Kreis Germersheim Schwachstellen beseitigen

Moderne Technik soll im Kirchturm installiert werden.
Moderne Technik soll im Kirchturm installiert werden.
„Neupotz.“ Für die kleinste Gemeinde der Verbandsgemeinde Jockgrim soll das Jahr 2019 das „digitale Jahr“ werden. Den Ausbau des Ortes mit besserer Breitband- und besserer Mobilfunk-Versorgung kündigte Karl Dieter Wünstel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Jockgrim, schon zu Jahresbeginn an. Karl Dieter Wünstel und Ortsbürgermeister Roland Bellaire konkretisierten in einem Gespräch, wie die Digitalisierung schrittweise umgesetzt werden soll. Dabei erklärten sie auch, warum es zu Verzögerungen kommt. Der Gemeinderat Neupotz war ebenfalls schon mit dem Thema befasst, dabei ging es um freies W-Lan und mögliche Förderungen (wir berichteten). Neupotz besteht nicht nur mit Blick auf die Höhenunterschiede innerhalb der Gemarkung aus zwei unterschiedlichen Ortsteilen. Auch in Bezug auf die Abdeckung mit Breitband-Versorgung ist die Gemeinde geteilt. So ist der auf dem Hochgestade liegende „Hardtwald“ mit dem alten und dem neuen Wohngebiet laut den Übersichten der Telekom „verhältnismäßig gut erschlossen“, so Wünstel. Der Altort im Tiefgestade hinke allerdings hinterher. Deshalb war die Freude groß, als die Telekom bei mehreren Gespräche bereits im Jahr 2017 anbot, den unterversorgten Ortsteil, wie bereits Hatzenbühl, Jockgrim und Rheinzabern, auf eigene Kosten auszubauen. Zum Einsatz kommt dabei die sogenannte „Vectoring-Technik“, die auf eine Kombination von Glasfaser und Kupferkabeln setzt. Der Ausbaubeginn hätte bereits letztes Jahr erfolgen sollen, verzögerte sich jedoch. Von der Telekom wurde aktuell der flächendeckende Ausbau bis zum Jahresende 2019 genannt. Zweiter Sender könnte im Spätsommer in Betrieb gehen Auch das Mobilfunknetz weist seit Jahren Schwachstellen bis hin zu Funklöchern auf. Neupotz dränge auf eine Lösung dieser Situation, so Bürgermeister Wünstel. Er hatte schon in den letzten beiden Jahren Gespräche geführt, die Ortsgemeinde wurde zur möglichen Lage weiterer Sendeanlagen befragt. Da auf dem Kirchturm bereits ein funktionierender, aber etwas veralteter E-Netz-Sender installiert ist, bot sich der Turm für weitere Anbieter an. In 2018 einigten sich die Kirchengemeinde, die Diözese und die Telekom vertraglich auf eine Lösung. Ein zweiter Sender wird ebenfalls im Turm installiert. „Die Ausführungsplanung für das D1-Netz steht und hätte in 2018 bereits realisiert werden sollen, aber dann sprang leider die seitens der Telekom beauftragte Firma ab“, so Karl Dieter Wünstel. Das beauftragte Ingenieurbüro rechnet nun mit der Inbetriebnahme spätestens im dritten Quartal. Mittlerweile sei eine neue Firma gefunden worden, man warte auf den Beginn des Ausbaus, müsse aber aktuell noch einige Denkmalschutzfragen klären. Auch der veraltete E-Plus-Sender solle in diesem Jahr modernisiert werden, hier werde auf LTE-Standard aufgerüstet. Die beauftragte Firma warte auf die Freigabe der Ausführungsplanung, die Umsetzung sei ebenfalls für 2019 angekündigt. Was nicht realisiert wird, ist ein mit Landes- oder EU-Fördermitteln finanziertes freies W-Lan mit öffentlichen Hotspots. Noch im letzten Jahr stellte die Gemeinde dazu einen Förderantrag bei der EU und hatte sogar den Zuschlag für 15.000 Euro an Fördermitteln erhalten. Letztlich erwiesen sich die Bedingungen, an die der Zuschuss gekoppelt war, als so hoch und aufwendig, dass der Gemeinderat auf den Zuschuss verzichtet. Es hätten zehn Zugangspunkte im Freien installiert werden müssen, dazu einige in öffentlichen Räumen. Schon allein die Wartungs- und Unterhaltungskosten für die mindestens drei Jahre lange Betriebsdauer hätten bei rund 30.000 Euro gelegen. Zu viel, befand der Gemeinderat und forderte die Verwaltung auf, mit alternativen Lösungen zu suchen. Das Ergebnis soll nach der Wahl im neuen Gemeinderat diskutiert werden. Ortsbürgermeister Roland Bellaire und Verbandsgemeindebürgermeister Karl Dieter Wünstel sind zuversichtlich: Man verhandle mit Unternehmen der freien Wirtschaft und merke, dass man dem Wettbewerb unterliege, aber bisher habe es lediglich Verzögerungen gegeben; kein Ausbaupartner sei bisher von der generellen Zusage zum Ausbau abgerückt. „Neupotz ist auf dem Weg, wenn nichts mehr dazwischenkommt, wird 2019 wirklich das digitale Jahr für die Gemeinde.“