerne mit berühmten Söhnen und Töchtern der Gemeinde. In Germersheim hat man einen Platz und gleich die ganze Pfarrei nach dem Theologen und Sozialreformer Josef Paul Nardini benannt. In Rülzheim darf man durchaus stolz darauf sein, dass FCK-Sportboss Thomas Hengen hier schon in der F-Jugend die Fußballschuhe schnürte. Und der Mundartpoet Bellemer Heiner hat den Namen seines Heimatdorfs weit über die Region hinaus bekannt gemacht.

Wenig begeistert hingegen waren die Westheimer, als sie davon hörten, dass ein ehemaliger SS-Offizier ihrer beschaulichen Gemeinde entstammen soll. Zumindest steht das so in Wikipedia, dem Online-Lexikon, auf das man in intellektuellen Notfällen schneller zugreift als die Hirnsynapsen Piep sagen können. Einem aufmerksamen Bürger war aufgefallen, dass in dem Eintrag zu Westheim/Pfalz ein gewisser Emil Höring als „Sohn der Gemeinde“ aufgeführt ist. 1890 hier geboren, verblichen 1976 in Würzburg, Polizeioffizier und SS-Gruppenführer im Zweiten Weltkrieg. In einer Einwohnerstunde hatte der Mann den Gemeinderat damit konfrontiert und um Klärung gebeten.

Schnell gingen die Recherchen los, die allerdings bislang ins Leere liefen. Ein Emil Höring ist offenbar im Ort nicht bekannt. Hinweise, dass tatsächlich hier die Wiege des hochrangigen SS-Manns stand, konnte der Zweite Beigeordnete Sascha Gießler jedenfalls nicht finden. Schlussfolgerung: Der Träger des SS-Ehrenrings könnte der berühmte Sohn eines anderen nicht-pfälzischen Westheims sein und der Wikipedia-Autor, der diesen Eintrag gemacht hatte, einem Irrglauben erlegen sein.

Gießlers Plan, den Namen erstmal löschen zu lassen, ist nicht aufgegangen. Warum, das weiß wohl nur der Internetriese. Diesen hatte er nämlich angeschrieben, als der Versuch, die unliebsame Zeile selbst zu tilgen, gescheitert war. Denn Artikel verändern, kann im Prinzip auf der Plattform jeder. Hier hinterlassen nicht nur erlesene Universalgenies ihre Spuren, sondern auch ganz normale Intelligenzbestien. Wenn Millionen Wikipedianer am Werk sind, kommt da einiges an Wissen zusammen, aber auch so mancher Missgriff. Das sollte man bei jedem schnellen Klick auf das vermeintlich allwissende Wiki-Hirn im Hinterkopf haben.

Die Enzyklopädie setzt darauf, dass Fehler von der gigantischen Autoren- und Leserschaft bemerkt und korrigiert werden. In diesem Fall hat ein aufmerksamer Bürger den Stein ins Rollen gebracht. Eine Antwort von Wikipedia steht indes noch aus. Die Gemeinde jedenfalls hat den SS-Mann weiter im Blick und bleibt an der Sache dran.

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